Immobilienmarkt | Immobilienkonzern kauft Wohnbestand Privatisierung: Bund verkauft rund 11.500 Ost-Wohnungen

20. November 2012 | von
Berliner Wahrzeichen: Schon bald könnte auch die Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg unter den Hammer kommen. Die umgenutzte Brauerei gehört zum Immobilienbestand der ehemaligen Treuhand Liegenschaftsgesellschaft TLG. Foto: KlausM  / PIXELIO Berliner Wahrzeichen: Schon bald könnte auch die Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg unter den Hammer kommen. Die umgenutzte Brauerei gehört zum Immobilienbestand der ehemaligen Treuhand Liegenschaftsgesellschaft TLG. Foto: KlausM / PIXELIO

Zum Ende des Jahres sollen über 11.000 Wohnungen der ehemaligen Treuhandtochter TLG den Besitzer wechseln. Der Hamburger Wohnungskonzern TAG zahlt dafür fast eine halbe Milliarde Euro.

Bereits am Montag wurde der Immobilien-Coup, bei dem 11.350 Wohnungen in der ehemaligen DDR privatisiert werden sollen, bekannt. Zusätzlich zum Kaufpreis von 471 Millionen Euro, werden bestehende Verbindlichkeiten in Höhe von 256 Millionen Euro übernommen. Das Geld zur Übernahme will der börsennotierte Immobilienkonzern sich über die Ausgabe neuer Aktien holen. Die Wohnungen waren vom Bund öffentlich ausgeschrieben worden, beworben hatte sich unter anderem auch „die Linke“.

Die verkauften Wohnungen verteilen sich in erster Linie auf die Städte Rostock und Dresden. Dazu kommen nach Angaben der Berliner Morgenpost knapp 2.300 Wohnungen in Brandenburg und weitere 55 in Berlin.

Strenge Auflagen sollen Mieter schützen

Zudem muss der Privatinvestor TAG strenge Auflagen zum Schutz der Mieter in Kauf nehmen. Die Berliner Morgenpost berichtet, dass alle bestehenden Mietverträge unverändert übernommen werden sollen. Auch vor Kündigungen und Luxussanierungen will der Bund schützen: Fünf Jahre lang kann den derzeitigen Mietern aus Gründen des Eigenbedarfs und der Wirtschaftlichkeit nicht gekündigt werden. Zudem dürfen die Mieten innerhalb der nächsten 10 Jahre aufgrund von Sanierungen nicht erhöht werden.

Mit den Vorschriften wollte der Bund vor allem verhindern, dass die Wohnungen an sogenannte „Heuschrecken-Konzerne“ verkauft werden. Dies sind meist ausländischen Investoren, die günstigen Wohnungsbestand unter der Prämisse der Gewinnmaximierung aufkaufen. In der Realität bedeutet das meist, dass Wohnungen angekauft, luxussaniert und dann wieder verkauft werde, was oft zulasten der Altmieter geht, die sich die teuren Mieten nicht mehr leisten können.

Kritiker sind skeptisch

Trotz dieser verhältnismäßig strengen Maßnahmen zum Schutz der Mieter befürchten viele Kritiker bereits jetzt, dass die Mieten der betroffenen Wohnungen extrem in die Höhe schnellen könnten. Gerade in Zeiten, in denen vielerorts über Wohnungsmangel geklagt werde, sei ein solcher Verkauf an staatlichem Wohnbestand ein bedenkliches Signal, so ein Leser-Kommentar auf „Zeit.de“.

Den Unmut schüren dürfte zudem, dass auf den Verkauf des Wohnbestandes nach Angaben der Berliner Morgenpost schon bald die Veräußerung von Gewerbeimmobilien der TLG folgen soll. Dazu gehören unter anderem bekannte Berliner Gebäude wie die Kulturbrauerei.




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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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