Mieten | Hauptstadt für Alle? IHK Berlin: Wohnungsmangel erreicht Mittelschicht

20. Dezember 2012 | von
Berlin Kreuzberg Berlin, quo vadis? Die Interessengruppen sind sich einig, dass Maßnahmen ergriffen werden müssen, soll Berlin auch weiter für alle sozialen Schichten erschwinglich bleiben. Foto: immobilo_marieke

Nachdem vor allem Studenten und sozial schwächere Schichten schon langer über steigende Mieten und Verdrängung in deutschen Großstädten und Ballungsräumen klagen, schlägt nun auch der Mittelstand Alarm: Die Berliner Industrie und Handelskammer (IHK) legt jetzt gar ein eigenes Konzept zur Bekämpfung der Probleme auf dem Immobilienmarkt der Hauptstadt vor.

Bislang wurde Wohnungsmangel in den Medien vor allem als Problem sozial schwacher Schichten dargestellt, die durch steigende Mieten nach und nach aus den innerstädtischen Lagen an die Ränder der Stadt verdrängt werden. Mit der Forderung „bezahlbaren Wohnraum für die Mittelschicht“ zu schaffen, macht die die Berliner IHK deutlich, dass das Thema inzwischen eine breite Schicht von Bürgern betrifft.

Förderung sozial schwacher Schichten statt sozialer Wohnungsbau

Konkret wird in dem 34-Seiten langen Thesenpapier ein Gegenentwurf zu den Plänen des Senats vorgelegt. So stellt sich die IHK vor allem gegen den Wiedereinstieg in den sozialen Wohnungsbau. Dies habe sich schon in den 80er und 90er Jahren als Fehler herausgestellt. Besonders nach der Wende waren in Berlin angesichts überzogener Wachstumsvorstellungen massenhaft Wohnungen gebaut worden. Diese blieben später zum großen Teil unbewohnt und verschlingen nach Angaben der „Berliner Morgenpost“ bis heute jährlich dreistellige Millionenbeträge.

Sinnvoller ist es nach Einschätzungen der IHK hingegen, gezielt jene Bürger zu fördern, die derzeit Schwierigkeiten haben, eine Bleibe zu finden. So könnten beispielsweise die Wohnungskostenzuschüsse für Hartz-IV-Empfänger angehoben werden. Aber auch für die Mittelschicht müsse der Wohnraum auf Dauer bezahlbar bleiben. Um Neubau-Kaltmieten zwischen acht und zehn Euro pro Quadratmeter zu erzielen, sei es vor allem notwendig Anreize zur Quersubventionierung zu schaffen. „Die teure Dachgeschosswohnung mit zwölf bis 14 Euro subventioniert so die günstigere Wohnung in den weniger begehrten Etagen“, erklärt die IHK-Koordinatorin für Bau- und Immobilienwirtschaft, Karla Leyendecker ihr Konzept. Außerdem ist die Expertin für eine stadtweite Quote, die den prozentualen Anteil an günstigem Wohnraum regelt.

Mieterverein hält Vorstellungen der IHK für nicht leistbar

Auf Widerstand stoßen die Pläne der IHK dagegen beim Berliner Mieterverein (BMV). Wie die „Berliner Morgenpost“ berichtet, hält die die Interessenvertretung der Mieter Kaltmieten von acht bis zehn Euro für absurd und für die meisten Berliner Haushalte kaum erschwinglich. Bei einem Brutto-Monatseinkommen von 1.500 Euro, mit dem 65 Prozent aller Berliner Singlehaushalte auskommen müssen, seinen Mieten dieser Höhe nicht realistisch. Für leistbar hält der BMV Kaltmieten von bis zu 6,30 Euro pro Quadratmeter.

Berlin muss Anziehungspunkt bleiben

Obwohl noch Uneinigkeit über die Höhe der Mietpreise herrscht, stimmen die Vorstellungen der Interessengruppen dahin gehend überein, dass gehandelt werden muss, wenn Berlin seine multikulturelle aber auch soziale Ausrichtung nicht verlieren will. So sagte IHK-Chef Jan Eder, dass es genau die Mischung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen in der Innenstadt sei, die die deutsche Hauptstadt bislang von anderen Metropolen der Welt unterschieden hätte. Diese macht Berlin zum Anziehungspunkt für Zuzügler – aber auch Investoren.




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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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