Wie gut lebt es sich in Deutschlands Städten? Neue „Urban Audit“-Studie zur Lebensqualität

11. Januar 2013 | von
Braunschweiger Bürger werden zur Lebensqualität der Stadt befragt. Braunschweiger Bürger werden zur Lebensqualität der Stadt befragt. Foto: Igge / wikimedia /cc-by-sa 2.5

Angelehnt an die Befragung der Europäischen Kommission führt das Kommunale Statistische Informationssystem (KOSIS-Gemeinschaft) alle drei Jahre das „Urban Audit“ zur Lebensqualität durch. Auch wieder mit dabei ist Braunschweig.

Braunschweig gehört zu den 20 deutschen Teilnehmern, die sich neben den 75 von der EU ausgesuchten Städten am „Urban Audit“ beteiligen. Die Studie soll helfen, wichtige Informationen zur Bürgerzufriedenheit zu sammeln, damit die Städte ihre Entwicklungspotenziale entdecken und nutzen können. Die Befragung zur Lebensqualität findet telefonisch per zufälliger Auswahl statt. In Braunschweig läuft die Erhebung bereits seit dem 22. November und endet im Januar. Die Stadt nimmt nicht zum ersten Mal an der Studie teil: Bereits im Jahr 2010 wurde Braunschweig als einer der lebenswertesten Städte Deutschlands ausgezeichnet.

Braunschweig ist Lebensqualität

Bei der Erhebung im vorletzten Jahr lag Braunschweig im Vergleich mit 26 anderen deutschen Städten in vielen Bereichen weit vorne. In der Frage nach dem Wohlbefinden landete Braunschweig beispielsweise auf dem fünften Rang. Auf den Plätzen davor finden sich mit der bayerischen Millionenmetropole München und der kleinen Studentenhochburg grundverschiedene Städte wieder. Bei der Aussicht nach positiver Veränderung innerhalb der nächsten fünf Jahre rangierte die Stadt auf Platz vier. Die meisten Punkte hat Braunschweig 2010 in den Bereichen Stadtbild, Sauberkeit und Sicherheit erreicht. Bei der neuen Untersuchung wird interessant, ob sich die Situation im öffentlichen Nahverkehr, bei den Sportanlagen und Arbeitsplätzen verändert hat. In diesen Kategorien rangierte die Stadt in der Vergangenheit auf den hinteren Plätzen.

Denkanstöße durch das Ranking

Braunschweig will die Ergebnisse als Chance für Verbesserungen nutzen. Um bei der nächsten „Urban Audit“-Studie auch in den noch mangelhaften Punkten besser abzuschneiden, wurden verschiedene Initiativen in die Welt gerufen. Die Stadtmarketingkampagne „lebelieberlebenswert“, die vom 28.Juli bis 14.August 2011 lief, hatte das Ziel, das vielseitige Braunschweig als ansprechenden Wohnort mit hoher Lebensqualität zu präsentieren. Auch sollte die Attraktivität weit außerhalb der Braunschweiger Grenzen in die Welt getragen werden.

Auch in diesem Jahr wird nach wie vor an der Lebensqualität und der Weiterentwicklung gearbeitet. Das Konzept „ErlebnisRegion2020“, das weitere Städte Niedersachsens wie etwa Wolfsburg mit einschließt, hat es sich zum Ziel gesetzt, die Freizeit- und Lebensqualität in der Region zu steigern. In diesem Zuge hat Braunschweig zudem das Projekt „Regionale Umsetzungs- und Investorenkonzept“ (RIK) beschlossen. Des Weiteren haben sich die Regionalentwicklungsgesellschaften Wolfsburg AG und Region Braunschweig GmbH für eine Kooperation für die Verbesserung der Infrastruktur und für die Schaffung von Arbeitsplätzen zusammengefunden. Das Projekt läuft bereits seit 2009 und arbeitet an einer Profilierung der Region Braunschweig-Wolfsburg im weltweiten Wettbewerb. Kernthemen hier sind Verbesserungen bei der Bildung, der Wirtschaftsförderung und dem Verkehr.

Mittelgroße Städte mausern sich

Auffällig ist, dass besonders mittelgroße Städte bei der Lebensqualität punkten können. Neben Braunschweig ist beispielsweise das hessische Darmstadt nennenswert, ebenfalls Teil der „Urban Audit“-Studien. Bei der repräsentativen Stichprobe bescheinigten die Darmstädter ihrer Stadt im Jahr 2010 mit 76,6 Prozent eine hohe bis sehr hohe Lebensqualität, was eine bereits eine Steigerung zu den Werten von 2009 war. Dieses Jahr erwarten die Forscher einen weiteren Fortschritt in dem Bereich. Mit der Wohnsituation waren die Darmstädter zu 63,4 Prozent zufrieden und zu 30,8 sogar sehr zufrieden, wie die Zahlen von 2010 belegen. Doch auch Negativpunkte wurden von den Bürgern genannt. So etwa wünschten sich 62 Prozent der Einwohner mehr Ausgaben für die Kinderbetreuung und Straßensanierung, auch Fahrradwegausbau und Schulsanierungen waren auf der Wunschliste. Die „Urban Audit“ wird Mitte des nächsten Jahres zeigen, ob sich an diesen Punkten in Darmstadt etwas geändert hat.

Auch im Westen und Süden lebt es sich gut

„Deutschland zum Wohlfühlen“ ist der Name einer Studie im Auftrag der “Deutsche Bank Research”. Im November 2007 attestierte diese Forschungseinrichtung der Stadt Ulm eine hohe Lebensqualität, was später auch ein Ranking der Dekabank und Immobilienmanager 2009 bestätigten, als Ulm den sechsten Rang bei den attraktivsten deutschen Immobilienmärkten belegt. Dass sich dies in Ulm auch nachfrageseitig auswirkt, beweist das aktuell große Interesse an Immobilien in der baden-württembergischen Stadt.



Infografik: Deutschlands Wohlfühlregionen

Wo fühlen sich die Deutschen besonders wohl? Einer Studie der Deutsche Bank Research zufolge überzeugt die Region Donau Iller ihre Einwohner am meisten. Als beste Stadt kann sich Osnabrück auf Rang 5 platzieren, die großen Metropoloen Hamburg (Rang 56) oder Berlin (Rang 80) landen beim Wohlfühlfaktor überraschend auf den hinteren Rängen. Schlusslicht ist Mittlere Mecklenburg/Rostock.

Wohnqualität Deutschland

Quelle: Deutsche Bank Research. Die Studie hat die Zufriedenheit der Bürger aus 97 Regionen und Städten in Deutschland in verschiedenen Kategorien untersucht. Die Werte verdeutlichen die durchschnittlichen Bewertungen in den einzelnen Kategorien (Zufriedenheit, Vertrauen, Gesundheit, Arbeitslosigkeit, Geburtenrate und Einkommen) bezogen auf 100%.


In puncto Wohnqualität überzeugen inzwischen nicht mehr nur die „üblichen verdächtigen“ Städte. Der Ruhrpott beispielsweise, in den vergangenen Jahrzehnten noch der Inbegriff einer durch die Industrie landschaftlich negativ geprägten Gegend, putzt sich immer mehr heraus. Im September dieses Jahres schaffte es Dortmund bei der repräsentativen Online-Befragung der ServiceValue GmbH in 15 deutschen Großstädten insgesamt zwar nur auf den zehnten Platz, in der Kategorie Leben und Wohnen landete die Ruhrpottmetropole jedoch auf einem sehr guten fünften Platz. Zudem gelten die Preise für Immobilien in Dortmund  im Vergleich zu kleineren Universitätsstädten zu den großen Ballungsräumen als relativ günstig. Auch bei Bildungsangeboten, Infrastruktur und vor allem beim Sport kann Dortmund weiterhin punkten.

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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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