Wohnen | Themenmonat Barrierefreiheit Generationen-WG: Gemeinsam profitieren

4. Februar 2013 | von

Einsamkeit im Alter – das muss nicht sein. Wenn die Kinder schon lange aus dem Haus sind, kann es schnell sehr still werden in einer Wohnung. Nicht allen ist das angenehm.

Stattdessen wünschen sich viele Ältere ein geselliges Leben unter Mitmenschen. Das Modell Generationen-WG bietet Senioren deshalb die Möglichkeit, mit Jung und Alt zusammenzuleben – Wohngemeinschaft mal anders. Ein solches Projekt findet sich zum Beispiel im Mehrgenerationenhaus im Münchener Stadtteil Riem. 250 Menschen leben hier unter einem Dach, angefangen von der jungen Familie bis zum älteren Ehepaar.

Miteinander statt nebeneinander wohnen

Das Konzept: Die Menschen sollen hier nicht nebeneinander, sondern miteinander wohnen, egal ob Babys und Rentner oder Singles und Familien. Die moderne Wohnform ist ein Projekt der wagnis eG, einer jungen Münchner Baugenossenschaft. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Älteren passen auf die Kinder auf, helfen bei den Hausaufgaben und genießen ein bisschen Trubel im Haus. Gerade für junge Familien ist das mehr als praktisch: Ein Babysitter findet sich immer. Im Gegenzug helfen die Jüngeren des Öfteren im Haushalt oder erledigen Einkäufe.

Noch interessanter wird der Kontrast Jung-Alt im Fritz-Kistler-Haus in Pasing. Ursprünglich fand sich hier ein gewöhnliches Seniorenheim, bis im selben Gebäude vor fünf Jahren eine Kinderkrippe eröffnet wurde. Die Kombination der beiden Einrichtungen war eine Idee der Stiftung Altenhilfe der Stadtsparkasse München. 1977 war das Fritz-Kistler-Haus von der Stiftung errichtet worden und wird seitdem von der Münchner Arbeiterwohlfahrt betrieben. Im Pflegebereich leben 97 Senioren, weitere 37 im Wohnbereich – und vor fünf Jahren kamen noch 24 Kleinkinder dazu, die in die Kinderkrippe ins umgebaute Erdgeschoss einzogen.

Vom Säugling bis zu Senioren alle unter einem Dach

Jung und Alt leben hier harmonisch zusammen: Die Krippe liegt direkt neben dem Speisesaal des Altenheims sowie nahe an den Briefkästen der Bewohner. Wer also essen geht oder die Post holt, kommt automatisch an den Kindern vorbei – eine gute Gelegenheit für einen kleinen Plausch oder etwas Spielerei. Um das Miteinander der unterschiedlichen Generationen weiter zu fördern, hat man außerdem die Terrasse der Heim-Cafeteria so umgebaut, dass die Senioren einen guten Blick auf den Spielplatz der Kinderkrippe haben. Im Sommer kann den Kleinen so beim Spielen zugesehen werden.

Eine unkonventionelle Wohnform für Jung und Alt gibt es auch in vielen Studentenstädten: Senioren stellen Studenten ein Zimmer in ihrem Haus oder ihrer Wohnung zur Verfügung, im Gegenzug verpflichten sich diese, ihren älteren Vermietern im Alltag behilflich zu sein. Als Faustregel gilt bei diesem Modell: Pro genutzten Quadratmeter Wohnraum hilft der Student eine Stunde pro Monat beim Einkauf, bei der Gartenarbeit oder anderen alltäglichen Arbeiten. So wird die Miete quasi in Dienstleistungen abbezahlt – nur die Nebenkosten muss der Student selbst tragen. Um als Senior an dem Projekt „Wohnen für Hilfe“, das in immer mehr Studentenstädten angeboten wird, teilnehmen zu können, muss man nicht unbedingt hilfsbedürftig oder im Alltag eingeschränkt sein. Oft wird einfach nur ein wenig Leben im Haus und Gesellschaft gewünscht.

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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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