Immobilienmarkt | Immobilien Immobilien: Deutscher Städtetag kritisiert Wohnungsmangel

14. Februar 2013 | von

Wohnungsmangel herrscht fast überall in der Bundesrepublik. Der Deutsche Städtetag erklärt das Problem aus diesem Grund zum Schwerpunkt für das Jahr 2013.

Preiswerte Immobilien und Wohnungen fehlen in fast allen Regionen Deutschlands. Der Deutsche Städtetag ruft jetzt den Bund und die Länder auf den Plan: Sie müssten mehr gegen steigende Mieten und den Wohnungsmangel unternehmen. In einigen Städten sei die Lage bereits äußerst prekär, meint der Präsident des Städtetages Christian Ude (SPD) im Januar auf der Tagung in Bremerhaven. Besonders betroffen seien Familien mit geringem Einkommen und Studenten. Allmählich hätten aber auch Menschen mit mittlerem Einkommen Schwierigkeiten bezahlbaren Wohnraum zu finden – laut Ude ein klares Zeichen, das etwas passieren muss.

Förderung und Anregung

Einige Vorschläge bringt Ude, der auch Oberbürgermeister in München ist, selbst vor: Bund und Länder sollen zwischen 2014 und 2019 den sozialen Wohnungsbau fördern, den privaten Wohnungsbau steuerlich anregen und die stetig steigenden Mieten stoppen.

Als OB von München kennt Ude die Problematik aus erster Hand. Die bayerische Landeshauptstadt ist die teuerste Stadt in Deutschland. Doch generell zeichnet sich Bayern dieser Tage mit Spitzenwerten aus, wenn es um Mietpreise und Wohnungsmangel geht. Dabei sind nicht nur die großen Städte wie eben München oder Nürnberg betroffen. Auch kleinere Orte wie Bamberg oder Aschaffenburg haben mit steigenden Mieten zu kämpfen.

Kleine Studentenstädte mit großen Problemen

Jedes Jahr im September und Oktober stehen Unistädte vor dem gleichen Problem: Erstsemester strömen in die Städte und suchen nach preiswerten Immobilien und Wohnungen. So auch in Bamberg: Doppelte Abiturjahrgänge, steigende Mieten und ein Mangel an Wohnraum haben zum Teil schon zu Aktionen geführt, die im ersten Moment fast unglaublich erscheinen. Notunterkünfte sind heutzutage kaum noch erwähnenswert, weil sie in allen kleineren Universitätsstädten regelmäßig benötigt werden. Die Stadt Bamberg hat aber etwa im Jahr 2008 Container aufbauen müssen, um die Studenten, die bei der Wohnungssuche erfolglos blieben, unterzubringen.

Es sind jedoch nicht nur Studenten, die in Bamberg auf Wohnungssuche sind. Gerade Menschen, die eine kleine Wohnung suchen, müssen tiefer in die Tasche greifen – wenn sie überhaupt ein Objekt finden. Das Gleiche gilt für Einkommensschwache, die oft in Konkurrenz mit den Studenten stehen, wenn es um bezahlbaren Wohnraum geht. Solche Situationen will der Deutsche Städtetag in Zukunft mit Neubauprojekten, vor allem auf dem Sektor des Sozialbaus, unterbinden.

Auch in der Hochschulstadt Aschaffenburg fehlt es auf dem Wohnungsmarkt an Immobilien und Wohnungen speziell für Studenten. Zwar mussten hier zu Beginn eines Semesters keine Notunterkünfte eingerichtet werden, doch die Situation spitzt sich zu. Die Stadt ist in der günstigen Situation, im Großraum Frankfurt zu liegen – mit Auswirkungen. Die hessische Großstadt ist schon längst an ihre Grenzen gestoßen, Wohnraum ist dort sehr knapp. Deswegen sucht die Stadt Ausweichmöglichkeiten und eine davon könnte auch Aschaffenburg sein. Dabei geht dort seit 2006 der Wohnungsbau zurück, vor allem bei Sozialwohnungen. Wird gegen diese Entwicklung nicht vorgegangen, dann sieht sich auch Aschaffenburg bei Immobilienpreisen und Wohnungsmieten in der Zukunft vor noch größeren Problemen.

Einfamilienhäuser, aber keine Studentenbuden

Ortswechsel: Im Nordwesten Deutschlands liegt die Universitätsstadt Münster. Während sich dort Studenten am Anfang des Wintersemesters in Notunterkünfte zusammenfanden, um wenigstens ein Dach über dem Kopf zu haben, berichtet die Zeitschrift „Men’s Health“, dass laut einer Erhebung des Statistischen Bundesamts nirgendwo so viele Einfamilienhäuser wie in Münster gebaut werden. Wie passt das zusammen? Erklärt wird Situation in Münster damit, dass dort noch genug Platz zum Bauen ist. Doch scheinbar ist dieser nicht für alle da: Der Arbeitskreis „Studentische Wohnraumversorgung“ hat ermittelt, dass bis 2015 1.323 Stundenwohnungen in Münster fehlen werden.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch das Forschungsinstitut Prognos. Münster werde in rund 15 Jahren tausende Wohnungen zu wenig haben. Vor allem Familien, die sich Einfamilienhäuser nicht leisten könnten, wären davon betroffen. Bereits jetzt leben in Münster nur in jedem zehnten Haushalt noch Kinder. Der Deutsche Städtetag will sich hier dafür einsetzen, dass der soziale Wohnungsbau vorangetrieben wird und mehr Mehrfamilienhäuser gebaut werden – die auch für einkommensschwache Menschen bezahlbar sind.

Infografik: Die Mietpreise von Aschaffenburg, Bamberg und Münster im Vergleich

Die Balken zeigen die durchschnittlichen Quadratmeterpreise in Euro für Wohnungen mit einer Fläche von 30 und 60 Quadratmetern. Datenbasis sind Erhebungen der Seite wohnungsboerse.net aus dem Jahr 2012.

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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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