Mieten | steigende Mieten Wohnen als Luxus: In Berlin werden billige Wohnungen zwangsgeräumt

18. Februar 2013 | von
Kreuzberg Berlin-Kreuzberg: vom Arbeiter- zum Trendbezirk. Wer hier aus seiner Wohnung ausziehen muss, hat oft Probleme eine erschwingliche Bleibe zu finden. Foto: Helga Ewert / PIXELIO

Die Wohnkosten in vielen deutschen Städten und Ballungszentren stiegen 2012 auf Rekordniveau – und auch in diesem Jahr ist bislang kein Ende der Kostenexplosion in Sicht. Dagegen regt sich Protest: In Berlin wurde am Donnerstag vergangener Woche gegen Zwangsräumungen demonstriert. Und auch der Mieterbund fragt sich: Wird Wohnen im Deutschland zum Luxusgut? Das Bündnis „Zwangsräumungen verhindern – wir kommen“ hat sich bereits im letzten Jahr aufgrund der stetig steigenden Mieten in der Hauptstadt gegründet. Am letzten Donnerstag protestierte die Bürgerinitiative zusammen mit Unterstützern und Sympathisanten gegen die Räumung von günstigen Mietwohnungen in Berlin-Keuzberg. Bei eisigen Temperaturen protestierten über 1.000 Demonstranten mit einer Sitzblockade, um den Zugang zum Haus in der Lausitzer Straße zu versperren.

Mieter wehren sich gegen Verdrängung

Zwangsräumungen seien die gewalttätigste Form von Verdrängung, sagte Demonstrantin Julia Schmidtbauer gegenüber dem Deutschlandfunk. Alle Berliner wüssten, was das Problem sei – die steigenden Mieten. Die Leute wüssten, dass es immer mehr Menschen gibt, die aus der Innenstadt verdrängt würden. Und trotzdem passiere nichts, so Schmidtbauer weiter. Dabei treffen die rasant steigenden Mieten in erster Linie sozial schwächere Schichten, die ohnehin ein geringes Einkommen haben. So berichtet der Deutschlandfunk über die Familie Gülbol, die seit 1977 im Haus in der Lausitzer Straße 8 wohnt. Der Vater arbeitet als Maler, die Mutter als Erziehungshelferin in einer Kita. Die drei Kinder suchen derzeit noch eine Ausbildung. Wegen einer Mieterhöhung im Jahre 2006 klagte die Familie ohne Erfolg und sollte infolgedessen 5.800 Euro Miete nachzahlen. Diese wurden zu spät gezahlt und berechtigten den Vermieter deswegen zur fristlosen Kündigung. Nachdem im Oktober 2012 die Zwangsräumung durch eine Sitzblockade noch abgewendet werden konnte, steht das Haus jetzt erneut vor der Räumung. Die Mieter, die wie die Familie Gülbol oft seit mehreren Jahrzehnten in Kreuzberg wohnen, würden damit nicht nur ihre Wohnungen, sondern auch ihre Heimat verlieren. Denn die Neuvertragsmieten, die derzeit im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg verlangt werden, wären wohl für die wenigsten unter ihnen erschwinglich. Allein im vergangenen Jahr sind die Preise bei Neuvermietung im Viertel um 25 Prozent angestiegen.

Mieterbund warnt vor Wohnen als Luxusgut

Mietpreisentwicklungen wie in der Hauptstadt sind bei Weitem kein Einzelfall in Deutschland. Auch der Deutsche Mieterbund (DMB) warnt in einer Pressemitteilung vom Freitag davor, dass „Wohnen in Deutschland nicht zum Luxusgut werden darf“. In Großstädten, Ballungsgebieten und Universitätsstädten würden schon heute mehr als 250.000 Wohnungen fehlen. Folge seien höhere Mieten, vor allem drastisch steigende Wiedervermietungsmieten, erklärt Mieterbunds-Präsident Dr. Franz-Georg Rips. Würde die Politik jetzt nicht aufwachen und handeln, führe das dazu, dass junge Familien, einkommensschwächere und Rentnerhaushalte, aber auch Normalverdiener das Wohnen in Großstädten künftig nicht mehr bezahlen könnten, so Rips weiter. Der Mieterbund fordert die Politik deswegen zum Handeln auf: Neben der schon lange geforderten Begrenzung der Neuvertragsmieten seien Gesetze notwendig, die die Kosten nach einer energetischen Modernisierung des Vermieters gerecht verteilen würden, so Rips.

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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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