Ratgeber | Teilhabe sichern Barrierefreiheit für Öffentliche Gebäude, Freizeit und Tourismus

21. Februar 2013 | von

Für Menschen im fortgeschrittenen Alter sowie diejenigen mit einem Handicap ist der Alltag oft nicht leicht zu bewältigen und bietet zahlreiche Herausforderungen. Aus diesem Grund sollten insbesondere öffentliche- und Freizeiteinrichtungen so gestaltet sein, dass sie problemlos genutzt werden können. Auch Tourismusregionen sind im Zugzwang, sich auf die demografische Entwicklung einzustellen.

Um Hindernisse für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte aus dem Weg zu räumen, wird daher immer mehr Wert auf eine barrierefreie Umwelt gelegt. Eine solche Gestaltung nutzt dabei nicht nur tatsächlich Behinderten, sondern jeder kann vorübergehend auf sie angewiesen sein – etwa wer mit schwerem Gepäck, einem eingegipsten Bein oder ohne Brille unterwegs ist. Eine barrierefreie Umwelt nimmt Rücksicht auf die Bedürfnisse aller Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind – ob aufgrund von Unfällen, Krankheiten, Alterserscheinungen oder einer angeborener Behinderung. So sichern die speziell gestalteten Einrichtungen auch Menschen mit Handicap eine würdige Teilhabe am öffentlichen Leben.

Das Behindertengleichstellungsgesetz umreißt die Rahmenbedingungen

Das Behindertengleichstellungsgesetz, das seit dem 1. Mai 2002 gilt, verpflichtet insbesondere Bund, Länder und Kommunen zur barrierefreien Gestaltung, wenn bauliche Anlagen errichtet oder geändert werden.
Neben öffentlichen Gebäuden betrifft das auch andere Lebensbereiche wie die Verkehrsinfrastruktur, Beförderungsmittel im öffentlichen Personennahverkehr, technische Gebrauchsgegenstände, akustische und visuelle Informationsquellen sowie Kommunikationseinrichtungen.

§ 8 Herstellung von Barrierefreiheit in den Bereichen Bau und Verkehr, Absatz 1:

Zivile Neubauten sowie große zivile Um- oder Erweiterungsbauten des Bundes einschließlich der bundesunmittelbaren Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts sollen entsprechend den allgemein anerkannten Regeln der Technik barrierefrei gestaltet werden.

Was die barrierefreie Zugänglichkeit von öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen betrifft, sollte im Rahmen des Gesetzes beispielsweise die Breite der Türen entsprechend angelegt sein, damit sie für Rollstuhlfahrer kein Hindernis darstellen. Auch eine entsprechende Infrastruktur wie eine gute Erreichbarkeit über Lifte, Fahrstühle oder Rampen muss gewährleistet sein. Außerdem muss für notwendige Bedienungsvorrichtungen gesorgt werden und Elemente wie Tasten, Schalter, Toilettenspüler, Klingeln sowie Notrufschalter müssen auch mit eingeschränkter Greiffähigkeit leicht zu benutzen sein. Öffentlich zugängliche Gebäude sollten zudem mit Orientierungshilfen ausgestattet werden. Ziel ist es, dass Hinweise deutlich und frühzeitig erkannt werden können, zum Beispiel durch die Verwendung von Hell-/Dunkelkontrasten. Die Schrift auf Schildern sollte groß genug und einfach gehalten sein, damit eine gute und blendefreie Lesbarkeit ermöglicht wird.

Kultur- und Freizeiteinrichtungen müssen für alle zugänglich sein

Auch in ihrer Freizeit sollten ältere oder behinderte Menschen nicht daran gehindert werden, ihren bevorzugten Beschäftigungen nachzugehen. Sie sollen ihre freie Zeit genauso vielfältig und abwechslungsreich gestalten können, wie alle anderen – dazu gehört auch die barrierefreie Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen. So wird immer häufiger ein behindertengerechtes Programm geboten: Einige Veranstaltungen sind heute zugänglich für Menschen mit jeder Art von Behinderung, dazu gehören beispielsweise Filme mit Audiodeskription für sehbehinderte Menschen sowie die Bereitstellung von Gebärdensprachdolmetschern.

Tourismusregionen müssen nachziehen

Barrierefreier Tourismus

Tourismusregionen setzen zunehmend auf Barrierefreiheit. Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Damit Betroffene außerdem nicht auf Urlaub verzichten und barrierefrei reisen können, stellt sich auch die Tourismusbranche zunehmend auf sie ein. Um die Reiseplanung für Menschen mit speziellen Bedürfnissen zu erleichtern, wurde deshalb am 12. März 2005 das erste bundesweite Abkommen zur Barrierefreiheit unterzeichnet, an dem zahlreiche deutsche Verbände beteiligt waren. Die Zielvereinbarung beschreibt dabei das bestehende Angebot von Hotels und Gaststätten anhand einheitlicher Checklisten und Bilderzeichen. So erhalten die Kunden nützliche Informationen darüber, ob ein Hotel oder Restaurant für sie geeignet ist. Das Bewusstsein für Barrierefreiheit in Deutschland wächst: Immer mehr Dienstleistungsanbieter der Reise- und Tourismusbranche erkennen den Handlungsbedarf und sorgen dafür, dass teils beachtliche Fortschritte bei den Angeboten für barrierefreie Reisen verzeichnet werden können.

Themenmonat Barrierefreiheit 

Dieser Artikel ist Teil des Themenmonats Barrierefreiheit. Weitere Artikel zum Thema finden Sie hier.



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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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