Allgemeines, Wohnen | Wohnautomation Die intelligente Garderobe: Biosensoren in der Wand helfen Senioren

27. Februar 2013 | von
Die Assistenzwand "Lisa" Die Assistenzwand "Lisa" der TU München soll Senioren unterstützen. Foto: U. Benz / TUM

Automation und Unterstützungssysteme sollen Senioren im Wohnalltag entlasten. Die TU München hat dafür den Prototypen einer Wohnwand entwickelt, der vielfältige Funktionen bietet: Von der Erinnerung an den Haustürschlüssel bis zur Überwachung der Vitalfunktionen.

Um Selbstständigkeit im Alter zu garantieren, erscheinen immer mehr neue technische Lösungen auf dem Markt. Ein besonders ausgereiftes System wurde jetzt von Forschern der Technischen Universität München (TUM) in Zusammenarbeit mit verschiedenen Unternehmen entwickelt: Es handelt sich um einen in der Wand versteckten Tablet-Computer, der zahlreiche Funktionen hat, die älteren Menschen das Leben in der eigenen Wohnung erleichtern. Dazu gehört die Auswertung von Gesundheitsdaten ebenso wie das Aufpassen auf Schlüssel oder Brillen. Vorgestellt wurde die intelligente Garderobe am 20. Februar auf der Munich Creative Business Week.

Automation soll den Alltag unterstützen

Viele ältere Menschen haben den Wunsch, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu wohnen – oft wird dabei aber die Selbstständigkeit durch körperliche Einschränkungen oder ein schlechteres Gedächtnis behindert, auch die Einrichtung ist oft nicht auf die Bedürfnisse ausgerichtet. Der Tablet-Computer in der Wand soll in solchen Fällen als Alltagshelfer dienen und den Bewohnern ihre Selbstbestimmtheit zurückgeben. Auf dem Display können sämtliche Informationen wie die Busverbindung, Telefonnummern von Angehörigen oder auch die Wettervorhersage abgerufen werden – leicht zu bedienen mit übersichtlichen Buttons.

Konzipiert ist der Prototyp wie eine intelligente Garderobe und soll sich deshalb im Idealfall im Flur befinden. Dort kann das System zum Beispiel beim Öffnen der Wohnungstür warnen, wenn der Schlüssel nicht kurz zuvor aus seinem Kasten genommen wurde. Und auch andere Dinge, die man in der Wohnung verlegt, hat der Computer auf dem Schirm: Er enthält ein sogenanntes Indoor Positioning System, das oft verlegte Gegenstände wie etwa die Brille orten kann.

System misst Vitaldaten – und kontaktiert im Notfall den Arzt

Assistenzwand Lisa

Der integrierte Tablet-Rechner findet verlegte Gegenstände. Foto: U. Benz / TUM

Auch auf die Gesundheit achtet der Computer: Bewohner können über in die Wand eingebaute Biosensoren die wichtigsten Vitaldaten wie Blutdruck und -zucker messen, wenn sie sich nicht fit fühlen. Das System kann dann Empfehlungen geben, ob etwa Bewegung angebracht wäre oder eher ein Medikament eingenommen werden soll. Darüber hinaus steht es in Kontakt mit Ärzten und Pflegediensten und stellt die Verbindung zu ihnen her, sobald es einen kritischen Gesundheitszustand erkennt. Die Ärzte wiederum haben die Möglichkeit, die Daten des Computers zu nutzen, um die entsprechenden Gesundheitsdaten regelmäßig zu beobachten. Um das System zu erweitern, können bei Bedarf auch Dienstleister, beispielsweise für den Einkauf oder Fahrten, angeschlossen werden. Neben Gesundheitswerten kümmert sich die intelligente Wand auch um die Haustechnik. Sollten die Bewohner vergessen ausreichend zu lüften, wird mit einer integrierten Klimaanlage für frische Luft gesorgt.

Abgeschlossen ist die Entwicklung des Tablet-Systems noch nicht: Auf lange Sicht planen die Forscher, entsprechende Wandverkleidungen auch für andere Wohnbereiche zu konstruieren. So könnte das System in der Küche den Herd überwachen oder höhenverstellbare Schränke steuern. Und noch eine weitere Art von Alltagshelfern soll das System ergänzen: Fahrbare Roboter sollen zusätzliche Unterstützung bieten, indem man auf sie zum Beispiel einen Einkaufskorb abstellen kann, der dann vom Flur in die Küche gebracht wird. Vorgestellt wurde das Modell auf der Munich Creative Business Week, wo Besucher die intelligente Wand testen konnten.

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Über Sabine Wagner

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