Mieten | Kampf gegen steigenden Mieten Mietpreise: In Berlin werden auch die günstigen Viertel teuer

8. März 2013 | von
Plattenbau in Marzahn Mietpreise: In Berlin werden auch die günstigen Viertel teuer. Foto: Astrid Dehnel / PIXELIO

Dass in Berliner Szenebezirken bei Mietpreisen schon fast „Münchener Verhältnisse“ herrschen, ist altbekannt. Doch dass inzwischen auch ehemalige „Problemviertel“ deutlich teurer werden, ist ein neues Problem. Einer der Gründe: Der Wohnungsbau hält in der Hauptstadt nicht mit der Nachfrage schritt.

Erst gestern ließ eine aktuelle Studie der Wüstenrot Bausparkasse, die von einer Bekämpfung des Wohnungsmangels bis 2016 ausgeht, Optimismus beim Thema Mietpreise und Wohnungsneubau aufkommen, doch in Berlin ist davon aktuell noch nichts zu spüren: In der Hauptstadt sind die Preise erneut in die Höhe geklettert. Selbst in den einst wenig beliebten Bezirken wird es immer schwerer, eine preiswerte Wohnung zu finden.

Bis zum Jahr 2016 soll der Studie zufolge die Wohnungsknappheit auf deutschen Wohnungsmärkten gebannt sein und die Mietpreise sich im Zuge des größeren Angebotes normalisieren. Diese Nachrichten helfen den zahlreichen Berlinern, die derzeit nach günstigem Wohnraum suchen, jedoch nicht. Einen Blick auf die tatsächliche Situation findet sich im Wohnmarktbericht 2012 der Investitionsbank Berlin (IBB): Die hohen Mietpreise haben sich im gesamten Stadtgebiet ausgebreitet.

Marzahn wandelt sich – zumindest bei den Mietpreisen

Im Vergleich zu 2011 sind die Mieten in Berlin im vergangenen Jahr um weitere 14 Prozent angestiegen, sodass der durchschnittliche Quadratmeterpreis von 6,49 auf 7,40 Euro geklettert ist. Gründe für die ständig steigenden Preise sieht die IBB in ihrem Bericht vor allem bei den Zuziehenden, die oftmals wohlhabend sind und fast jeden geforderten Preis zahlen. In den letzten drei Jahren sind rund 100.000 Neu-Berliner in die Stadt gezogen, bis 2030 werden laut Prognosen sogar 250.000 neue Einwohner erwartet.
Während die gut verdienenden Neu-Berliner sich um die Wohnungen in den Trendbezirken Mitte, Kreuzberg und Friedrichshain streiten, sieht die Lage am Stadtrand anders aus. Zwar steigen die Mieten in Marzahn-Hellersdorf sowie in Spandau verhältnismäßig langsam, der Wohnraum wird dennoch langsam knapp – und die Mieten damit teurer.

Die Neubautätigkeit fehlt

In Hamburg und München, wo die Mietpreise ebenfalls explodieren, wird inzwischen der Wohnungsbau Millionenbeträgen gefördert. Berlin ist in Sachen Wohnungsneubau-Förderung noch zögerlich. Für 2014 sei ein Förderprogramm geplant, erklärt Ephraim Gothe, Staatssekretär für Stadtentwicklung, in der „Welt“. Konkrete Pläne gebe es jedoch noch nicht. Experten schätzen, dass Berlin ebenfalls ein Fördervolumen im Umfang von 100 Millionen benötigt, um genügend preiswerten Wohnraum in der Stadt zu errichten.
Im letzten Jahr wurden laut IBB-Bericht 3.500 neue Wohnungen in Berlin gebaut, der geschätzte Bedarf beläuft sich jedoch auf das dreifache. Einen positiven Aspekt sieht Stadtentwickler Gothe jedoch für Berlin – die Hauptstadt habe noch genügend Fläche für Neubauten zur Verfügung.

Auch der Mieterverein sieht noch keinen Fortschritt in Sachen Wohnungsbau. Es werde viel geredet, sagt Reiner Wild, Vereinsgeschäftsführer in der „Berliner Zeitung“, aber es folgten keine Taten. Bisher seien weder neue, preiswerte Wohnungen entstanden, noch sei an der Verbesserung der Situation von Einkommensschwachen gearbeitet worden.

Zusammenrücken an allen Stellen

Die Wohnungsknappheit in Berlin zeigt sich auch daran, dass die Berliner enger zusammenrücken. Der Platz, den eine Person pro Quadratmeter zur Verfügung hat, sinkt. Vor sechs Jahren lebten Menschen etwa in Steglitz-Zehlendorf noch auf je 33 m², inzwischen sind es nur noch 30 m². Aufgrund der hohen Mietpreise und des Wohnungsmangels leben immer mehr Menschen in Wohngemeinschaften, zur Untermiete oder sogar bei ihren Eltern.

Themenmonat Mieternation Deutschland 

Dieser Artikel ist Teil des Themenmonats Mieternation Deutschland. Weitere Artikel zum Thema finden Sie hier.



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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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