Wohnen | Wohnung finden Wohnungssuche: Was außer der Lage noch alles wichtig ist

8. März 2013 | von
passende Wohnung finden Zentrale Lage und Natur: Nicht von Floskeln in Anzeigen in die Irre führen lassen bei der Wohnungssuche. Foto: Rolf Handke / PIXELIO

Die Suche nach einer passenden Wohnungs ist in den letzten Jahren schwieriger geworden: In vielen Metropolen und Unistädten steigen die Einwohnerzahlen, die Zahl der Haushalte erhöht sich duch den Trend zum Singlehaushalt. Wie Sie dennoch die passende Wohnung finden können.

Die richtige Lage ist alles – oder?

Nicht nur wer zum ersten Mal auf Wohnungssuche ist, wird feststellen, dass die Frage nach der Lage ein entscheidendes Kriterium ist. Wie die Bezeichnung „begehrte Lage“ schon ausdrückt, wollen dort die meisten hin – der Preis ist dann oftmals eher nebensächlich. Doch nicht jeder hat die finanziellen Möglichkeiten, so zu denken. Es gilt also, sich eine Umgebung zu suchen, die einerseits bezahlbar ist, aber anderseits auch das bietet, was gebraucht wird. Diese Ansprüche können sehr individuell sein.

Ist es wichtig nah an öffentlichen Verkehrsmitteln zu wohnen? Wo ist der nächste Supermarkt und wo die nächste Bar? Ist ein Arzt in der Nähe? Dem einen ist es in den Innenstadt zu laut, dem anderen am Stadtrand zu ruhig. Die Bedürfnisse eines jeden sind unterschiedlich, daher ist es wichtig, sich vorher zu überlegen, was genau gesucht wird. Das gleiche gilt auch für die Art des Hauses. Der Charme einer Neubauwohnung  ist ein anderer als der einer Altbauwohnung.

In manchen Wohnungsanzeigen werden Euphemismen genutzt, um die Wohnung in einem besseren Licht dastehen zu lassen. Was mit “zentraler Lage” auch gemeint sein kann:

Vorsicht vor der „zentralen Lage“

Um eine Wohnung zu beschreiben benutzen Vermieter und Makler gerne nichtssagende Floskeln, die die das Objekt anpreisen sollen. Dabei verstecken sich hinter diesen Beschreibungen teilweise böse Überraschungen:

Wohnanlage in aufstrebenden Stadtteil: Zuerst mag diese Beschreibung sehr toll klingen, aber die Wahrheit dahinter ist, dass es sich um ein Neubaugebiet handelt, das mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht fertig ist und daher mit kostenlosem Dreck, Baulärm und unfertigem Stadtbild aufwartet.

Wenige Autominuten von der City entfernt: Es klingt zwar nach einer Wohnung, die sich nahe der Innenstadt befindet, meistens bedeutet es aber, dass das Gebiet kaum oder gar nicht an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen ist. Am besten vorher auf google maps schauen wo genau die Wohnung liegt und ob sich in der Nähe Bus oder Bahn befinden.

Zentrale Lage: Davon träumt jeder, der eine Wohnung sucht – sie soll zentral sein. Doch taucht diese in der Wohnungsbeschreibung auf, bedeutet es meistens, dass sich das Objekt direkt an einer Hauptstraße liegt. Lärm und Schmutz ist hier vorprogrammiert.

Individuell geschnitten: Wie individuell der Schnitt ist lässt sich erst bei der Besichtigung sagen. Oftmals handelt es sich dabei um einen Schnitt, der vollkommen an den Konventionen vorbeigeht – und wo Möbel kaum reinpassen.

Seriöses Umfeld: Gerade wer in die Großstadt zieht wird sich hier denken, dass es sich um eine gute, sichere Nachbarschaft handelt. Tatsächlich besteht ein seriöses Umfeld aber aus einem Geschäftsviertel. Es gibt dort kaum Ausgeh- und Einkaufsmöglichkeiten.

Luxuriös saniert: Luxus liegt im Auge des Betrachters – denken sich jedenfalls viele Vermieter. Die Wohnung ist saniert, aber von luxuriöser Ausstattung fehlt jede Spur. Die Floskel dient dazu überzogene Mietpreise zu rechtfertigen.

Mit einem kleinen Budget sind Toplagen für viele Suchende nicht realisierbar. Doch es kann sich lohnen, im Nachbarkiez zu suchen: vielleicht sind dort die Preise niedriger und die Nähe zum Wunschkiez ist trotzdem gegeben.

Die Kaltmiete ist nicht der endgültige Preis

Einige Wohnungsangebote locken mit sehr geringen Kaltmieten. Für angehende Mieter ist aber wichtig, dass dies nicht der endgültige monatliche Mietpreis ist: Zu dieser Summe kommen noch die Nebenkosten hinzu. Nur wenn in der Anzeige Warmmiete steht, handelt es sich dabei um den tatsächlichen Preis.

Die Nebenkosten setzen sich zu einem großen Teil aus den Heizkosten zusammen. Der Vermieter ist dazu verpflichtet, anzugeben, wie die Wohnung beheizt wird. Wer sich dennoch nicht sicher ist, wie viel zusätzliche Kosten letztlich zu erwarten sind, kann die letzte Nebenkostenabrechnung vom Vermieter erfragen. In diesem Zusammenhang kann auch der Energieausweis des Hauses interessant sein, denn er gibt eine noch genauere Auskunft zu der Beheizung und dem daraus resultierenden finanziellen Aufwand.

Weitere Kostenfallen können Abstandskosten für Möblierungen sein. Eine Einbauküche, die sich bereits in der Wohnung befindet, ist nicht immer automatisch im Preis mit inbegriffen. Meistens zahlt der neue Mieter einen gewissen Betrag oder lässt sich die Kosten für einen gewissen Zeitraum auf die Miete aufschlagen. Diese Ausgaben müssen dann auf die Mietkosten zugerechnet werden. Das gilt auch für Stellplätze.

Alles einmal ausprobieren – die Wohnungsbesichtigung

Ist eine passende Wohnung gefunden, steht als nächster Schritt die Besichtigung an. Hier gibt es zum einen sogenannte Sammelbesichtigungen mit einem festen Termin, an dem sich alle Interessenten zusammenfinden und sich das Objekt gemeinsam ansehen. Zum Teil kann es dabei zu regelrechten Menschaufläufen kommen, die es unmöglich machen, alles genau in Augenschein zu nehmen.

Nach Möglichkeit sollte immer telefonisch ein Termin mit dem Vermieter vereinbart werden. Bringen Sie neben Zeit auch mindestens eine zweite Person mit. Schließlich sehen vier Augen mehr als zwei. Das kann sehr wichtig sein. Eine Besichtigung sollte am besten bei Tageslicht und an einem Wochentag gemacht werden. So lassen sich Mängel erkennen und der Verkehrslärm einschätzen.

Worauf gilt es besonders zu achten? Zum einen gilt es, sich das Haus schon von außen genau anzusehen. Wie sieht die Fassade, wie die Fenster aus? In der Wohnung selbst gilt: alles inspizieren, alles ausprobieren. Der Bodenbelag und die Tapezierung können Kostenfallen sein. Gerade wenn der Boden nicht einwandfrei ist, kann das kostenintensiv werden, wenn dieser selbst neu verlegen werden muss. Das Gleiche gilt auch für die Tapete und die Wandfarbe.

Das Inventar testen

Testen Sie die Türen: Wie lassen sich diese öffnen, sitzen die Knäufe fest? Sehr wichtig sind auch die Fenster. Öffnen und schließen Sie diese mindestens einmal, um festzustellen, ob sie vielleicht undicht sind. Wenn Sie mit dem Zustand der Türen, der Fenster oder dem Boden nicht einverstanden sind, sprechen Sie mit dem Vermieter. Oftmals finden noch Renovierungen statt oder es lässt sich vereinbaren die Renovierungsarbeiten selbst auszuführen und dafür Mietkosten einzusparen. Im Bad testen Sie außerdem am besten die Toilettenspülung und die Wasserhähne auf ihre Funktionstüchtigkeit.

An den Wänden können Sie nach feuchten Flächen Ausschau halten. Diese könnten ein Zeichen für Schimmel sein. Ein muffiger oder fauliger Geruch könnte ebenfalls darauf hinweisen. Sind Sie sich unsicher, warum die Wohnung frei steht, können Sie den Vermieter fragen, weshalb die vorherigen Mieter ausgezogen sind.

Details sind auch wichtig: Sind die Steckdosen, Anschlüsse und Lichtquellen für Ihre Ansprüche ausreichend? Gibt es einen Waschmaschinenanschluss oder verfügt das Wohnhaus über eine Wohnküche? Unabhängig davon ob Sie planen eine Waschmaschine einzubauen, sollten Sie auf jeden Fall die Räume ausmessen, damit auch alle Möbel tatsächlich reinpassen. Die Wohnfläche, die in den Anzeigen steht, ist nicht automatisch die Nutzfläche. Gerade bei Dachschrägen können Vermieter die Quadratmeter als gesamte Wohnfläche angeben, obwohl Sie nicht den gesamten Raum nutzen können.

Themenmonat Mieternation Deutschland 

Dieser Artikel ist Teil des Themenmonats Mieternation Deutschland. Weitere Artikel zum Thema finden Sie hier.



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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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