Wohnen | Wohnung finden Meins? Deins? Unseres? – Die Shareconomy erreicht den Wohnungsmarkt

19. März 2013 | von

Egal ob Car-Sharing oder Flat-Sharing – der kollaborative Konsum ist auf dem Vormarsch. Nachdem sich immer mehr Deutsche vorstellen können, ein Auto mit mehreren Personen zu teilen, erreicht der Trend des „Sharings“, auf Deutsch „Teilen“, auch die Wohnzimmer der Republik.

Knapp 75% der Deutschen stehen, laut einer Befragung der Softwarefirma Salesforce, sogenannten Sharing-Angeboten positiv gegenüber. Besonders die Aspekte des Geld Sparens und der nachhaltigen Nutzung von Ressourcen scheinen zu überzeugen. Doch auch in der “Shareconomy” ist nicht alles kostenlos.

Von Couchsurfing und Flat-Sharing

Einige wenige Internetportale forcieren die kostenfreie Inanspruchnahme oder gemeinsame Nutzung von Gütern oder Wohnraum und basieren in der Regel auf einem konsumkritischen Grundgedanken. Hinter den meisten Flat-Sharing Angeboten stehen allerdings durchaus kommerzielle Interessen. Die Plattformen haben sich auf die Vermittlung privater Unterkünfte spezialisiert und ermöglichen die tage- beziehungsweise wochenweise Vermietung ungenutzten Wohnraums.

Das Angebot ist dabei sehr vielfältig – von der Übernachtung auf einer Luftmatratze bis zu der alleinigen Nutzung eines gesamten Hauses ist alles möglich. Potentielle „Teilzeitvermieter“ erstellen hier ein Profil für ihre Wohnung, in dem sie Fotos hochladen, Beschreibungen anlegen und Preisvorstellungen eintragen. Auch Bewertungen und Kommentare ehemaliger Gäste werden dem Unterkunft-Suchenden zur Verfügung gestellt. Besonders in Großstädten erfreut sich dieses Konzept wachsender Beliebtheit und gilt, nicht zuletzt dank der zunehmenden Professionalisierung der Angebote, als echte Alternative zur Hotelbuchung.

Vorteile und Risiken des Flat-Sharings

Vollkommen Fremde in seinem Heim einzuquartieren birgt, neben der Möglichkeit sich ein paar Euro dazu zu verdienen, natürlich auch Risiken. Eine Gastgeberin aus San Francisco gelangte 2011 beispielsweise zu zweifelhafter Bekanntheit, als publik wurde, dass Mieter ihr Apartment während ihrer Abwesenheit komplett verwüstet und ausgeplündert hatten. Das Portal reagierte mit erhöhten Sicherheitsstandards und Entschädigungen von bis zu fünfstelligen Beträgen für Schäden durch Diebstahl und Vandalismus, um das Risiko für Vermieter zu verringern.

Doch auch die Mieter gehen ein gewisses Risiko ein. Der persönlichen Atmosphäre, inklusive Reisetipps von Einheimischen, steht auch die Gefahr gegenüber, in einer doppelt belegten Absteige zu landen. Dieses Risiko soll durch sichere Zahlungssysteme gemindert werden, die es dem Reisenden bei gravierenden Mängeln ermöglichen, die Überweisung des Geldes an den Vermieter innerhalb von 24 Stunden nach seiner Ankunft rückgängig zu machen bzw. zu stoppen. Ist die Beschwerde berechtigt, wird das Geld zurück erstattet. Bei kostenlosen Angeboten wie Couchsurfing fällt diese Option für den Übernachtungsgast natürlich komplett weg. Wer unzufrieden ist mit seiner Bleibe, muss das akzeptieren. Dieses Risiko gehört dazu.

Auswirkungen auf den lokalen Wohnungsmarkt

Viele Erfahrungsberichte sind voll des Lobes, doch hat Flat-Sharing auch seine Kritiker. Vor allem Hoteliers ist das Konzept ein Dorn im Auge. Sie verweisen auf fehlende Grundstandards bezüglich Hygiene und Sicherheit und äußern Besorgnis über den Schutz des Verbrauchers und das Image der Hotelbranche. Unumstritten ist die Tatsache, dass der Branche durch das steigende Angebot privater Teilzeitunterkünften natürlich in erster Linie Einnahmen entgehen. Auch dem Staat muss durch solche Angebote auf Einnahmen in Form von Einkommens- und Umsatzsteuern verzichten. Zwar müssen Nebeneinkünfte, die nicht dem Lohnsteuerabzug unterliegen, ab einem Betrag von 480€ versteuert werden. Allerdings bleibt fraglich, ob dies auch immer geschieht.

Nicht nur in der Hotelbranche wird die steigende Beliebtheit des Flat-Sharing kritisch gesehen. So kann es vor allem in beliebten Metropolen zu Mietpreissteigerungen führen, denn auch Vermieter, die Wohnraum üblicherweise an Langzeitmieter vergaben, haben das System für sich entdeckt. Zwar ist diese Kurzzeitvermietung mit deutlichem Mehraufwand verbunden, kann sich aber in Städten wie Barcelona oder Berlin durchaus lohnen, da Touristen für ein paar schöne Tage auch bereit sind, tiefer in die Tasche zu greifen.

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Themenmonat Mieternation Deutschland 

Dieser Artikel ist Teil des Themenmonats Mieternation Deutschland. Weitere Artikel zum Thema finden Sie hier.



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