Wohnen | Wohnung finden „Sämtliche Ausstattungen sind defekt oder nicht mehr vorhanden“: Skurrile Immobilienangebote

20. März 2013 | von
Inselblick „Sämtliche Ausstattungen sind defekt oder nicht mehr vorhanden“: Skurrile Immobilienangebote. Foto: Marianne J. / PIXELIO

Es gibt nicht nur die Standardobjekte mit einem Zimmer, Küche, Bad und Balkon. Manch eine Immobilie glänzt auch aufgrund ihrer Ungewöhnlichkeit. Wer will nicht in einer Leichenhalle, einem Atombunker oder in einem „Zweifamilienhaus in katastrophaler Lage“ wohnen?

Wer sich nach einer neuer Wohnung oder einem neuen Haus umsieht, sucht meistens eine schöne Bleibe, am besten in einer attraktiven Lage und zu einem guten Preis. Aber es geht auch anders: „Wenn Sie Ihr Kapital unbedingt vernichten wollen, sollten Sie zugreifen!“.

Dabei liest sich die Anzeige zuerst wie viele andere ihrer Art auch. Verkauft werden soll ein Zweifamilienhaus, das zuletzt 2007 saniert wurde und sich in einem gepflegten Zustand befindet. Abenteuerlich wird es bei der Umgebungsbeschreibung mit Sätzen wie „wo die Straßen immer wieder von Pferden zugeschissen werden“ und die neuen Eigentümer gewarnt werden, dass sich „bei starkem Regen die überflüssige Jauche vor der Grundstückseinfahrt“ sammelt. Der Eigentümer schließt die Anzeige mit der Aufforderung, dass jeder, der sein Kapital vernichten will, oder einfach verrückt ist, unbedingt zugreifen sollte.

Ein ähnliches Objekt fand sich auch in Sachsen. Die Worte „einziehen und wohlfühlen“ werden durch den zugefügten Smiley nicht missverstanden. Es handelt sich um ein Bauernhaus im schönen Sachsen, das mit 20.000 Euro auf jeden Fall ein Schnäppchen ist. Nur ist das Haus nicht unbedingt das richtige für Jedermann: „Dieses total vermüllte und verwilderte Grundstück ist die absolute Herausforderung für Individualisten und Tierliebhaber, die viel Platz benötigen. Sämtliche Ausstattungen sind defekt oder nicht mehr vorhanden.“ Undichte Fenster, Schimmel und einen nassen Keller laden weiterhin dazu ein dieses Objekt zu kaufen. Immerhin: hier scheint der Vermieter mal ehrlich gewesen zu sein.

Ein fragwürdiges Angebot

Jeder weiß: Wohnraum in München ist knapp. Um eine preiswerte Bleibe zu finden, müssen viele Wohnungssuchende die Ansprüche auch einmal etwas runterzuschrauben. Doch das Angebot, das zwei Münchener Manager aufgegeben haben, scheint mehr skurril als wahr. Angepriesen wurde ein WG-Zimmer mit 33 qm² in bester Lage für nur 125 Euro im Monat. Ein sehr guter Preis für Münchener Verhältnisse. Der Haken an der Wohnung: die zukünftige Mitbewohnerin, die „hübsch und gut gebaut“ sein soll, war aufgefordert „mit jedem von uns (getrennt!) mindestens zweimal in der Woche Liebe [zu]machen“.

Das Angebot der beiden 26-jährigen, die sich selbst als schlank und sportlich in der Anzeige beschrieben hatten, wurde zuerst als Scherz wahrgenommen. Das Portal Immobilienscout24 nahm das Angebot jedoch von der Seite, da sie als nicht zulässig erachtet wurde. Dabei meinten die Männer das durchaus ernst. Sie selbst arbeiteten viel und hätten kaum Zeit, Frauen kennenzulernen.

Die eigene Insel oder lieber der Mond?

Nicht immer sind es die Anzeigentexte, die verwundern. Manchmal sind auch die Objekte an sich Grund genug um einmal genauer hinzusehen. Auf einem Online-Auktionsportal sollte einst ein Baum vermietet werden, der es laut der Anzeige „satt hatte, allein zu sein“.

Ebenfalls angeboten wurde im Januar 2012 das Schloss Bellevue in Berlin, der Amtssitz des Bundespräsidenten. Anlass war laut der Anzeige die nicht auszuschließende frühzeitige Kündigung des derzeitigen Mieters, der zu diesem Zeitpunkt Christian Wulff war. Die Anzeige warb damit, dass das Wohnhaus im Grünen läge und es sich um eine Dreiflügelanlage in der Nähe des Kanzleramtes handele. Zusätzlich verfüge das Objekt über einen Fahnenmast. Einzig negativ anmutendes Merkmal sei der Fluglärm, ausgelöst durch den neuen Großflughafen. Einen neuen Mieter hat das Schloss Bellevue jetzt mit Joachim Gauck gefunden. Ob dieser sich aber gegen andere Mitbewerber durchsetzen musste, wie viele andere Berliner, die Wohnraum suchen? Wahrscheinlich nicht.

Wer eine billige Bleibe für die Zukunft sucht, könnte sich ein Grundstück auf dem Mond kaufen. Fast überall werden Grundstücke knapp, die Immobilienpreise sind hoch und kaum bezahlbar. Dabei gibt es auf dem Mond noch ausreichend Platz. Möglich wird der Grundstückskauf, weil der US-Amerikaner Dennis Hope sich als Mondeigentümer hat eintragen lassen und nun dort über seine Firma „Lunar Embassy“ Wohnfläche verkauft. Es soll bereits 2,5 Millionen Grundstücksbesitzer auf dem Mond geben, wie Hope gegenüber „news.de“ betonte. Für 20 Dollar gibt es schon Grundstücke, die etwa so groß sind wie ein ganzes Fußballfeld. Diese Preise sind mit denen auf der Erde wirklich nicht zu vergleichen.

Wohnen wie ein Cowboy

Es muss aber gar nicht der Mond sein. Auch eine Westernstadt, ein Atombunker oder gar eine Leichenhalle laden zum Einziehen ein. Wer für sich alleine bleiben möchte, sollte es in Erwägung ziehen, auf eine Insel zu ziehen. Speziell darauf spezialisierte Makler verkaufen und vermieten Inseln an Privatmenschen. Für knapp fünf Millionen Euro lassen sich Inseln wie die Fox Island kaufen. Gelegen in Kanada, misst das Eiland fast 19 ha. Der Zugang ist möglich über ein Wasserflugzeug, Boote oder Fähren.

In den USA stand 2011 eine Westernstadt für gerade einmal 779.000 US-Dollar zum Verkauf. Wie es sich für ein solches Städtchen gehört, gab es einen Saloon, ein Tanzlokal und natürlich ein Gefängnis mit dazu. Es geht aber auch ruhiger: 2005 bot die norddeutsche Stadt Nordenham ihre Leichenhalle zum Verkauf an. 100.000 Euro waren für das denkmalgeschützte Gebäude verlangt worden. Bis 2010 fanden sich keine Mieter – seitdem ist das Haus wieder in guten Händen – nämlich in denen eines Bestattungsunternehmens.

Prinzessin oder Kriegsherr?

Es fehlt nur noch das Krönchen: Zwischen Regensburg und Nürnberg steht ein Wasserschloss, gebaut 2006, mit 25 Zimmern und fünf Stockwerken und wartet auf seine Prinzessin. Sechs Hektar Anwesen mit privatem See und Tierställen laden zu herrschaftlichen Feiern ein. Genauso wie das Innere, das mit einer Eingangshalle aus Marmor, vergoldetem Dekor an den Wänden und Deckengemälden glänzt. Der Preis von 19,5 Millionen Euro ist doch da nur Nebensache.

Etwas billiger, dafür aber auch deutlich rustikaler, mutet der Atomschutzbunker im bayerischen Jengen an. War das Schloss noch eher für Menschen mit rosaroter Brille geeignet, so trägt der Mieter dieser Immobilie vielmehr Tarnkleidung. Das Objekt ist ein Atombunker, der in zwölf Meter Tiefe liegt. Laut Inserat ist er für jeden geeignet, der „Schätze, die absolut sicher verwahrt werden müssen“ besitzt. Gegebenenfalls könnten auch Menschen untergebracht werden. Platz ist auf den 1.600 qm² auf jeden Fall genug.

Themenmonat Mieternation Deutschland 

Dieser Artikel ist Teil des Themenmonats Mieternation Deutschland. Weitere Artikel zum Thema finden Sie hier.



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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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4 Antworten auf „Sämtliche Ausstattungen sind defekt oder nicht mehr vorhanden“: Skurrile Immobilienangebote

  1. beyond real estate sagt:

    Vielen Dank für den sehr kurzweiligen Artikel! Kuriose News aus der Immobilienbranche mit hohem Unterhaltungswert…

  2. Pingback: Immobilienangebote mal anders oder “Wo die Straßen immer von Pferden zugeschissen werden” | immotional.BLOG

  3. Horst Wettig sagt:

    Immobilien lassen sich ehrlich und mit offener Beschreibung der Macken/Eigenschaften wahrscheinlich sogar schneller verkaufen. Danke fuer die kurzweilige Zusammenfassung der Angebote.

  4. Heinrich Huber sagt:

    Danke für den Artikel, habe mich teilweise sehr amüsiert. Und ich muss Horst Wettig zustimmen, mit Ehrlichkeit kommt man weiter.

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