Bauen | Sozialer Wohnungsbau Sozialwohnungen: Köln versucht es mit einem neuen Modell

20. März 2013 | von
Köln Sozialer Wohnungsbau: Köln versucht es mit einem neuen Modell. Foto: Thomas Wolf, www.foto-tw.de / wikipedia.org/cc-by-sa 3.0

Die Nachfrage für Immobilien in Köln steigen – die Preise auch. Gerade Einkommensschwächere finden kaum noch eine Wohnung, denn der Stadt fehlen Sozialwohnungen. Die Mietpreise in Köln ziehen zusehends an – und nicht nur in den beliebten Innenstadtvierteln. Für die südliche Altstadt ist der durchschnittliche Quadratmeterpreis inzwischen auf 15,59€ geklettert – ein Rekordwert. Experten betrachten solche Zahlen mit Besorgnis, denn gerade Menschen mit geringem Einkommen können sich das Wohnen in der Stadt kaum noch leisten. Wie in vielen deutschen Metropolen gehen auch in Köln Angebot und Nachfrage stark auseinander. Die Domstadt verzeichnet seit Jahren ein Einwohnerplus, und weil die Neu-Kölner häufig zentrumsnah wohnen wollen, steigt dort die Nachfrage – was die Preise in die Höhe treibt. Inzwischen wird sogar befürchtet, dass Alteingesessene, die nicht die nötigen finanziellen Mittel haben, aus ihren Wohnungen verdrängt werden. Es könnte eine sichtbare Trennung zwischen Arm und Reich entstehen, betont der Kölner Soziologe Jürgen Friedrichs im „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Sozialwohnungen fehlen

Nicht nur in den begehrten Vierteln heißt es für viele Wohnungssuchende Schlange stehen bei Besichtigungen. Dabei fällt besonders der Mangel an preiswertem Wohnraum ins Gewicht, der sich zum Teil damit erklären lässt, dass die Stadt den sozialen Wohnungsbau seit den 1980er Jahren vernachlässigt hat: Es fehlen rund 90.000 Sozialwohnungen in Köln, zeigt eine Studie des Pestel-Instituts in Hannover. Der aktuelle Bestand von knapp 41.000 Wohnungen reiche nicht aus um die fast 80.000 Hartz-IV- und Wohngeldempfänger adäquat unterzubringen, bemängelt Matthais Günther, Chef des Pestel-Instituts im „Kölner Stadt-Anzeiger“. Der Anteil an Sozialwohnungen hat sich seit Anfang der 1990er Jahren stark verringert. Damals wurden 22 Prozent der Mietwohnungen öffentlich gefördert, Ende 2011 lag die Quote nur noch bei 7,7 Prozent. Jährlich würden nur 650 Sozialwohnungen gebaut, bemängelt Günther in der Studie. Der Bau reiche nicht aus, erklärt auch Stefan Ferber, Leiter des Wohnungsamtes im „Kölner Stadt-Anzeiger“, denn jedes Jahr fielen etwa 1.300 Wohnungen aus der öffentlichen Förderung heraus. Es müsse dringend dagegen vorgegangen werden, denn Köln erwartet in den kommenden Jahren einen Einwohnerzuwachs.

Geld wird fast ausschließlich in das Wohnen gesteckt

Durch die hohen Mieten müssen viele Kölner bereits heute auf Konsum verzichten. Und nicht nur das, sie laufen auch Gefahr, sich zu verschulden. Der Großteil des Einkommens, so Ferber, müssten Kölner für Miet- und Nebenkosten aufbringen. Betroffen sind wie vielerorts vor allem die Geringverdiener, aber da diese aufgrund von fehlenden Angeboten bereits auf dem mittleren Sektor auswichen, sei auch die Mittelschicht gefährdet. Die Stadt hat das Problem erkannt und die Förderbedingungen für den Bau von Sozialwohnungen bereits verbessert: Insgesamt 65 Millionen Euro hat Köln im letzten Jahr in den sozialen Wohnungsbau investiert. Doch diese Mittel wurden nicht komplett ausgeschöpft, weil viele Investoren in diesen Projekten zu wenig Rendite sehen. Als Lösung soll nun eine neue, innovative Idee aus dem Süden der Bundesrepublik herhalten.

Das Münchener Modell

Köln will sich beim sozialen Wohnungsbau am Münchener Modell orientieren. Dieses vergibt Baugenehmigungen und zinsvergünstigte Darlehen unter dem Aspekt, dass Investoren bei ihren Neubauprojekten mindestens 30 Prozent der Wohnungen als Sozialwohnungen anbieten. Für den Geschäftsführer des Kölner Mietervereins, Jürgen Becher, ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings äußert er gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ den Wunsch, dass Sozialwohnungen auch im Innenstadtgebiet entstehen – momentan sind dort gerade einmal 3,2 Prozent öffentlich geförderte Wohnungen zu finden.

Themenmonat Mieternation Deutschland 

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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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