Wohnen | Sozialer Wohnungsbau Die Geschichte des Sozialbaus in Deutschland

25. März 2013 | von
Plattenbau in Deutschland Der Soziale Wohnungsbau in Deutschland. Foto: Gabi Schoenemann / PIXELIO

Nach Jahren der Vernachlässigung könnte der soziale Wohnungsbau in Deutschland ein Comeback erleben – die Preisentwicklung der Mieten in vielen Städten Deutschlands hat im Bundestagswahljahr die Politik auf den Plan gerufen. Doch wo liegen die Ursprünge des sozialen Wohnungsbaus in Deutschland?

Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte in Deutschland vielerorts Wohnungsknappheit. In den ersten Jahren nach dem Krieg wurde diese durch den Zuzug von Vertriebenen aus dem Ostgebiet, die im Westen nach einem neuen Zuhause suchten, verstärkt. Es gab damals sechs Millionen Wohnungen zu wenig.

Zuerst fehlten die notwendigen Baumaterialien, weswegen die sogenannten Trümmerfrauen und andere Helfer in den nur halbzerstörten Wohnungen Notunterkünfte herrichteten. Diese Situation konnte und durfte nicht andauern, weswegen es in der Nachkriegszeit die wichtigste sozialpolitische Aufgabe der Bundesrepublik Deutschland war, den Bau und Wiederaufbau von Wohnungen zu fördern.

In den Jahren 1949/1950 gab es zu 503.900 Wohnungsfertigstellungen, mit 400.000 Einheiten wurde der Großteil davon im Rahmen des öffentlich geförderten Wohnungsbaus. Damit war der Sozialbau in Deutschland geboren.

Das Wohnungsbaugesetz

Am 24.04.1950 wurde das erste Wohnungsbaugesetz verabschiedet. Dieses regelte bundesweit und –einheitlich den Wiederaufbau von Wohnungen, vor allem aber die Schaffung von sozialem Wohnungsbau. Der damals noch neue Begriff wurde als Bau von Wohnungen, die nach Größe, Ausstattung und Miete für die breiten Schichten des Volkes bestimmt und geeignet sind, definiert.

Zum Anfang war der Bau von 1,8 Millionen solcher Wohnungen in einem Zeitraum von sechs Jahren vorgesehen. Die Wohnungsämter teilten dann die Wohneinheiten je nach Bedürftigkeit den Anspruchsberechtigten zu. Im Jahr 1950 bestand dabei aber noch immer ein Wohnungsdefizit von 4,8 Millionen. Im folgenden Jahr 1951/52 wurden erneut 850.000 Wohnungen neu gebaut, rund ein Fünftel davon durch öffentliche Mittel.

Ab 1956 geriet der soziale Wohnungsbau mit Inkrafttreten des Zweiten Wohnungsbaugesetzes etwas in den Hintergrund, denn ab diesem Zeitpunkt wurde das Einzeleigentum, auch hier wieder speziell von einkommensschwachen Menschen, gefördert.

Sozialer Wohnungsbau als Rettung?

Der soziale Wohnungsbau war in seiner Anfangsphase nicht nur einkommensschwachen Familien gewidmet, sondern allen. Für die Nachkriegsgeneration bedeutete diese Art des Wohnungsbaus damals endlich wieder ein Zuhause zu haben, ein Dach über dem Kopf erklärt Bernd Bartholmai, Experte für Immobilienwirtschaft im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in der „Zeit“.

Die ersten Jahre des sozialen Wohnungsbaus versprachen deshalb auch einiges – und diese Versprechen konnten so nicht gehalten werden. Mitte der 1950er Jahre sank die Förderung des Wohnungsbaus durch öffentliche Mittel bereits wieder, denn die Soziale Marktwirtschaft begann, sich durchzusetzen. Fortan begannen die Bundesländer, ihre eigenen Gesetze und Richtlinien für den sozialen Wohnungsbau zu formulieren.

So funktioniert sozialer Wohnungsbau

Größtenteils wurden die Richtlinien in den einzelnen Bundesländern aber nach dem gleichen Grundprinzip festgelegt: Zinsverbilligte Darlehen subventionieren das Kapital, das Bauherren für die Baufinanzierung brauchen oder sie stellen das Kapital mit Aufwandszuschüssen selbst und erhalten vom Staat dafür Hilfe beim Zins und bei der Tilgung.

Bei allen gebauten Objekten gilt das Prinzip der Kostenmiete, was bedeutet, dass die Miete aus allen Bau-, Nutzungs- und Grundstückskosten errechnet wird. Mehr als diese Obergrenze darf der Vermieter von den Mietern nicht verlangen. Sobald die Fördermittel allerdings getilgt sind, entfällt die Koppelung mit dem Mietpreis. Dann landen auch diese Objekte auf dem freien Markt, wo das Angebot den Preis bestimmt.

Sozialer Wohnungsbau in Berlin

Anders als viele andere Bundesländer hat Berlin ab den 1960er Jahren in besonderem Maße auf den sozialen Wohnungsbau gesetzt. Zwei der größten Projekte waren das Märkische Viertel und Gropiusstadt, die zwischen den 60er und 70er Jahren mit Hilfe von öffentlichen Mitteln errichtet wurden.

Mitte der 1980er Jahre, als der soziale Wohnbau vorerst allmählich an Bedeutung verlor, wurden im Zuge der Internationalen Bauausstellung 1984-1987 noch einmal viele Wohnhäuser für Einkommensschwache gebaut. Ziel war es auch das Stadtbild dahin gehend zu verändern, dass Funktionen der Arbeit, des Wohnens und der Freizeit nicht mehr klar voneinander getrennt, sondern vielmehr vermischt wurden.

2002 wurde der soziale Wohnungsbau in Berlin vom Senat eingestellt mit der Aussage, dass er nicht mehr benötigt würde. Seit auch in der Bundeshauptstadt wieder Wohnungsknappheit und steigende Mietpreise an der Ordnung sind, plädiert die Politik dafür den sozialen Wohnungsbau wieder verstärkt einzusetzen.

Themenmonat Mieternation Deutschland 

Dieser Artikel ist Teil des Themenmonats Mieternation Deutschland. Weitere Artikel zum Thema finden Sie hier.



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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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