Wohnen | IBA 2013 Internationale Bauausstellung: Die Zukunft des Wohnen und ihre Gegner

25. März 2013 | von
IBA Internationale Bauausstellung: Die Zukunft des Wohnen und ihre Gegner. Foto: IBA Hamburg GmbH / Martin Kunze

Auf der internationalen Bauausstellung in Hamburg sollen zahlreiche Objekte zeigen, wie wir zukünftig leben werden – doch die Ausstellung steht nicht bei allen in positivem Licht. Protestanten haben zur Eröffnung gegen Gentrifzierung demonstriert.

Am Samstag wurde in Wilhelmsburg die Internationale Bauausstellung (IBA) eröffnet. In das Gelände, eine ehemalige Mülldeponie, wurden in den letzten acht Jahren über einer Milliarde Euro gesteckt. Jetzt soll der Inselpark als Ausflugsziel und zur Energiegewinnung dienen. Doch es fanden sich auch Hunderte Gegner der Ausstellung zusammen, die einen Anstieg der Mieten und Verdrängung befürchten.

Wohnen im 21.Jahrhundert – eine Vision

Das 35 Hektar große Gelände der IBA im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg beherbergt 60 Projekte. Diese sollen zeigen, wie das Wohnen, Leben und Arbeiten in einer modernen Großstadt im 21. Jahrhundert sich gestalten könnte. Für den Bau der haben sich Architekten, Stadtplaner und Ingenieure Jahre lang mit den wichtigsten Fragen auseinandergesetzt. Unter anderem auch damit, wie Städte zukünftig nachhaltig wachsen können und wie die Energieversorgung aussehen wird.

Zu den Projekten gehören unter anderem das weltweit erste Algenhaus. Dieses hat eine Bioreaktorfassade mit Glaselementen in denen Algen wachsen, die mithilfe von Fotosynthese und Solarthermie Wärme produzieren können. Das Haus gehört zu den „Smart Material Houses“, die, wie der Name bereits andeutet, aus erneuerbaren Materialien hergestellt werden.

Nicht alle Projekte bauen auf diesem Konzept auf. Ein weiterer Trend auf der IBA ist die Verwendung von Holz. Das sogenannte „Woodcube“ soll ein weltweit einzigartiges Hochhaus werden, welches schadstofffrei und CO2-neutral ohne Dämmung mit Fremdstoffen auskommt. Das Haus ist damit sogar biologisch recycelbar und kann dadurch, dass es keine Schadstoffe produziert, auch zur Energiegewinnung verwendet werden.

Bezahlbarer Wohnraum für alle?

Doch auch Ideen um Wohnraum bezahlbar zu machen finden ihren Platz auf der IBA. Der Bezirk Wilhelmsburg wurde von der Stadt lange vernachlässigt und der Großteil der Häuser stammt aus den 1970ern und 80ern. Bekannt war der Stadtteil hauptsächlich wegen seiner Giftmülldeponie – und dadurch eher negativ gesehen. Das soll sich nun mit der IBA alles ändern. Neben den energieeffizienten neuen Wohnanlagen sind auch Sozialwohnungen geplant, die einen durchschnittlichen Quadratmeterpreis von unter sechs Euro haben. Weiterhin soll die Gegend grüner werden.

Dauerhafter Weiterentwicklung der Stadt

Die IBA werde die Stadt Hamburg verändern, erklärte Bürgermeister Olaf Scholz auf der Eröffnungsfeier, auch international würde sie auf großes Interesse stoßen. Für den Geschäftsführer der Ausstellung Uli Hellweg steht das Projekt als Modell für nachhaltige und zukunftsorientierte Innenentwicklung. Genau das bemängeln aber die Gegner der IBA: Sie befürchten durch diese Umstrukturierung eine Verschlechterung ihrer Lebensumstände und keine Verbesserung wie von den Verantwortlichen versprochen. Die Ausstellung sei nicht geeignet, etwas zu verbessern, denn sie ginge nicht gegen die soziale Ausgrenzung der Einwohner vor, betont Hannah Sperberich von der Kampage „IBA? Nigs da!“ in der „taz“.

Die Gegner befürchteten vor allem, dass Wohnungsmieten, die in Hamburg bereits seit Längerem zu den teuersten in Deutschland gehören, sich nun noch weiter verteuern würden. Menschen mit einem geringen Einkommen müssten dann wegziehen. Die IBA hätte bezahlbaren Wohnraum für alle schaffen sollen und keine innovativen, modernen Wohneinheiten, die erneut nur Besserverdienende anziehen würde, so die Kritik.

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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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