Mieten | Kampf gegen steigende Mieten Mietshaus-Syndikate: Gemeinsam gegen hohe Mieten

26. März 2013 | von
Mietshaus Syndikat Mietshäuser-Syndikate: Selbstbestimmtes Wohnen, günstige Miete. Foto: Patrycja Bielawska-Roepke / PIXELIO

Hauseigentümer und Mieter zugleich: Mietshaus-Syndikate machen es möglich. Ohne Eigenkapital kann so gemeinschaftlich zu niedrigen Mietpreisen gewohnt werden.

Die Idee der Mietshaus-Syndikate stammt ursprünglich aus der Hausbesetzerszene und wird heute von den unterschiedlichsten Gruppen umgesetzt. Studenten aus Heidelberg etwa haben die Wohninitiative „Hagebutze“ gegründet. Das Ziel: 320 Quadratmeter für insgesamt neun Bewohner – die Kosten für Kauf und Sanierung würden rund eine Million Euro betragen. Ist das Haus gekauft, wollen die Studenten dort auf Mietbasis als Hausgemeinschaft wohnen. Um das zu erreichen, arbeiten sie mit dem Mietshäuser Syndikat zusammen, das sich das Ziel gesetzt hat, solche selbstorganisierten Hausprojekte zu beraten und sich an ihnen zu beteiligen, damit sie dem Immobilienmarkt entzogen werden. Das Syndikat-Modell zielt somit eher auf Bestandsimmobilien, während das Bauherrenmodell beim Neubau von Immobilien zum Zuge kommt.

Geldeinsammeln und Zinsen in Eigenregie, Mietpreise deutlich unter Vergleichsmiete

Von Freunden, Familie und Sympathisanten haben die Studenten bereits 180.000 Euro eingesammelt – die Verzinsung können die Kreditgeber dabei selbst zwischen null und drei Prozent wählen. Das ursprünglich gesetzte Ziel von 150.000 Euro hat die Heidelberger Truppe schon übertroffen, als nächstes peilen sie nun 300.000 Euro an. Den Rest leihen die Studenten für etwas über drei Prozent bei einer gemeinwohlorientierten Bank. Der Trick dabei: Nicht sie selbst nehmen die Kredite auf, sondern ihre eigens gegründete GmbH. Diese zahlt dann später mit den Mieteinnahmen die Kredite zurück – so besteht ein überschaubares Risiko. Da eine nach dem Modell des Mietshäuser Syndikats gekaufte Immobilie nicht mehr in das Privateigentum überführt werden kann, besteht kein Verwertungsinteresse an der Immobilie und es können Mietpreise von etwa 20 Prozent unterhalb des Mietspiegels erreicht werden.

Selbstbestimmungsrecht der Mieter bleibt gewahrt

Um eine spätere Re-Privatisierung des Hauses auszuschließen und so langfristig günstige Mieten gewährleisten zu können, weisen die Hausprojekte alle eine Besonderheit auf: Der Eigentumstitel der Immobilie liegt nicht unmittelbar beim Hausverein, sondern bei einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung – im Falle der Heidelberger Studenten der HageButze GmbH. Diese hat genau zwei Gesellschafter: zum Einen den Hausverein, zum Anderen die Mietshäuser Syndikat GmbH als Kontroll- oder Wächterorganisation. In Angelegenheiten wie Hausverkauf, Umwandlung in Eigentumswohnungen oder Ähnlichem haben dabei sowohl das Mietshäuser Syndikat als auch der Hausverein ein gleichberechtigtes Stimmrecht. So können in solch grundlegenden Fragen Veränderungen nur mit Zustimmung beider Gesellschafter beschlossen und weder der Hausverein noch das Mietshäuser Syndikat überstimmt werden. Damit aber das Selbstbestimmungsrecht der Mieter gewahrt bleibt, ist das Stimmrecht des Syndikats nur auf einige Grundlagenfragen beschränkt – bei allen anderen Angelegenheiten hat der Hausverein das alleinige Stimmrecht. Im Mietshäuser Syndikat sind neben der „Hagebutze“ noch 67 weitere Projekte in ganz Deutschland zusammengeschlossen, die alle einst wie das Studentenprojekt begannen. Allein 27 davon sind im letzten Jahr entstanden – viele der Initiativen werden dabei von jungen Leuten gegründet.

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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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2 Kommentare zu Mietshaus-Syndikate: Gemeinsam gegen hohe Mieten

  1. Pingback: Neuer Bericht über das Mietshäuser Syndikat | die danz

  2. Kästner sagt:

    Wie kann ich Mitglied werden? Gibt es in München mietshaussyndikate?könnt ihr mich bitte informieren? Danke!l.g.mama afrika

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