Wohnen | Wohnen in Zukunft Studie: Wie wohnen wir 2025?

2. April 2013 | von
Grundriss Wohnung Klassische Grundrisse könnten in Zukunft ausgedient haben. Foto: Rainer Sturm / PIXELIO

Steigende Mietpreise, Anstehen bei der Wohnungsbesichtigung und Luxussanierungen: Das sind Probleme, mit denen die Deutschen 2013 zu kämpfen haben. Wie sieht das aber in einigen Jahren, in 2025 aus?

In den nächsten Jahren, so die Prognose der Studie „Zukunft des Wohnens“, die das Kelkheimer Zukunftsinstitut durchgeführt hat, wird sich das Wohnen in Deutschland verändern. Für die Experten zeichnen sich dabei vor allem zwei Trends ab: Collaborative Living und Conceptual Living.

Die Bevölkerungszahl wird bis zum Jahr 2015 auf 78 Millionen schrumpfen – das ist ein Rückgang von 4,5 Prozent. Dennoch wird für die Zukunft erwartet, dass es mehr Haushalte gibt als bisher, da die Zahl der Singlehaushalte noch weiter ansteigen wird. Diese Entwicklung zeigt sich bereits seit Jahrzehnten: In den 1970ern wohnten durchschnittlich noch 2,74 Personen gemeinsam in einem Haushalt. In den 1990ern waren es hingegen schon nur noch zwei Personen.

Gerade in Zeiten von Wohnungsmangel lässt dieser Trend Probleme bei der Wohnungssuche vermuten. Doch genau mit diesem Aspekt haben sich die Forscher auseinandergesetzt und sich gefragt, wie die Lösungen für diese und andere Probleme aussehen könnten. In der Studie haben sich fünf sogenannte Trendfelder herauskristallisiert.

Gemeinschaftlich leben: Collaborative Living

Nach Meinung der Zukunftsforscher sehen die Wohnungen unserer Zukunft karg aus: Voll ausgestattete Wohnungen mit Küche, Bad und gemütlichen Wohnzimmer sind Ideen der Vergangenheit. Die Nutzung der Waschmaschine ist in den nächsten Waschsalon ausgelagert, die Küche wird bei Bedarf einfach angemietet. Wer heutzutage nach einem langen Arbeitstag die Atmosphäre des eigenen Wohnzimmers schätzt, geht laut den Experten in der Zukunft abends in eine Kneipe – die wie ein klassisches Wohnzimmer mit Sofas, Sesseln und Bücherregalen ausgestattet ist.

Die Idee erinnert ein wenig an das Computerspiel der Sims, die ebenfalls in die Welt geschickt werden, um Spaß zu haben. So sollen auch wir uns zukünftig vermehrt an öffentlichen Plätzen und weniger in unseren eigenen vier Wänden aufhalten. Wohnfelderweiterung nennt sich diese Entwicklung, die bis 2025 Einzug halten soll. Der Park sei der Garten, die Bibliothek das Büro betont Harry Gatterer, Mitautor der Studie und Geschäftsführer des Zukunftsinstituts Österreich, im „Focus“.

Das Konzept dieses Collaborative Living bezeichnet eine primär urbane Form des Wohnens, das sich nicht auf die Umrisse einer Wohnung zugeschnitten ist, sondern sich fast beliebig erweitern lässt. Dahinter steht der Gedanke einer Shareconomy, die bereits heutzutage viele Anhänger findet. Ob Autos oder Wohnungen – es wird geteilt. In der Zukunft soll sich dieses Verhalten verstärken.

Eine, statt vier Wände: Conceptual Living

Meine Küche, mein Wohnzimmer, mein Bad – diese starre Abgrenzung soll in Zukunft wegfallen. Genauso wie die vielen Wände, die einzelne Zimmer abgrenzen. Flexibilität steht an oberster Stelle und da wird aus einem ehemals klassischen Wohnzimmer auch schon mal das Arbeitszimmer. Die Definition von Zimmern wird zukünftig an Bedeutung verlieren, betonen die Forscher. Anstatt Räume wird es nur noch Zonen geben, die sich individuell gestalten lassen. Die schwere, unverrückbare Schrankwand wird ausgedient haben – an ihre Stelle treten flexible, kombinierbare Regale. So lässt sich die Wohnung stets umgestalten. Vor allem in Einzimmerwohnungen, die in der Zukunft noch beliebter sein werden als heute, bietet es sich an alles mit allem zu verbinden. Zumindest ist das die Idee.

Die heilende Wohnung

Neben diesen zwei beherrschenden Trends zeigen sich aber noch weitere. Die Gesundheit wird zukünftig einen hohen Stellenwert einnehmen – auch beim Wohnen. Möglichkeiten gesund zu wohnen gibt es dabei viele: Eine Vitamin-C-Dusche oder Wandfarbe, die mithilfe von Photokatalyse Schadstoffe, Gerüche und Keime aus der Luft filtert.

Zu dieser Entwicklung gehört auch das sogenannte Urban Gardening, bei dem etwa auf dem Balkon das eigene Gemüse gezüchtet wird. Heute noch oft von den Nachbarn belächelt, wird diese Praktik in rund zehn Jahren schon an der Tagesordnung stehen, sagen die Forscher.

Die Cloud zum Wohnen

Das Prinzip des Cloud Computing ist inzwischen bekannt: Daten können virtuell gespeichert und von überall wieder abgerufen werden. Das soll in Zukunft auch mit Wohnen möglich sein. Das alltägliche Leben wird zu einem großen Teil einfach zu sogenannten dritten Orten ausgelagert. Arbeitsplätze werden angemietet, genauso wie die Küche – und gefeiert wird sowieso woanders.

Letztlich sind diese Entwicklungen aber nur Trends, die das Zukunftsinstitut auf Grundlage heutiger Tendenzen erstellt hat. Wie sich das Wohnen in der Zukunft tatsächlich gestaltet, und ob wir vielleicht unsere Fernsehgeräte auslagern und Nachrichten wieder im Kino gucken, muss sich erst noch zeigen.

Themenmonat Mieternation Deutschland 

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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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Ein Kommentar zu Studie: Wie wohnen wir 2025?

  1. Ingrid sagt:

    Also ich kann mir nicht wirklich vorstellen, dass die Menschen dann eher in Gruppen zusammenleben und nicht allein oder lediglich mit Partner, Kindern etc. Nicht jeder greift aus Geldmangel einfach auf die Lösung WG zurück.

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