Solarenergie | Geschichte der Solarenergie Eine Branche in der Krise: Hat Deutschlands Solarindustrie noch eine Zukunft?

9. April 2013 | von
Produktion bei Solar World Herstellung von Solarzellen bei Solar World: Wie gefährdet sind deutsche Solarproduzenten? Foto: OregonDOT / flickr.com / CC BY 2.0

Die Meldungen über Solarhersteller, die in den letzten Monaten pleitegegangen sind oder zumindest in massiven finanziellen Schwierigkeiten stecken, häufen sich derzeit. Sogar vom Ende der Solarbranche ist die Rede – doch was ist dran an diesem Szenario?

Aufgrund der hohen Investitionen, die für den Ausbau der Solarwirtschaft benötigt werden, schreiben zahlreiche Unternehmen derzeit noch rote Zahlen. Die Umsätze lagen 2010 bei fast 19 Milliarden Euro, während die Investitionen fast 24 Milliarden erreichten – ein Defizit von knapp 6 Milliarden Euro. Experten von renommierten Forschungsinstituten gehen allerdings davon aus, dass nach den schrumpfenden Umsätzen in den kommenden Jahren wieder steigende Umsätze zu erwarten seien. Diese Entwicklung sei vor allem durch stark sinkende Investitionen in die Solarwirtschaft zu erklären.

Konkurrenz aus China als Existenzbedrohung

Tatsächlich befindet sich die Solarbranche derzeit in einer Krise, wie unschwer an den zahllosen Berichten über Firmenpleiten, den Absatzrückgängen und den Ausstiegen aus der Solarsparte zu erkennen ist. Managementfehler sowie riesige Überkapazitäten bei der Produktion von Solarzellen und –anlagen sind mitverantwortlich für den Rückgang der Preise und die damit verbundenen Einnahmeeinbußen. Auch die Finanzkrise in Europa hat dazu beigetragen, dass Investoren zurückhaltender wurden und sich keine neuen Absatzmärkte erschließen lassen. Die Produktentwicklung ist ebenfalls langsamer als in anderen Branchen.

Ein weiteres Problem bilden die günstigen Angebote aus China, wo die heimische Solarindustrie seit 2010 massiv gefördert wird, während in Europa die Zuschüsse immer weniger werden. Trotz enorm hoher Subventionen hat erst vor Kurzem das chinesische Unternehmen Suntech, der weltweit größte Solaranlagenhersteller, Insolvenz angemeldet. Doch nicht nur die asiatischen Unternehmen fahren derzeit Verluste ein: Die Lage der deutschen Hersteller sieht sogar noch schlimmer aus.

Die Krise der deutschen Solarindustrie

Da viele deutsche Solarhersteller nicht mit den Dumpingpreisen chinesischer Unternehmen mithalten können, haben bereits mehrere europäische Hersteller bei der EU-Kommission Klage eingereicht und fordern Strafzölle auf Produkte chinesischer Solarhersteller. Derzeit überprüft die EU-Kommission die Vorwürfe. Doch dies ändert nichts mehr daran, dass bereits zahlreiche deutsche Solarfirmen aus dem Geschäft aussteigen mussten und die letzten Unternehmen der Branche derzeit ums Überleben kämpfen.

Dementsprechend sind die Beschäftigungszahlen der deutschen Solarbranche rückläufig: Waren 2010 noch 133.000 Arbeitnehmer in dem Sektor angestellt, sind es 2012 nur noch 100.000 gewesen. Durch Firmenschließungen und Insolvenzen werden die Zahlen vermutlich weiter sinken.Zuletzt hat der Rückzug des Technologiekonzerns Bosch aus dem Geschäft mit der Solarenergie für Unsicherheiten in der Branche gesorgt. Bosch begründete den Ausstieg mit der fehlenden Rentabilität und beziffert den Verlust seiner Solarsparte auf insgesamt fast 2,5 Milliarden Euro. Dem Ausstieg Boschs aus der Solarsparte ist die Pleite weiterer Anbieter vorausgegangen, wie etwa Solar Millennium, Solarhybrid und Q-Cells.

Nachdem die Solarsparte bereits seit Längerem defizitär war, ist mit dem endgültigen Ausstieg von Bosch aus der Solarsparte auch die Existenz von anderen Unternehmen bedroht, an denen Bosch Anteile besitzt. Dem betroffenen Modulebauer Aleo Solar, der rund 700 Mitarbeiter beschäftigt, bleibt noch etwa ein Jahr um die Neufinanzierung zu sichern. Die Chancen, einen neuen Investor zu finden, sind angesichts der roten Zahlen und der aktuellen Lage in der Solarbranche gering. Insgesamt sind durch den Ausstieg Boschs etwa 3.000 Arbeitsplätze betroffen, wovon die meisten in Thüringen und Brandenburg liegen.


Zwar verfügt die Solarbranche über viel Potenzial, nicht zuletzt angeregt durch die Energiewende, allerdings seien die Rahmenbedingungen weiterhin unstimmig, wie Peter Ernsdorf von der IG Metall Ostbrandenburg betont. Vor allem Brandenburg gilt als „Solarzentrum“ und wird durch den Niedergang der Branche besonders hart getroffen. Von den ehemals drei großen Solarfirmen haben sich bereits zwei aus dem Geschäft verabschiedet, das dritte Unternehmen gilt als angeschlagen, obschon die Verluste von 2012 im Vergleich zum Vorjahr halbiert werden konnten.

Der Weg aus der Krise – Lösungsansätze

Eine Änderung im Förderungsgesetz könnte hier Abhilfe leisten. So fordert beispielsweise Dieter Manz, erster Vorsitzender der neu gegründeten Industrievereinigung Solar-Cluster-Baden-Württemberg, nicht mehr allgemein Stromproduktion aus Solarzellen, sondern nur noch Strom aus deutschen oder europäischen Solarmodulen zu fördern. Durch die Gliederung nach Herkunftsland sollen Anreize geschaffen werden, die die Kunden am Ende dazu motivieren, in Europa hergestellte Solaranlagen zu kaufen. Auch Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) fordert den Bund auf, zur Sicherung von Arbeitsplätzen Produktionsklauseln zum Schutz vor Dumpinganbietern zu prüfen. So sollte festgelegt werden, dass ein bestimmter Prozentsatz der Bestandteile in Europa produziert werden müsse.

In anderen Ländern und Branchen seien solche Richtlinien längst üblich. Der Marktanteil chinesischer Anbieter liege in Europa und in Deutschland nämlich derzeit bei bis zu 80 Prozent. Außerdem unterbreitete der Minister den Vorschlag, dass Bund, Ländern und Unternehmen zu einem Solargipfel zusammenkommen sollten, um die aktuellen Probleme zu besprechen und Lösungsansätze zu erarbeiten. In diesem Zusammenhang sei es auch von großer Relevanz, dass die europäische Anti-Dumping-Klage schnellstmöglich entschieden wird.

Um gegen Dumpingpreise aus China vorzugehen, setzen europäische Hersteller zunehmend auf gemeinsame Expertise. Durch den Vorsprung an Technik und Know-How sollen die Angebote der Solarfirmen an Attraktivität gewinnen. Derzeit wird über einen Zusammenschluss europäischer Solarfirmen nachgedacht, um sich besser gegen die Konkurrenz durchsetzen zu können. Bundesumweltminister Altmaier (CDU) befürwortet eine solche Kooperation, allerdings liege es bei den Unternehmen, die Initiative zu ergreifen, da diese aus der freien Wirtschaft stammen.

Dieser Artikel ist Teil der Einführungsreihe “Geschichte der Solarenergie” zum Themenmonat Solarenergie. Die weiteren Artikel zu dieser Reihe finden Sie hier:

Teil 1: Auf dem Weg zur modernen Solaranlage: Die Geschichte der Solarenergie
Teil 2: Entwicklung der Solarenergie: Das EEG und seine Auswirkungen
Teil 3: Die Schwierigkeiten der Energiewende in Deutschland

Themenmonat Photovoltaik & Solaranlage 

Dieser Artikel ist Teil des Themenmonats Photovoltaik & Solaranlage. Weitere Artikel zum Thema finden Sie hier.



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