Solarenergie | Erneuerbare Energien Wird überhaupt dauerhaft genug Strom erzeugt mit alternativen Energien?

17. April 2013 | von
erneuerbare Energien Produzieren erneuerbare Energien genügend und zuverlässig genug Strom? Foto: Luise / PIXELIO

Energiewende ja – aber geht das überhaupt so schnell oder bleibt dann unsere Stromversorgung auf der Strecke? Das ist eine Frage, die derzeit Verbraucher, Politiker und Forscher beschäftigt. Verschiedene Studien gehen ihr auf den Grund.

Politisch ist die Energiewende beschlossen. Nach dem Reaktorunfall in Fukushima wurden die Laufzeiten der Atomkraftwerke nicht verlängert. Forscher raten dazu, die Energieversorgung bis 2040 kohlendioxidfrei zu gestalten. Dass dies kein Ding der Unmöglichkeit ist, belegt eine Studie im Auftrag des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE). Die Aussage der Studie: Schon heute sind die technologischen Voraussetzungen vorhanden, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Die Studie des BEE

Das Sorgenkind ist unser unbeständiges Wetter. Pessimisten der Energiewende betonen immer wieder, dass der Wind nicht kalkulierbar weht und auch die Sonne zu unregelmäßig scheint. Wie soll da eine sichere Energieversorgung durch erneuerbare Energien sichergestellt werden? Die Studie besagt klar: Es gibt schon heute genug Technologien und Handlungsoptionen, die diese Sorge unbegründet machen. Das Büro für Energiewirtschaft und technische Planung GmbH (BET Aachen) stellte fest, dass der momentan erzeugte Strom aus regenerativen Kraftwerken problemlos in unser Stromnetz integriert würde. Denn momentan gäbe es noch keinen Überschuss aus diesen Quellen, dieser werde erst ab dem Jahr 2020 erzeugt. Die vorhandenen Überschüsse müssten gespeichert, verlagert oder abgeregelt werden. Die technologischen Voraussetzungen um diese Unregelmäßigkeiten auszugleichen sind laut der Studie gegeben.

Die Empfehlungen der Studie zeigen, dass dennoch ein Handlungsbedarf besteht. Dieser liegt allerdings bei der Politik, die Regelungen und Anreize schaffen muss, um die erforderlichen Flexibilitätstechnologien zu entwickeln und ins Netz zu integrieren. Auch müssten die bestehenden Gesetze auf ihre Markttauglichkeit geprüft werden. Dabei wird vor allem darauf angespielt, dass derzeit Unternehmen, die einen hohen Stromverbrauch haben, oft von Netzendgelten befreit sind, während die Verbraucher mit Entgelte und Umlagen dafür aufkommen müssen.

Analyse der Zeitschrift „Sonne Wind & Wärme“

Auch aus anderen Quellen gibt es detaillierte Analysen zu der Frage, ob erneuerbare Energien eine sichere Versorgung ermöglichen können. Die Zeitschrift „Sonne Wind & Wärme“ hat auf der Basis von realen Wetter-und Verbrauchsdaten aus dem Jahr 2007 analysiert, ob eine Mischung aus Windkraft und Photovoltaik ausreichen würde, um die Versorgung zu garantieren. Resultat: Die Mischung könnte 80 Prozent des Energiebedarfs decken. Die Analyse ergab, dass sich Windkraft und Sonnenenergie über das Jahr verteilt besonders gut ergänzen, allerdings wurden in verschiedenen Zeiträumen erhebliche Unterschiede und Defizite festgestellt.


In Wochen, in es entweder einen Überschuss an Wind oder an Sonne gibt, ist die Energieversorgung über regenerative Energien kein Problem. Schwierig werden die Winterwochen, wo es gleichzeitig wenig Wind und wenig Sonne gibt. Durch andere regenerative Energien seien die Defizite, die sich auf bis zu 75 Gigawatt belaufen, nur schwer oder gar nicht auszugleichen, so „Sonne Wind & Wärme“. Im Jahr 2011 waren in Deutschland nämlich lediglich 4,4 GW Wasserkraft- und 7,2 GW Biomassekraftwerke installiert. Zwar gibt es hier noch Ausbaumöglichkeiten, doch würden diese nicht für einen kompletten Ausgleich reichen.

Überschüsse speichern

Die optimale Lösung ist die Speicherung von Überschüssen, die bei Bedarf abgegeben werden können. Laut „Sonne Wind & Wärme“ müssten die Speicherkapazitäten bei fünf Prozent der jährlich erzeugten Energie liegen. Konkret wären das 30.000 GWh. Derzeit werden erneuerbare Energien in Deutschland hauptsächlich in Pumpspeicherkraftwerken eingespeist – mit einer Speicherkapazität von insgesamt 40 GWh.

Mögliche Speicherung von Solarenergie.

Mögliche Speicherung von Solarenergie. Grafik: BSW-Solar

Um die Defizite im Frühjahr, wo wenig Wind weht, aber tagsüber viel die Sonne scheint, auszugleichen, würden Kurzzeitspeicher ausreichen. Hierfür eignen sich vor allem Batteriespeicher. Nach Angaben von „Sonne Wind & Wärme“ könnten durch eine Mischung aus Haushalten mit eigenen Speichern und zentralen Batteriespeichern die Nachtdefizite in wind- oder sonnenreichen Frühjahrswochen gut ausgeglichen werden.

Für die längerfristige Speicherung von regenerativen Energien eignen sich insbesondere Gasspeicher. Bereits heute ist ein Erdgasnetz vorhanden, welches – richtig genutzt – für Versorgungssicherheit sorgen könnte. Die Erdgasspeicher geben derzeit einen Heizwert von 200 000 GWh her. Überschüsse regenerativer Energien könnten in Wasserstoff umgewandelt und dann ins Erdgansnetz eingespeist werden. Fünf Prozent des Erdgases können durch Wasserstoff problemlos ersetzt werden. Auch eine Beimischung von 20 Prozent wird als nicht problematisch eingestuft.

Die Technologien für eine sichere Energieversorgung durch regenerative Energien sind demnach vorhanden. Das bestehende System muss aber an die neuen Anforderungen angepasst und die nötigen Erzeugungstechniken und Speichermöglichkeiten gebaut werden.

Themenmonat Solaranlage und Solarenergie 

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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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