Immobilienmarkt | Kampf gegen steigende Mieten Günstige Wohnungen am Rhein sind Mangelware – und werden es vermutlich auch bleiben

19. April 2013 | von

In den drei rheinischen Zentren Köln, Bonn und Düsseldorf fehlen tausende Wohnungen, bezahlbarer Wohnraum für Normalverdiener wird damit immer mehr zur Mangelware. Im bundesweiten Durchschnitt zählen die drei Städte zu den zehn deutschen Großstädten mit dem gravierendsten Wohnungsmangel, wie eine Studie des Deutschen Mieterbundes Nordrhein-Westfalen herausfand.

Bereits jetzt fehlen entlang der Rheinschiene über 18.000 Mietwohnungen im günstigen Preissegment, wobei sich diese Entwicklung in Zukunft weiter verschärfen wird. Gemeinsam mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) will sich der Mieterbund deswegen für attraktivere staatliche Förderbedingungen für Investoren einsetzen. Diese sollen dazu verpflichtet werden, bei Neubauprojekten mindestens 30 Prozent des Wohnraums für untere und mittlere Einkommen einzuplanen.

In anderen Städten mit Wohnungsnot wie etwa in München oder Hamburg würden solche Maßnahmen bereits seit Längerem eingesetzt werden, so Bernhard von Grünberg, Landesvorsitzender des Mieterbundes. Derzeit überlegt auch die Stadt Düsseldorf, ob ein solches Modell auch hier Sinn machen könnte.

Angebot hinkt dem Bevölkerungswachstum hinterher

Der Trend zum Wohnen in der Stadt stellt die rheinischen Metropolen vor die Herausforderung, bis 2030 fast 180.000 Menschen mehr unterzubringen als jetzt. Auch die Tatsache, dass in Köln, Bonn und Düsseldorf eine hohe Anzahl an Singles wohnt, verschärft die Lage auf dem Wohnungsmarkt. Wenn Familien mit einem Haushaltseinkommen unter 1300 Euro netto schon fast die Hälfte dafür für die Miete aufbringen müssen, dann wird Wohnen immer mehr zum Luxusgut, wie der DGB-Landeschef Andreas Meyer-Lauber betonte.

Größtes Problem ist derzeit die niedrige Zahl an Baufertigstellungen, die der immer größer werdenden Nachfrage nicht mehr gerecht werden kann. Hinzu kommt, dass der Anteil von öffentlich geförderten Wohnungen stetig sinkt, obwohl immer mehr Haushalte Anspruch auf eine öffentlich geförderte Wohnung haben. Steigende Mieten sind somit längst nicht mehr nur ein Problem der Mieter, denn gleichzeitig steigen die Transferleistungen von der Kommune. Diese sollte also ein großes Interesse daran haben, preiswerten Mietwohnraum zu schaffen.

Mangel besteht vor allem beim Bau von Sozialwohnungen

Der fehlende Bau von Sozialwohnungen verschärft die derzeitige Lage zusätzlich. Für Investoren sind frei finanzierte Wohnungen lukrativer, weil die Renditen hier deutlich höher ausfallen. Was kein Wunder ist, bei Preisen bis zu zwölf Euro pro Quadratmeter, während – bei 15 Jahren Mietpreisbindung – der Quadratmeterpreis für Sozialwohnungen lediglich bei 6,25 Euro liegt. Die Motivation, in den Sozialwohnungsbau zu investieren, ist dementsprechend niedrig. Hier gilt es Anreize zu schaffen, um den Neubau in diesem Preissegment voranzutreiben.

Kommunale Wohnungsunternehmen, die helfen könnten, den Wohnungsmangel zu beheben, verfügen über zu wenig Eigenkapital, um Baukosten von etwa 2.400 Euro pro Quadratmeter stemmen zu können. Deswegen sollten die Förderbestimmungen der NRW.Bank verändert und die Eigenkapitalquote für Förderdarlehen im Mietwohnungsbau von 20 auf 10 Prozent gesenkt werden. Dafür müssten sich die Investoren im Gegenzug eine Mietpreisbindung für 30 Jahre einlassen.




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