Rechtliches | Neuregelung des Schornsteinfegergesetzes Was das neue Schornsteinfegergesetz gebracht hat

29. April 2013 | von
Schornsteinfeger bei der Arbeit Seit dem 1. Januar 2013 gilt das neue Schornsteinfegergesetz, doch was hat sich für die Hauseigentümer verändert? Foto: Jorbasa / flickr.com / CC BY-ND 2.0

Seit dem 1. Januar 2013 dürfen sich Hausbesitzer den Kaminkehrer selbst aussuchen. Kosten sparen sie trotzdem nicht, denn die Preise, die jetzt vom Markt bestimmt werden, sind noch immer an den vorherigen Tarifen orientiert und sogar seit der Neuregelung leicht gestiegen. Die Aufhebung des Monopols hat sich auf den ersten Blick weder für die Kunden noch für die Schornsteinfeger gelohnt.

Bis vor wenigen Monaten konnten sich Hausbesitzer nicht aussuchen, welchen Schornsteinfeger sie beauftragen. Durch die Änderung des Schornsteinfeger-Handwerksgesetzes dürfen Hausbesitzer nun frei entscheiden, wem sie den Auftrag geben. Auch die Preise nicht mehr fest, sondern werden vom Markt bestimmt. Allerdings scheint sich dies derzeit kaum auf die Wahl des Schornsteinfegers auszuwirken: Laut dem bayrischen Landesinnungsmeister Oswald Wilhelm sind nämlich 99 Prozent der Kunden bei ihrem Kaminkehrer geblieben. Auch eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Zentralverbandes Deutscher Schornsteinfeger (ZDS) bestätigt, dass gut 90 Prozent der Eigentümer mit der bisherigen Leistung ihres Kaminkehrers zufrieden waren.

In bestimmten Fällen bleibt aber muss ein bevollmächtigter Bezirksschonsteinfeger gerufen werden. Dies ist dann der Fall, wenn beispielsweise ein Feuerstättenbescheid erteilt werden soll und eine Feuerstättenabnahme oder eine Feuerstättenschau ansteht.

Hauseigentümer als Verlierer der Neuregelung?

Durch die Neuregelung ist vor allem den Vermietern ein Mehraufwand entstanden, müssen diese sich nun selbst um die Einhaltung der Fristen kümmern und rechtzeitig einen Schornsteinfeger beauftragen. Bisher wurde der Bezirksschornsteinfegermeister lediglich über anstehende Arbeiten informiert und hat dann selbst die Termine festgelegt.

Zudem muss der Hauseigentümer nun Formblätter ausfüllen, die als Nachweis an den zuständigen Bezirksschornsteinfeger geschickt werden müssen. Falls die Arbeiten nicht rechtzeitig erledigt wurden, droht dem Hauseigentümer sogar ein Bußgeld von bis zu 5.000 Euro. So hatte eine ältere Frau ihrem Schornsteinfeger unter Berufung auf das neue Gesetz den Zutritt zu ihrem Haus verweigert, weil sie unzufrieden mit seiner Arbeit war. Da die Frau zu spät einen anderen Schornsteinfeger beauftrage und die Fristen des zuständigen Landratsamtes so nicht eingehalten wurden, erhielt sie ein Bußgeld von 125 Euro. Wer darauf verzichten will, sollte sich also rechtzeitig um das Einhalten der Fristen kümmern.

Marktentwicklung derzeit noch unklar

Mittlerweile werden auch Wartungsverträge angeboten, die dem Eigentümer regelmäßige Arbeiten garantieren, ohne dass dieser sich selbst darum kümmern muss. Doch hier gilt es aufzupassen, denn noch sei die Preisentwicklung unklar. Fallen die Preise, ärgert sich der Besitzer im Nachhinein über die zu hohen Kosten für den Schornsteinfeger. Es gilt also, den Vertrag entweder gründlich zu prüfen oder einfach noch etwas abzuwarten.

Es gibt auch große Unterschiede im Bezug auf die Wohnlage: Während in Großstädten und Ballungsräumen eine große Auswahl an Betrieben vorhanden ist, sieht es in ländlichen Gegenden deutlich schlechter aus. Oft gibt es hier nicht einmal wohnortnahe Alternativen, was die Preise in die Höhe treiben kann. Doch es kann sich auch lohnen zu verhandeln: Da die Preise individuell vereinbar sind, kann auch ein Betrieb, der etwas weiter weit liegt, noch verlockend sein. In grenznahen Gebieten kann es sich zudem preislich lohnen, sich ein Angebot aus dem EU-Ausland einzuholen.

Auch Sanitärbetriebe dürfen bestimmte Aufgaben übernehmen

Vermutlich wird die Zahl der Betriebe, die diese Dienste anbieten, deutlich ansteigen. Denn nun dürfen auch Sanitärbetriebe nach entsprechender Schulung einzelne Leistungen übernehmen. Wer sich unsicher ist, ob der ausgesuchte Betrieb auch tatsächlich für die Arbeiten beauftragt werden darf, kann dies online beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) tun.

Da dort nicht alle Betriebe erfasst sind, kann auch ein Anruf bei der Handwerkskammer helfen. Denn eine der negativen Folgen der Marktöffnung ist der Missbrauch durch falsche Schornsteinfeger. Wie wichtig die Arbeit ist und wie wichtig es ist, einen Profi damit zu beauftragen, zeigen die zahlreichen Brände, die alleine im letzten Winter 10 Menschen das Leben gekostet haben.




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