Mieten | Kampf gegen steigende Mieten Hohe Mietpreise führen zu steigender Nachfrage nach kleineren Wohnungen

30. April 2013 | von
Bauarbeiten in Hamburg Bauarbeiten in Hamburg-Hafencity: Planer von Neubauprojekten berücksichtigen derzeit nur selten das Schaffen von kleineren Wohnungen, obschon die Nachfrage vorhanden ist. Foto: Bernd Sterzl / PIXELIO

Die großstädtische Wohnungsnot nimmt neue Ausmaße an: Während der Trend in den letzten Jahrzehnten in Richtung mehr Quadratmeter pro Person ging, scheint sich die Lage jetzt umzukehren. Angesichts der schnell steigenden Wohnpreise sind mittlerweile viele Mieter bereit, zugunsten einer billigeren Miete auf ein Zimmer zu verzichten. Die Nachfrage nach kleinen Wohnungen in Deutschland steigt – und erneut werden die Menschen bei der Wohnungssuche vor ein neues Problem gestellt: Es gibt nicht nur zu wenig Wohnungen und zu wenig Neubauten, es gibt vor allem zu wenig kleine Wohnungen, und die werden in der Regel bei Neubauprojekten nicht in dem Maße berücksichtigt, wie es eigentlich notwendig wäre. Die Grundrisse werden immer großzügiger, um dem Bedarf der Bewohner nach großen Flächen und einem ansprechenden Platzangebot nachzukommen.

Mietkosten steigen unverhältnismäßig schnell

Betrug die durchschnittliche Wohnfläche in den 70er Jahren noch etwa 36 Quadratmeter pro Person, sind es heute bereits 45,3 m². Bei einem 2-Personen-Haushalt wären dies bereits 90 Quadratmeter. Bei den aktuellen Preisen für Neuvermietungen in den Großstädten käme das einer Kaltmiete zwischen 900 und 1440 Euro gleich, bei Quadratmeterpreisen zwischen 10 und 16 Euro. Doch zahlreiche Menschen sind gar nicht in der Lage, soviel von ihrem Einkommen für die Miete auszugeben. Die Wohnkosten sind nämlich vielerorts deutlich stärker angestiegen als die Einkommen: seit 2007 in Berlin um glatte 37 Prozent, in Hamburg um 26 Prozent und in München um 18 Prozent. Bei den begehrtesten Stadtteilen haben sich die Preise im bundesweiten Schnitt einander angenähert, in fast allen Großstädten liegen die Spitzenpreise bei etwa 18 Euro pro Quadratmeter.

Immer mehr Menschen wollen umziehen und sich verkleinern

Angesichts dieser Tatsache ist es also kaum verwunderlich, dass der Andrang auf kleinere Ein- bis Zweizimmerwohnungen rasant zunimmt. Selbst Einzimmerappartements, die früher häufig als Studentenbuden galten, werden mittlerweile bevorzugt von Alleinlebenden beansprucht, ohne dass sie zu den Geringverdienern zählen. Sie konkurrieren dadurch mit Menschen, die finanziell schlechter dastehen, wie etwa Studenten oder Rentner. Diese wiederum können sich dann nicht mehr durchsetzen, weil ihre Einkommensverhältnisse nicht so gut sind wie die von alleinlebenden Singles. Die hohen Wohnpreise haben somit erste Auswirkungen auf die Nachfrage auf dem Mietwohnungsmarkt und auf die Wohnungssuche selbst. Der Andrang auf kleinere Wohnungen nimmt dramatisch zu, während Besichtigungen für 4- oder 5-Zimmer-Wohnungen schlechter besucht sind. Selbst in gehobenen Wohnlagen wie der Hafencity in Hamburg haben es Makler mittlerweile schwer, eine 150 Quadratmeter große Wohnungen zu vermitteln. Sogar Menschen mit überdurchschnittlich hohen Einkommen sind von den hohen Mietpreisen betroffen und erwägen immer öfter einen Umzug. Somit ist die Wohnungsnot längst auch die Mittelschicht erreicht.

Trend zum „Münchner Grundriss“

Die steigende Nachfrage nach kleinen Wohnungen ist inzwischen auch bei Eigentümern und Bauplanern angekommen. Immer mehr berücksichtigen bei Neubauprojekten den Bau von 1-2 Zimmer-Wohnungen. Da die bayrische Hauptstadt bereits seit Jahren als Spitzenreiter in Sachen Mietpreissteigerungen gilt, haben Architekten hier bereits früher als in anderen Städten damit begonnen, auch kleinere Wohnungen zu schaffen. Der Trend zum Einplanen von kleinen Wohneinheiten bei Mehrfamilienhäusern wird auch als „Münchner Grundriss“ bezeichnet.

Experten uneins über zukünftige Entwicklung

Von diesem Trend wissen auch Investoren und setzen vermehrt auf das Errichten kleinerer Wohneinheiten. Wie lange dieser Trend anhalten wird, darüber sind sich die Experten derzeit noch uneinig. Wenn das Angebot erweitert wird und genügend kleine Wohnungen vorhanden sind, werde der Preisanstieg begrenzt und die Nachfrage nach größeren Wohnungen soll wieder steigen, so Günter Vornholz, Professor für Immobilienökonomie, in einem Medienbericht. Anderer Meinung ist der Immobilienökonom Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Er sieht eine Nachfrage nach kleinen Grundrissen nicht nur als Folge der hohen Wohnkosten, sondern auch als Resultat der wachsenden Einwohnerzahl in Ballungszentren. Da gar nicht genügend Wohnfläche errichtet werden könne, als zwangsläufig benötigt wird, müssten die Grundrisse sich anpassen. Dieser Trend ist übrigens nicht nur in Deutschland zu beobachten, sondern gilt als weltweites Phänomen. Am deutlichsten wird dies in Japan, wo Wohnungen nicht größer als 40 bis 50 Quadratmeter sind.




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