Solarenergie | Solarbranche in der Krise Solarindustrie: EU beschließt Strafzölle gegen China

10. Mai 2013 | von
Produktion Solarmodule Obwohl es noch nicht offiziell bestätigt ist, hat sich die EU zu Strafzöllen gegen chinesische Hersteller entschieden. Foto: BSW-Solar/aleo

Dass die heimische Solarindustrie in der Krise steckt, ist längst kein Geheimnis mehr. Unzählige Firmenpleiten stehen für die derzeitigen Probleme der Industrie. Einzige Hoffnung vieler Betroffener: Import-Strafzölle gegen chinesische Dumpingpreis-Module.

Nachdem schon seit Längerem Maßnahmen gegen chinesische Hersteller von Solaranlagen gefordert werden, hat die EU nun reagiert und Schutzzölle abgesegnet. Die Zölle sollen voraussichtlich ab dem 6. Juni in Kraft treten und etwa 47 Prozent betragen. Im vergangenen Jahr beschwerte sich insbesondere Solarworld über die billige Konkurrenz und leitete dadurch eine Untersuchung der EU-Kommission ein. Hierbei handelt es sich um das größte Anti-Subventionsverfahren seitens der EU, allerdings ist der Beschluss derzeit noch nicht offiziell bestätigt. Im Dezember, wenn die Anti-Dumping-Untersuchung der EU definitiv beendet ist, soll die Lage nochmals geprüft werden. Um derweil weitere Insolvenzen zu verhindern, ist nun bereits im Juni eine entsprechende Verordnung verabschiedet worden. Chinesische Hersteller von Photovoltaik-Modulen stehen in der Kritik, durch staatliche Unterstützung deutlich niedrigere Preise anbieten zu können als die weltweite Konkurrenz. Das sorgt für eine Schieflage auf dem Markt, die für zahlreiche Insolvenzen deutscher Solarfirmen verantwortlich gemacht wird. In den letzten Jahren hat das Land bei der Produktion von Solarpanels stark aufgeholt und ist mittlerweile zum weltweit größten Hersteller aufgestiegen. Das Problem ist allerdings, dass die Produktion derzeit so hoch ist, dass die Nachfrage hinterherhinkt. Dadurch werden die günstigeren Preise, die durch hohe staatliche Subventionen entstehen, zu einem großen Problem für deutsche und europäische Produzenten. Mit den Strafzöllen will die EU nun China unter Druck setzen, damit der internationale Wettbewerb nicht durch unzulässige Kredite verzerrt wird und sich China kein Monopol im Solarsektor aufbauen kann.

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Handelskrieg mit China als Folge?

Experten befürchten, dass die Strafzölle zu Unstimmigkeiten mit China führen könnten. Hiervon wären insbesondere deutsche Hersteller betroffen, deren Hauptabsatzmarkt in China liegt. Zuvor hatte die EU China bereits mehrfach gewarnt und zu fairen Marktbedingungen ermahnt. Dabei befindet sich die EU in einem großen Dilemma: Zwar wollen sie einerseits gegen die unfairen Praktiken Chinas vorgehen, andererseits ist China aber auch ein wichtiger Handelspartner, der nicht verärgert werden soll. Vor allem der chinesische Absatzmarkt ist für zahlreiche Unternehmen von großer Bedeutung: Viele mittelständische Firmen beliefern chinesischer Solarmodule-Hersteller. Auch andere Reaktionen in wirtschaftlichen Bereichen sind vorstellbar. Laut einer Rechnung der Allianz für bezahlbare Solarenergie (AFASE), die rund 450 an der Herstellung beteiligten Unternehmen vertritt, seien alleine in Deutschland gut 80.000 Arbeitsplätze bedroht.

Strukturelle Probleme der Solarindustrie bleiben bestehen

Unter Leitung des Solarworld-Chefs Frank Asbeck hatte bereits die US-Regierung Strafzölle von bis zu 250 Prozent gegen chinesischer Hersteller eingeführt. Dort ist anschließend weder der Markt für Solaranlagen zusammengebrochen, noch ist zu Preisanstiegen gekommen. Die installierte Leistung ist 2012 sogar um 76 Prozent gestiegen. Doch auch Solarworld ist trotz Strafzöllen in Gefahr: Falls die Gläubiger dem geplanten Schuldenschnitt nicht zustimmen, wird die Insolvenz kaum noch abzuwehren sein. Im Allgemeinen steht die europäische Solarindustrie weiterhin vor dem Problem, dass sie ihr Geschäftsmodell überdenken und produktiver arbeiten müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Hier werden die Strafzölle gegen China nur geringfügig helfen, denn Zölle gehen nicht gegen strukturelle Probleme einer ganzen Branche vor.

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