Mieten | Wohnungsmangel in Berlin SPD zu Besuch in Österreich: Was Berlin von Wiener Wohnen lernen kann

13. Mai 2013 | von
Gemeindewohnung Wien Gemeindewohnungen in Wien (Karl-Marx-Hof): In Wien werden etwa 60 Prozent der Mietwohnungen von Wiener Wohnen gefördert, der größten Wohnungsverwaltung Europas. Foto: weisserstier / flickr.com / CC BY-NC-ND 2.0

Vor wenigen Tagen fand in Wien ein Treffen des SPD-Fraktionschef Raed Saleh und Landeschefs Jan Stöß mit SPÖ-Politikern statt. Hintergrund der Reise war die Wiener Wohnungspolitik und die öffentliche Daseinsvorsorge, von denen sich die SPD einige Sachen in puncto günstiger Wohnungsbau abzuschauen erhofft.

Wien ist nicht nur eine sozialdemokratische Hochburg, sondern besitzt auch einen sehr hohen Anteil an Mietern und an Gemeindewohnungen. Mehr als drei Viertel der Wohneinheiten bestehen aus Mietwohnungen, während über die Hälfte davon von der Stadt Wien finanziert oder gefördert wird. Wien hat also einen ebenso hohen Anteil an Mietern wie Berlin – aber deutlich mehr Wohnungen im Bereich des sozialen Wohnungsbaus. In Berlin sind nur noch 16,4 Prozent der Mietwohnungen in der Hand städtischer Wohnungsbaugesellschaften.

Das mag alles damit zu tun haben, dass Wohnungsbau in Wien als kommunale Aufgabe empfunden wird und die Stadt dieser Pflicht auch nachkommt. Der SPD-Landesvorsitzende Jan Stöß sieht sich deswegen darin bestätigt, die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften zu mehr Expansion zu verpflichten. Einziges Manko: Wien hat deutlich mehr finanzielle Spielräume als Berlin. Wollen Berliner SPD und CDU einen Förderfonds erstellen und die Wohnungsgesellschaften mit etwas mehr als einer Milliarde Euro innerhalb von 5 Jahren unterstützen, kann das halb so große Wien dieselbe Summe binnen eines Jahres ausgeben.

Wien als guter Vergleich zu Berlin

Die österreichische Hauptstadt hat in den vergangenen Jahrzehnten eine große Anzahl an Neubauten finanziell gefördert und kann dadurch günstiger bauen als etwa Berlin. Zum Vergleich: In Wien wird Wohnraum mit gut 1.600 Euro pro Quadratmeter errichtet, während in Berlin der Quadratmeter etwa 2.200 Euro kostet. Der Direktor von Wiener Wohnen, der größten Wohnungsverwaltung Europas, will sogar unter 1.500 Euro pro Quadratmeter kommen. Gemeindewohnungen kosten in Wien deswegen im Schnitt 3 Euro kalt, Genossenschaftswohnungen knapp 5 Euro kalt.

QUELLE: Statistik Die Aufteilung der Wohnungseigentümer in Wien

Die Aufteilung der Gebäudeeigentümer in Wien. Daten: Austria, Mikrozensus 2011

Besonders in der Metropole Berlin, wo derzeit sowohl im Bereich Neubau als auch im Bereich städtischer bzw. sozialer Wohnungsbau wenig passiert, tut die Einwohnerentwicklung ihr Übriges, um die Lage auf dem Mietwohnungsmarkt immer mehr zu verschlimmern. SPD und CDU arbeiten momentan an einem Plan, um Neubauten zu subventionieren und die Mieten günstiger zu gestalten. Der Besuch in Wien könne also durchaus dazu führen, dass einige Punkte Eingang in die Berliner Wohnbaupläne erhalten.

Wien investiert mehr in geförderten Wohnungsbau

Wie in Berlin steigen auch in den begehrten Wiener Wohnlagen die Preise. Dies sei aber nur bei Neuvermietungen im privaten Segment der Fall, betont der Baustadtrat Michael Ludwig. Neuvermietungen kommunaler Wohnungen liegen derzeit bei etwa sieben Euro. Einziehen kann dort nach einer anderthalbjährigen Wartezeit jeder, der unter 42.000 Euro netto verdient – eine recht hohe Grenze, die die Entstehung von Sozialghettos verhindern soll.

QUELLE: Statistik Die Aufteilung der Wohnungseigentümer in Wien.

Die Aufteilung der Gebäudeeigentümer in Wien. QUELLE: Statistik Austria, Mikrozensus 2011

Die Reise der SPD nach Wien gilt auch als Symbol für die hohe Bedeutung der Wohnungspolitik, nicht zuletzt im Hinblick auf den bevorstehenden Wahlkampf und die steigende Unzufriedenheit von Deutschlands Mietern. Besonders in Berlin, wo der SPD-Bausenator Michael Müller noch immer kein tragbares Wohnungsbaukonzept vorweisen kann, besteht dringender Handlungsbedarf. Zwar ist die Lage in Wien nicht eins zu eins auf Berlin übertragbar, dennoch wird deutlich, dass es durchaus möglich ist, günstigen Wohnraum zu schaffen, ohne auf Qualität verzichten zu müssen.




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