Nebenkosten | Neue Studie: Wohnen in der Innenstadt teilweise günstiger als im Umland Berlin: Innenstadtlage nicht zwingend teurer als Wohnen am Stadtrand

27. Mai 2013 | von
Straßenbahn Prenzlauer Allee Wer gut an die öffentlichen Verkehrsmittel angeschlossen ist, wohnt in der Regel günstiger. Foto: bindonlane / flickr.com / CC BY-NC 2.0

Bei den steigenden Mieten denken immer mehr Menschen darüber nach, die vermeintlich teure City-Wohnung durch eine günstigere Wohnung in der Randlage auszutauschen. Doch Vorsicht: Wer hauptsächlich aus finanziellen Gründen umziehen will, sollte die höheren Mobilitätskosten unbedingt mit einberechnen.

Vor wenigen Tagen veröffentlichte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt eine in Auftrag gegebene Studie zu den Wohn- und Mobilitätskosten der privaten Haushalte in der Stadt und im Umland. Das Ergebnis überrascht: Nicht etwa das Wohnen in der Innenstadt ist am kostspieligsten, sondern oftmals das Wohnen in der vermeintlich günstigen Randlage. Werden nämlich die Mobilitätskosten (Besitz und Nutzung des Pkw oder ÖPNV-Fahrkarten) mit den günstigeren Wohnkosten gegengerechnet, sind die Ergebnisse oft ähnliche. So können Wohnungen mit deutlich günstigeren Miet- oder Kaufpreisen am Ende teurer werden als das Wohnen in der City.

Auto als größter Preistreiber

Hauptgrund für die hohen Mobilitätskosten ist die Tatsache, dass deutlich mehr Menschen im Umland ein Auto besitzen. Neben den Anschaffungskosten kommen vor allem die Wartungs- und Benzinkosten hinzu, die die günstigeren Mieten wieder wettmachen. Sparen können Bewohner vor allem dann, wenn sie nicht direkt in der Innenstadt wohnen, aber gut an die öffentlichen Verkehrsmittel angebunden sind und deswegen kein Auto benötigen – also innerhalb des S-Bahnringes, entlang der Stadtbahn oder in U-Bahn-Nähe.

Laut einer Rechnung des Stadtplanungsbüros Gertz Gutsche Rübenapp, das die Studie erstellte, würde eine Familie plus Kind mit einem Einkommen zwischen 2.000 und 2.600 Euro in der Stadt günstiger Wohnen als im Umland. Die Kosten für ein Auto sind mit Kosten von 300 bis 600 Euro monatlich berechnet worden. Zum Vergleich: Die Monatskarte der BVG kostet derzeit 77 Euro, im Jahresabo ist sie sogar noch günstiger. Außerdem sollten Arbeitnehmer prüfen, inwiefern sich steuerliche Vorteile ergeben, da die Fahrtkosten teilweise steuerlich absetzbar sind.

Staatssekretär Ephraim Gothe, der die Studie gemeinsam mit einem Kollegen vorstelle, betonte außerdem, dass Wohnen in der Stadt insgesamt sozial und bezahlbar sei. Besonders die verbesserten Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe kämen beim Leben in der City zum Tragen. Deshalb werde bei Neubauprojekten große Rücksicht auf U- und S-Bahnanschluss genommen, so Gothe.

Haushalte informieren und Mobilität verbessern

Die Senatsverwaltung will das Wohnen in der wachsenden Metropole mit einem ganzen Maßnahmenbündel unterstützen. Die Ergebnisse der Studie sollen etwa in Form eines Kostenrechners nutzbar gemacht werden. Damit könnte jeder Haushalt auf der Internetseite der Senatsverwaltung die Kosten berechnen und erhält so Informationen darüber, ob sich ein Umzug finanziell lohnen würde oder nicht. Die Umsetzung des Kostenrechners ist für das kommende Jahr geplant.

Um die Attraktivität Berlin zu erhalten und eine bessere Anbindung für alle Bewohner zu ermöglichen, wurde bereits vor zwei Jahren der Stadtentwicklungsplan „Verkehr“ verabschiedet, der eine Stärkung des Umweltverbunds (Fuß, Rad und ÖV) beabsichtigt. Die hohe Qualität des öffentlichen Nahverkehrs soll erhalten bleiben, um die Stadt auch langfristig für Leute, die weiter außerhalb wohnen, attraktiv zu machen. Vor allem lassen sich die Wohnkosten durch ein gut ausgebautes Verkehrsnetz deutlich reduzieren, so dass ein Ausbau der Verkehrswege am Ende für alle billiger wird.




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