Solarenergie | Ausbau der erneuerbaren Energien Neue Studie: Standortwahl irrelevant beim Ausbau der erneuerbaren Energien

29. Mai 2013 | von

Ob Photovoltaik- und Windkraftanlagen dort errichtet werden, wo der Strom gebraucht wird, oder weiter weg, wo die Stromerzeugung unter günstigeren Bedingungen stattfinden kann, ist einer Studie zufolge unter finanziellen Aspekten nicht relevant. Damit hat die Politik mehr Spielraum, um die Standorte für geeignete Projekte für erneuerbare Energien auszuwählen.

Ob Anlagen nun regional verteilt errichtet werden, oder sich alle an einem Punkt konzentrieren, ist unter Kostenaspekten egal – denn beide Möglichkeiten bieten sowohl Vor- als auch Nachteile, wie eine aktuelle Studie renommierter Wissenschaftler im Auftrag von Agora Energiewende belegt.

Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Standortmöglichkeiten

Bei einer regionalen Verteilung werden die besonderen Stromherstellungsbedingungen untersucht, um herauszufinden, wo diese besonders günstig sind. Für Windkraftanlagen ist dies in der Regel im Norden Deutschlands der Fall, Photovoltaikanlagen hingegen werden meistens im Süden aufgestellt, wo die Anzahl der Sonnenstunden höher liegt. Einziger negativer Punkt: Da die Produktion zum Teil so hoch ist, dass sie gar nicht mehr ins Netz eingespeist werden kann, müssen die Anlagen gedrosselt werden – und dies wiederrum verursacht zusätzliche Kosten.

Werden die Anlagen allerdings dort errichtet, wo der Strom auch direkt verbraucht werden kann, muss eine Drosselung nur sehr selten vorgenommen werden. In der Regel kann also der gesamte Strom eingespeist werden. Allerdings müssen bei dieser Variante insgesamt mehr Anlagen errichtet werden, da sie weniger effektiv sind als an günstigeren Standorten.

Zwar sind die Kostenunterschiede bei beiden Szenarien relativ gering, insgesamt gäbe es aber eine leichte Tendenz dazu, die besten Standorte für den Ausbau auszuwählen, anstatt sich auf verbrauchernahe Produktion zu konzentrieren, wie Christoph Maurer, Mitautor der Studie, erklärt.

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Speicher derzeit keine wirkliche Alternative

Stromspeicher waren lange Zeit die heimliche Hoffnung vieler Wissenschaftler, doch ihr Sinn ist umstritten. Erst kürzlich hat die Bundesregierung eine Förderung der Stromspeicher beschlossen, um die Netze zu entlasten und den Anteil erneuerbarer Energien zu erhöhen. Diese haben nämlich das Problem, dass sie Strom vor allem dann herstellen, wenn er beispielsweise in Privathaushalten weniger gebraucht wird – Speicherlösungen werden daher dringend benötigt. Die Studie belegt nun, dass der Ausbau von Stromspeichern sich erst in 20 Jahren lohnen könnte – allerdings auch nur, wenn die Preise bis dahin um mindestens 80 Prozent gefallen sind. Kosten die Speicher heute ca. 11.000 Euro, dürften sie im Jahr 2033 nur noch 2.000 Euro kosten. Ob dies tatsächlich möglich wäre, ist unklar. Im Hinblick auf die Sicherheit der Stromversorgung gäbe es aber keine Bedenken: Sogar bei der fünffachen Leistung von heute könne das System bedenkenlos arbeiten.

Netzausbau langfristig sinnvoll

Die Studie kam außerdem zu dem Ergebnis, dass ein Netzausbau auf lange Sicht erstrebenswert ist. Er lohnt sich unabhängig davon, wo die neuen Anlagen errichtet werden. Allerdings sei der Ausbau der erneuerbaren Energien nicht auf den Netzausbau angewiesen, wie häufig angenommen wird. Zwar entstehen Mehrkosten durch eine Drosselung der Anlagen, diese würden aber durch die verzögerte Investitionstätigkeit wieder aufgefangen werden, so die Studie. Insgesamt sein ein verzögerter Netzausbau bis 2023 nicht kritisch.



Hohes Einsparpotenzial vorhanden

Weiterhin fand die Studie heraus, dass die Bundesregierung jährlich beim Ausbau der erneuerbaren Energien bis zu 2,5 Milliarden Euro einsparen könnte. Hierfür sollten insbesondere mehr Windkraftanlagen an Land gebaut werden statt auf See, da die Investitionskosten deutlich niedriger ausfallen. Außerdem sollte der Ausbau der Offshore-Windkraft nicht zu schnell vorangetrieben werden, um weiterhin im Bereich der Technologie- und Industrieentwicklung Anreize zu bieten und die Kosten zu reduzieren.




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