Energie | Strompreise Strompreise bleiben Dauerthema

3. Juni 2013 | von
Steckdose Steigende Strompreise bleiben ein Dauerbrenner-Thema. Verbraucher können dennoch Geld sparen - mit einem Anbieterwechsel. Foto: Alexander Klaus / PIXELIO

Strom aus Photovoltaik und Windkraft ist auf dem Vormarsch und die Erzeugungskosten sinken – und dennoch steigen in Deutschland die Strompreise kontinuierlich an. Nach dem Scheitern der Strompreisbremse scheint sich dieser Trend nun fortzusetzen. Doch woran liegt dies – und was tut die Politik dagegen? Da die Kosten für die Erzeugung in den letzten Jahren kaum gestiegen sind, beruht der Anstieg des Strompreises vor allem auf der Erhöhung von Steuern, Abgaben und Umlagen. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Kosten für Erzeugung, Transport und Vertrieb in diesem Jahr bisher sogar leicht gesunken und haben das Niveau von 2009 erreicht, während der Strompreis im Schnitt um 2,61 Cent auf 28,5 ct/kWh gestiegen ist.

Anteil der Steuern steigt beim Strompreis

Dabei sind weder die Stromsteuer noch die Konzessionsabgabe erhöht worden, allerdings ist der Mehrwertsteuer-Anteil mit einem Anstieg von ca. 10 Prozent auf 4,55 ct/kWh stark gestiegen – 2006 lag sie nur bei 2,68 Cent. Außerdem fallen die Kosten für sonstige Posten höher aus als üblich, insbesondere die Umlage gemäß §19 der Stromnetzentgeltverordnung. Dadurch werden nämlich Unternehmen, die einen großen Strombedarf haben, von den Netzentgelten ganz oder teilweise befreit, um auf dem Markt konkurrenzfähig zu bleiben. Seit der Einführung 2012 haben sich die Kosten für diese Umlage verdoppelt. Außerdem wurde mit der Einführung der Offshore-Haftungsumlage in diesem Jahr ein Zusatzposten geschaffen, der aktuell bei 0,25 ct/kWh liegt. Insgesamt sind die Steuern und Abgaben binnen eines Jahres von 11,72 ct/kWH auf 14,37 ct/kWh gestiegen – der stärkste Anstieg in der Geschichte. Üblich wäre ein Anstieg von weniger als 1 Cent pro Jahr, stattdessen wurden die Steuern und Abgaben 2013 insgesamt um 2,65 ct/kWh erhöht – ein Anstieg von ca. 22 Prozent.

Anstieg der EEG-Umlage mitverantwortlich für hohe Strompreise

Der Ausbau der Photovoltaik, wie er im Rahmen der Energiewende gefordert wurde, scheint unter wirtschaftlichen Aspekten nicht rentabel. Um dennoch Anreize für Unternehmen zu schaffen, wurde eine Einspeisevergütung auf 20 Jahre festgelegt. Die Differenz zwischen dem Preis an der Strombörse, der derzeit durch die zu hohe Stromproduktion gedrückt wird, und der gesetzlich geregelten Einspeisevergütung ist die sogenannten EEG-Umlage. Da aber immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien einfließt, steigen auch die Zahlungen für die Einspeisung. Ein Teufelskreis – denn mehr Öko-Strom bedeutet so auch höhere Kosten für den Verbraucher. Hinzu kommt, dass manche Unternehmen von der EEG-Umlage befreit sind, und die Haushalte diesen Anteil übernehmen müssen. Die EEG-Umlage für Privathaushalte liegt derzeit bei 5,277 ct/kWh. Insgesamt soll sie laut Experten bis zum 1. Januar 2014 auf 6-7 ct/kWh ansteigen. Am Ende zahlt der Verbraucher durch die EEG-Umlage, die ist seit 2010 sogar um mehr als das Doppelte gestiegen ist und mittlerweile etwa 19 Prozent des gesamten Strompreises ausmacht, kräftig drauf. Paare ohne Kinder zahlen derzeit bereits im Schnitt knapp 10 Euro pro Monat für die Energiewende, 2011 waren es nur 6,47 Euro. Ein Preisvergleich der unterschiedlichen Stromanbieter, zu dem sogar das Bundeskartellamt rät, kann allerdings helfen, die Stromkosten auf ein Minimum zu reduzieren. Seiten wie guenstiger-strom.net können dem Verbraucher hier weiterhelfen.

Befreiung von stromintensiven Unternehmen und Kritik der EU

Energieintensive Unternehmen können sich bei einem Verbrauch ab 1 GWh pro Jahr von der Zahlung der EEG-Umlage befreien lassen. Bis 2012 lag die Grenze noch bei 10 GWh – was die Anträge auf Befreiung der Umlage enorm steigen lies. Waren vor wenigen Monaten nur knapp 1.000 Unternehmen befreit, sind es nun bereits 2.245. Bis Ende 2013 könnte die Zahl auf etwa 3.000 ansteigen. Insgesamt entfallen auf diese Unternehmen derzeit 16 Prozent des gesamten Strombedarfs der Industrie. Doch nicht nur in Deutschland wächst die Kritik an dieser Regelung: Die EU-Kommission denkt derzeit über ein Verbot der Strompreisrabatte nach. Auch hier stieg die Zahl der geförderten Unternehmen dramatisch an: Waren 2011 nur 1.600 Unternehmen betroffen, hatte sich die Zahl 2012 mit 3.400 Unternehmen bereits mehr als verdoppelt. Im schlimmsten Fall wirkt das Verbot auch rückwirkend, da es als unerlaubte Beihilfe für die Industrie gezählt werden kann. Im März 2013 ist das entsprechende Verfahren eingeleitet worden, das Ergebnis bleibt abzuwarten.

Was kommt nach dem Scheitern der Strompreisbremse?

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hatte ursprünglich geplant, mit der Strompreisbremse die stark gestiegenen Kosten für Privataushalte einzudämmen. Die Strompreisbremse sollte das Niveau der EEG-Umlage einfrieren, damit die Verbraucher nicht noch mehr für die Energiewende zahlen müssen. Außerdem sollte die Industrie stärker beteiligt werden. Doch daraus wurde nichts – Bund und Länder konnten keinen Konsens erzielen. Folglich müssen die Verbraucher weiterhin mit stark steigenden Strompreisen rechnen. Auch wenn sich mithilfe von Stromvergleichen, wie etwa guenstiger-strom.net, Hunderte Euro einsparen lassen – vor steigenden Preisen wird sich auf Dauer kein Verbraucher schützen können. Manche Bundestagsfraktion unterbreiteten derweil den Vorschlag, die Mehrwertsteuer für Strom zu senken. Zusammen mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft plant Altmaier einen erneuten Vorstoß der Strompreisbremse. Außerdem könnte eine Änderung der Privilegien für Großunternehmen zu einer gerechteren Verteilung und einem Sinken der Endverbraucherpreise führen. Dass die derzeitige Situation für die Verbraucher nicht länger tragbar ist, darüber sind sich alle Bundestagsfraktionen einig. Daher wird eine grundlegende Umstrukturierung der EEG-Umlage ausdrücklich befürwortet.

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