Immobilienmarkt | Wohnungsprivatisierung Wohnungsprivatisierung – ein heikles Thema

17. Juni 2013 | von
Fassaden eines Fischerdorfes Wohnungsprivatisierung – ein heikles Thema. Foto: Rainer Sturm / PIXELIO

Führt Wohnungsprivatisierung zum Wohnungsmangel? Dieter Schwahn, Geschäftsführer der Südwert, ist nicht dieser Ansicht, denn die monatliche Belastung durch den Kauf der Wohnung sei nur gering teurer. Aber die zusätzlichen Kosten die auf den Eigentümer zukommen, sind nicht zu unterschätzen.

Durch Privatisierungen wechseln jährlich 10.000 Wohnungen ihre Eigentümer. Für viele Menschen mit einem geringeren Einkommen ist die Wohnungsprivatisierung die einzige Möglichkeit günstig Eigentum zu erwerben, sagt Dieter Schwahn, Geschäftsführer der Südwert Wohnungsprivatisierungsgesellschaft mbH. Im Zentrum der Südwert stehen ältere Mietwohnungen, die von öffentlichen oder privaten Eigentümern nicht wirtschaftlich betrieben werden wollen. Die Südwert, wozu die LBBW und der Beigthiemer Wohnbau gehören, kaufen die Gebäude auf und führen meist eine energetische Sanierung durch. Den Mietern wird anschließend ein Angebot zu Vorzugspreisen gemacht, das sich auf dem Niveau der bisherigen Mieten finanzieren lässt, so Schwahn. Dementsprechend achten sie konsequent darauf, dass die monatliche Belastung nur gering höher ist als die bisher gezahlte Miete.

Verteilung der Privatisierung

Rund 30 Prozent der Mieter kaufen ihre Mietwohnungen, deshalb sollte der Eigentumskapitalanteil auch mindestens bei zehn Prozent des Kaufpreises liegen, empfiehlt Schwahn. Zehn Prozent der Mietwohnungen werden von Verwandten und Bekannten der Mieter gekauft, so die Statistik der Südwert. 20 Prozent der Mietwohnungen kaufen Menschen aus der näheren Umgebung. Aber auch private Kapitalanleger kaufen Eigentumswohnungen, diese machen einen Anteil von 40 Prozent aus. Bei der Wohnungsprivatisierung haben Mieter einen besonders hohen Kündigungsschutz, denn erst nach einer Sperrfrist von drei Jahren darf dem Mieter wegen Eigenbedarf oder angemessener wirtschaftlier Verwendung gekündigt werden. In Gebieten wo Wohnungsmangel herrscht, darf die Frist auf bis zu zehn Jahren erhöht werden.

Der Mietverein Stuttgart sieht der Wohnungsprivatisierung mit gemischten Gefühlen entgegen, denn oft unterschätzen die Mieter das Zinsrisiko und die Instandhaltungskosten, sagt die Geschäftsführerin Angelika Brautmeier. Das Problem das durch Wohnungsprivatisierung entsteht sei, dass Sozialwohnungen bislang einer Mietpreisbindung unterlagen, das aber nun durch Eigentumswohnungen nicht mehr gesichert werden kann. Auf diese Weise werden dem Wohnungsmarkt die Sozialwohnungen entzogen, was zu einem Wohnungsmangel für Menschen mit einem niedrigen Einkommen führt.

Tipps und Empfehlungen

Wenn nun kein anderer Ausweg mehr bleibt als der Auszug, aufgrund von Wohnungsprivatisierung, muss schnellstmöglich eine neue Wohnung gefunden werden. Sofern Sie mit der Hilfe eines Maklers nach einer Immobilie suchen, ist Vorsicht geboten, denn nicht jeder Makler hat das Beste für seinen Klienten im Auge, wie auch heute erst die Welt berichtete. In Deutschland müssen Makler keine besonderen Qualifikationen vorweisen, es genügt, wenn sie eine behördliche Lizenz des Gewerbeamtes vorzeigen können. Deswegen sollte auf bestimmte Aussagen und Formulierungen geachtet werden. Wenn es beispielsweise mehrere Angebote zu einer Wohnung gibt, könnte es Anlass zur Skepsis sein. Bitte nehmen Sie zur Kenntnis: Sobald mehrere Menschen bei der Besichtigung sind, kann es sein, dass der Makler Druck aufbauen möchte und die Mieter zu Kompromissen drängen will. Lassen Sie sich nicht verunsichern, der Makler hat nur Recht auf eine Provision wenn er es vorher ausdrücklich gesagt hat. „Der Makler darf die Provision nicht nachträglich verlangen“, sagt Mietrechtler Alexander Bredereck. Achten Sie stets darauf, dass der Makler als neutraler Vermittler zwischen Mieter und Vermieter steht. Dann kommt Ihnen und einer erfolgreichen Immobiliensuche nichts mehr in den Weg.




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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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