Altersgerechte Wohnungen bleiben Mangelware

17. Juli 2013 | von
Barrierefreies Bad Altersgerechter Wohnraum fehlt in Deutschland. Foto: Rainer Sturm / pixelio.d

Der Wohnungsmarkt in Deutschland ist auf den demografischen Wandel nicht vorbereitet, es fehlen Millionen altersgerechter Wohnungen. Für Rentner könnten auch steigende Mieten zu einem echten Problem werden.

Die Nachfrage nach barrierefreiem Wohnraum wächst, doch der deutsche Wohnungsmarkt ist auf Situation nur unzureichend vorbereitet. Laut der Studie „Wohnen 65plus“ des Pestel-Instituts fehlen 2,5 Mio. altersgerechte Wohnungen.

Auf Grundlage der aktuellen Zensus-Zahlen haben die Wissenschaftler des Pestel-Instituts eine Prognose für die Bevölkerungsentwicklung erstellt. Den Berechnungen zufolge werden im Jahr 2035 circa 24 Millionen Menschen älter als 65 Jahren sein werden, insgesamt 40 Prozent mehr als heute. Daraus resultiert ein entsprechend großer Bedarf an altersgerechten Wohnraum sein, der auch Pflegebedürftigen gerecht wird. Dazu gehören beispielsweise barrierefreie Wohnungen mit breiten Türen ohne Schwellen, Treppenliften oder ebenerdigen Duschen, aber auch Wohnungen mit kleinerer Wohnfläche.

Zahl der Pflegebedürftigen wächst rasant

Bis zum Jahr 2035 wird die Zahl derer, die auf fremde Hilfe angewiesen sind, laut Pestel-Institut auf bis zu 3,5 Millionen ansteigen. Vier Millionen Pflegebedürftige werden 2050 erwartet. Damit explodieren die Ausgaben im Pflegebereich. Die Wissenschaftler schätzen die Pflegekosten auf circa 25,4 Milliarden Euro im Jahr 2035 ein. Ein „seniorengerechter Wohnungsmarkt“ bietet nach Ansicht des Deutschen Mieterbunds (DMB) die Chance, diese Kosten durch selbstständiges Wohnen und ambulante Pflege entscheidend zu reduzieren.

Dafür sind in den nächsten Jahren allerdings circa 2,5 Millionen zusätzliche Senioren-Wohnungen notwendig. Um gegen den sozialen Wohnungsnotstand anzukämpfen, sind nach Ansicht der Wissenschaftler Investitionen von 39 Milliarden Euro nötig. Laut den Experten wird es höchste Zeit, altersgerechtes Wohnen durch entsprechende Förderungen zu unterstützen. Direkte Bauzuschüsse oder steuerliche Abschreibungen würden demnach eine gute Grundlage bilden.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Altersarmut wird bezahlbarer Wohnraum zur obersten Priorität. Circa drei Prozent der Senioren sind derzeit auf eine Grundsicherung im Alter angewiesen. Diese Zahl wird der Pestel-Prognose zufolge in den kommenden zwanzig Jahren auf mehr als 25 Prozent ansteigen. Das Dilemma: Weil sich Senioren ihre alte Wohnung nicht mehr leisten könnten, droht ein Umzug. Gleichzeitig fehlen altersgerechte Wohnungen, weshalb die naheliegende Option dann der Umzug in ein Pflegeheim ist. Es droht eine „graue Wohnungsnot“.

Gemeinsam gegen den sozialen „Wohn Abstieg“

Ein Bündnis von Bau-, Mieter-, Architekten- und Sozialverbänden hat sich dem „grauen Wohnungsnotstand“ angenommen. Sie warfen der Bundesregierung vor, altersgerechtes Wohnen in den letzten Jahren vernachlässigt zu haben. Zudem verlangen sie eine jährliche Förderung von 400 bis 500 Millionen, um barrierefreie und altersgerechte Wohnräume für die Senioren zu schaffen. Demnach müssten sowohl die Kommunen als auch die Bundeswehr und die Kirchen mehr Grundstücke günstig für den Bau von Wohnungen bereitstellen. Doch den angestrebten Maßnahmen zum Trotz möchten die meisten Senioren so lange wie nur möglich in ihrem Eigenheim bleiben.




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