Wohnen | Wohnungsmarkt Größeres Armutsrisiko bei zu hohen Mieten

12. August 2013 | von
Gasse mit Straßenbeleuchtung Größeres Armutsrisiko bei zu hohen Mieten. Foto: http://pixabay.com

Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung rutschen in vielen größeren deutschen Städten einkommensschwache Familien wegen zu hoher Mietkosten unter Harz-IV-Niveau. Den Familien bleibt nach Abzug der Miete oftmals weniger als die Grundsicherung.

Einkommensschwache Familien mit Kindern drohen durch die hohen Mieten unter das Hartz-IV-Niveau zu rutschen: Besonders in den Ballungszentren haben die Familien mit dieser Problematik zu kämpfen. Nach Abzug der Miete landen die Familien mit geringem Einkommen oft unterhalb der staatlichen Grundsicherung. Das ergibt eine von der Bertelsmann-Stiftung vorgelegte Studie.

Nach Angaben der Studie, hat eine Familie, die weniger als 60 Prozent des ortsüblichen mittleren Einkommens verdient, in 60 der 100 größten deutschen Städte nach Abzug der Miete im Durchschnitt weniger Geld zur Verfügung als eine Hartz-IV-Familie. Die einkommensschwachen Familien rutschen nach Abzug der Miete unter den Hartz-IV-Regelsatz von 1169 Euro im Monat. Die Studie zeigt, dass die Familien aus der unteren Mittelschicht und oberen Unterschicht in Städten mit angespanntem Wohnungsmarkt finanziell stark unter Druck geraten.

Grundlage dieser Berechnungen:

Eine vierköpfige Familie mit weniger als 60 Prozent des regionalen Durchschnittseinkommens, mit einem Kind bis sieben Jahre und einem Kind zwischen sieben und 14 Jahren bildete die Grundlage.

Allerdings muss laut Studie die Situation in den Städten sehr differenziert betrachtet werden. Einer Familie mit zwei Kindern, die weniger als Prozent des ortsüblichen mittleren Einkommens verdient, bleiben in einer Stadt wie Jena nach Abzug der Miete rechnerisch nur 666 Euro pro Monat. Damit liegt das verfügbare Einkommen 43 Prozent unter der staatlichen Grundsicherung. In Städten wie Frankfurt am Main, Regensburg und Freiburg liegen einkommensschwache Familien nach Zahlung der Miete ebenfalls deutlich unter Hartz-IV-Niveau.

Ein anderes Beispiel bietet Heilbronn. Hier treffen ein entspannter Wohnungsmarkt und ein relativ hohes Durchschnittseinkommen zusammen. In Heilbronn hat eine Familie unter denselben Annahmen monatlich 1941 Euro zur Verfügung. Das sind insgesamt 66 Prozent mehr als die staatliche Grundsicherung. Auch andere Städte haben ein deutlich niedrigeres Armutsrisiko dank der günstigen Mieten. So sind Familien unter denselben Annahmen in Iserlohn, Witten und Bergisch-Gladbach ebenfalls besser gestellt, als Familien in Jena oder Frankfurt am Main.

Die Verteilung des Einkommens

Auch der Anteil der Wohnkosten bezüglich des Einkommens ist in den Städten ebenfalls sehr unterschiedlich. Einkommensschwache Familien geben in Frankfurt, München, Jena und Freiburg durchschnittlich mindestens jeden zweiten Euro für die Miete aus. Hingegen in Städten wie Iserlohn und Witten bleiben 80 Prozent des Familieneinkommens für sonstige Lebensbereiche übrig.

Familien, denen nach Abzug der Miete nicht mehr viel Geld zum Leben bleibt, haben die Chance Wohngeld zu beziehen. Nach Angaben einer Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) erhielten eine dreiviertel Million Haushalte im Jahr 2011 Wohngeld. Für die 770.000 betroffenen Haushalte betrug der durchschnittliche Mietzuschuss 112 Euro im Monat. Dieser deckte damit fast ein Drittel der Bruttokaltmiete ab. Unter den Wohngeldbeziehern waren zumeist Rentner und einkommensschwache Familien mit Kindern.

Auch der Deutsche Miederbund (DMB) meldete sich zu Wort. Er kritisierte, dass die Zahl der Wohngeldempfänger im Vergleich zum Jahr 2010 um zehn Prozent gesunken ist. Zudem mahnte er an, dass für einkommensschwächere Haushalte die Belastung durch Wohnkosten mittlerweile auf mehr als 45 Prozent geklettert ist, gleichzeitig aber die Zahl der Empfänger zurückgeht.




Artikel bewerten und teilen:
VN:F [1.9.19_1165]
0

Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
Dieser Beitrag wurde unter Wohnen abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title="" rel=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>