Rechtliches | Heizkostenabrechnung Nebenkosten: Mieter dürfen sich an Werten der Nachbarn orientieren

9. Oktober 2013 | von
Heizung und Thermostat Heizkosten: Mieter können Einblick in den Verbrauch der Nachbarn verlangen. Foto: Lupo / PIXELIO

Sie sorgen seit jeher für Unstimmigkeiten bei Mietern: Heizkosten. Gerade in Mehrfamilienhäusern sind sie mitunter sehr schwer nachvollziehbar – kein Wunder, werden in der Regel nur die eigenen Verbrauchswerte angegeben. In einem aktuellen Urteil wurde nun klargestellt, dass Mieter auf Nachfrage künftig auch die Verbrauchswerte ihrer Nachbarn erfahren dürfen.

Es ist das Recht eines jeden Mieters, zu erfahren, wie viel Heizenergie ihre Nachbarn verbraucht haben – nur auf diese Weise können sie Angaben zum Gesamtverbrauch in der Betriebskostenabrechnung überprüfen. Zu diesem Schluss kam kürzlich laut Medienberichten das Landgericht Berlin. Was dabei den Datenschutz angeht, so muss der Vermieter entsprechende Angaben in den Unterlagen im Zweifelsfall schwärzen.

Heizkostenabrechnung soll transparenter werden

Die Heizkostenabrechnung soll mit Hilfe des neuen Urteils für Mieter in Mehrfamilienhäusern nachvollziehbarer werden. Im vorliegenden Fall hatte sich ein Mieter mit mehreren Einwänden gegen eine für ihn nicht ersichtliche Betriebskostenabrechnung gewehrt. Er forderte dabei, die Höhe der Nachforderung anzweifelnd, unter anderem Auskunft darüber, wie viel Heizenergie die anderen Mieter verbraucht hatten. Diese Informationen wollte der Vermieter ihm nicht zur Verfügung stellen, weshalb der Mieter vor Gericht zog. Das Amtsgericht gab dabei zunächst dem Vermieter recht, während das Landgericht schließlich befand, dass der Vermieter die Einsicht in die Unterlagen gewähren muss. Die Richter begründeten ihren Beschluss mit dem Argument, der Mieter könne nur mit diesem Wissen tatsächlich prüfen, ob Nachforderungen gerechtfertigt sind. So hatte die Berufung Erfolg: Der Mieter muss die Nachforderung nicht in voller Höhe leisten, wenn der Vermieter die Einsicht verweigert.

Wie sich Heizkosten zusammensetzen

Das Thema Heizkosten sorgt zwischen Mietern und Vermietern häufig für Streit – ein wichtiger Punkt ist dabei die Frage nach dem richtigen Verteilerschlüssel. So gilt für die Heizkosten laut Informationen des Deutschen Mieterbundes: Mindestens 50 und höchstens 70 Prozent der Kosten müssen nach Verbrauch abgerechnet werden, weshalb die Wohnungen mit jährlich ablesbaren Zählern ausgerüstet sein müssen. Die restlichen 30 bis 50 Prozent der Heizkosten verteilt der Vermieter in der Regel nach der Wohnfläche. Der konkrete Aufteilungsmaßstab wird dabei einmalig festgelegt und kann nur in Ausnahmefällen, etwa bei energetischen Modernisierungen, geändert werden.




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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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