Immobilienbranche | Milieuschutz Anwohner rebellieren gegen Luxussanierungen

26. Februar 2014 | von
Luxussanierung Luxussanierungen rufen vielerorts Widerstand hervor. Foto: Rainer Sturm / PIXELIO

In Berlin und Frankfurt wehren sich die Mieter gegen Luxuswohnungen und schließen sich in einem Netzwerk gegen Sanierungen zusammen.

In verschiedenen Berliner Bezirken wird versucht, in begehrten Wohnvierteln die alteingesessenen Mieter zu halten und deren Verdrängung sowie die Sanierungen der Wohnhäuser zu verhindern.

In Berlin wird es für Mieter immer schwieriger, bezahlbare Wohnungen in zentralen Gegenden zu finden. In Bezirken wie Schöneberg oder Prenzlauer Berg werden Altbauten teuer saniert, sodass die Mieten für viele alteingesessene Mieter unerschwinglich werden. Nun versuchen die Bewohner durch den Milieuschutz ihre Viertel vor diesem Trend zu schützen. Dieser soll Luxussanierungen und größere Mietpreissteigerungen verhindern, um den Kiez zu erhalten.

Die Flexibilität der Wohneigentümer wird eingeschränkt

Der Begriff Luxus ist dabei nicht weiter definiert. So könnte alles, was übermäßige Mieterhöhungen fördert, nicht genehmigt werden. Hauseigentümer dürfen dann Modernisierungsmaßnahmen wie den Einbau einer zweiten Toilette, einer Einbauküche oder das Verlegen von Parkett nicht umsetzen. Zwei kleine Wohnungen dürfen nicht mehr zu einer größeren Wohnung zusammengelegt werden. Die betroffenen Häuser stammen zumeist aus der Zeit der Jahrhundertwende oder den Nachkriegsjahren.

Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach sanierten Wohnungen mit gehobener Ausstattung. Die Neuvermietungen bringen höhere Mieten ein als die bisherigen. Um die bisherigen Mieter nicht zu verdrängen, wird ein großer Teil der Bevölkerung durch den Milieuschutz das Bleiben ermöglicht. In Berlin Mitte und Charlottenburg sollen weitere Milieuschutz-Gebiete eingerichtet werden, ebenso wie in Tempelhof. Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen begrüßt zwar die Schutzmaßnahmen, wünscht sich jedoch in vielen Fällen mehr Flexibilität.

Milieuschutz als Wahlkampfthema

Ähnliche Erfahrungen machen Mieter auch in Frankfurt am Main machen. In der Bankenmetropole werden immer mehr Luxuswohnungen gebaut, was die alteingesessenen Mieter zunehmend verdrängt. Diese können sich die teuren Mieten für die sanierten Wohnungen nicht leisten. Nun haben sich die Mieter an den Oberbürgermeister der Stadt gewendet. Im Wahlkampf spielte das Thema bezahlbare Mieten eine wichtige Rolle, sodass sich OB Feldmann nun mit den Betroffenen treffen will.

Die Bürgerinitiative gegen die Luxussanierungen erarbeitet Strategien, um die Wohnungen zu erhalten. Mieterhöhungen und Luxussanierungen sollen verhindert werden. Erste Unterschriftensammlungen zeigen, dass viele Mieter aus Angst vor Konsequenzen von Seiten der Vermieter sich nicht dem Widerstand anschließen. Im Stadtrat wird aktuell über die Entwicklung der Stadtviertel diskutiert. Milieuschutz und notwendige Sanierungen müssen in Einklang gebracht werden. So soll auch eine Anlaufstelle für betroffene Mieter eingerichtet werden, in der sie Informationen und Hilfestellung bekommen.




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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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