Rechtliches | Erbrecht Immobilien als Erbe

2. April 2014 | von
Immobilien zur Wertanlage machen. Die Immobilie zur Wertanlage machen - aber Vorsicht: Vor allem Neulinge sollten einige Sachen beachten. Foto: chocolat01 / PIXELIO

In zwei Drittel aller Erbfälle geht es um Immobilien. Ein Testament sorgt bei der Vererbung für Klarheit. Doch auch hier gilt es, einige Besonderheiten zu beachten.

Zu den wichtigsten Rechtsgebieten zählen in Deutschland das Erbrecht, die Vermögens- und Unternehmensnachfolge unter Lebenden, sowie das Erbschaft- und Schenkungsteuerrecht. Doch zahlreiche Bürger sehen diese Thematik immer noch als Tabu an. Andere wiederum haben die Notwendigkeit des Handelns zwar erkannt, lassen sich allerdings nicht fachkundig beraten. Sie werden vermehrt Opfer fehlerhafter rechtlicher Gestaltungen. Folglich drohen familiäre Streitigkeiten und wirtschaftliche Katastrophe, denn nur wenige Personen kennen alle Regeln, die genauen Steuersätze und Freibeträge. Besonders bei der Vererbung einer Immobilie gilt es Einiges zu beachten.

Es ist besonders wichtig, rechtzeitig das Erbe zu planen. Zudem sollten sämtliche Betroffene mit einbezogen werden. Denn gerade wenn es um das Vererben von Immobilien geht, sollte für Transparenz und eine klare Aufteilung des Nachlasses gesorgt werden. Anderenfalls ist nach dem Tod Streit zwischen den Erben vorprogrammiert.

Viele Erben verkaufen die Immobilie

Laut einer Ende vergangenen Jahres veröffentlichten, repräsentativen Studie der Allianz werden in mehr als der Hälfte der Fälle (56 Prozent) Einfamilienhäuser vermacht, gefolgt von Mehrfamilienhäusern (22 Prozent) und Eigentumswohnungen (15 Prozent). Allerdings macht nur etwa jeder Vierte (27 Prozent) die geerbte Immobilie zu seinem Eigenheim. Vier von zehn Erben (40 Prozent) verkaufen die Immobilie, 15 Prozent entscheiden sich für eine Vermietung.

Oftmals fallen auch Renovierungs- und Modernisierungskosten für die geerbte Immobilie an. Denjenigen, denen das nötigen Eigenkapital hierfür fehlt, trennen sich lieber von dem geerbten Eigenheim. Ein weiterer Grund der viele Erben zum Verkauf der Immobilie spricht, ist die Tatsache, dass es meistens nicht nur einen Alleinerben gibt. Wer die Eigentumswohnung und das Mietshaus allein nutzen will, muss den anderen auszahlen. Wenn das aufgrund mangelnder Reserven nicht möglich ist, führt das zum Verkauf der Immobilie.

Schenkung sollte zehn Jahre vor dem Tod erfolgen

Doch ein Verkauf kann steuerlich ungünstig sein: Das Finanzamt macht beim Verkauf seinen Anteil am Erlös geltend. Je nach Verwandtschaftsverhältnis kommen zwischen Erblasser und Erben die gesetzlichen Freibeträge zum Tragen. Experten raten daher vom Verkauf der Immobilie ab. Zudem ist eine eigene Immobile ein wichtiger Baustein für die Altervorsorge.

Gestaltungsmöglichkeiten gibt es, wenn schon frühzeitig klar ist, dass die Kinder nach dem Tod der Eltern deren Eigenheim nicht selbst nutzen werden. So gibt es beispielsweise die lebzeitige Übertragung unter Nießbrauchsvorbehalt. Doch die Schenkung sollte mindestens zehn Jahre vor dem Tod des Erblassers erfolgen, damit sie die Erbmasse und damit die Erbschaftsteuer gemindert wird.

Neben dem Steuervorteil spielt für viele Menschen auch einfach das gute Gefühl eine Rolle. Personen, die sich nicht rechtzeitig Gedanken über ihren Nachlass machen, riskieren nach ihrem Tod einen handfesten Konflikt zwischen den Erben. Ist die Vermögensnachfolge zumindest teilweise schon zu Lebzeiten geregelt, tritt eine große Erleichterung ein. Eine Grundregel sollte der Schenker dabei allerdings beachten: Eine Rückforderung ist kaum möglich, auch wenn sich das persönliche Verhältnis in der Familie ändert.




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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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Ein Kommentar zu Immobilien als Erbe

  1. hereditas sagt:

    Rechtlich interessant wird es m.E. vor allem dann, wenn die Immobilie in einer Erbengemeinschaft enthalten ist. Sind sich die Miterben nicht einig, dann landet diese schnell in der Teilungsversteigerung. Dem kann man durch den Verkauf des Erbteils vorbeugen.

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