Situation in China spitzt sich zu: Die gegenwärtige Immobilienkrise könnte auch Auswirkungen auf Deutschland haben

28. April 2014 | von
Hongkong Stadtansicht Wolkenkratzer Wolkenkraterstadt Hongkong Foto: http://pixabay.com/de/hongkong-stadt-wolkenkratzer-266099/

Der Zustand des chinesischen Finanzsystems ist besorgniserregend. Wurden die Warnungen vor einem Immobiliencrash in China zunächst überhört, spitzt sich die Situation derzeit drastisch zu.

Vor einem Immobiliencrash in China hatte der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller bereits im Jahr 2009 gewarnt. Schon damals machte Shiller auf die viel zu schnell wachsende Wirtschaft Chinas aufmerksam, welche erhebliche Problemfelder beherbergte. Zu diesen Problemfeldern zählten unter anderem die hohen Preise für Wohnungen in den Städten wie Shenzhen oder Shanghai. Für die meisten Chinesen unerschwinglich, kosteten die Wohnungen damals das Acht- bis Zehnfache eines durchschnittlichen Jahreseinkommens.

Im Gegensatz zu damals haben sich die Wohnungspreise in den letzten fünf Jahren noch einmal verdoppelt. Damit kommen in China nun jene Faktoren zusammen, die bisher weltweit zu einer Immbolienkrise geführt haben: Preisübertreibungen, ein Überangebot an Wohnungen sowie Kreditexzesse.

Gigantomanie am chinesischen Immobilienmarkt

In den nächsten Jahren sollen in China fünf der zehn höchsten und 14 der 20 höchsten Gebäude der Welt entstehen. Bereits im Jahr 2013 wurden in China 2.596 Millionen Quadratmeter neue Wohnfläche erschaffen – fünfmal so viel wie im Jahr 2000. Damit erreicht der Anteil von Wohnungsbauinvestitionen an der chinesischen Wirtschaftsleistung fast zehn Prozent. Auf jeden registrierten Stadtbewohner in China kommen folglich 37 Quadratmeter Wohnfläche.

Nicht nur die großzügige Kreditvergabe chinesischer Banken und Schattenbanken haben dazu geführt, dass Spekulanten über den Yuan-Carry-Trade die Blasen an den Immobilienmärkten aufgepumpt haben, sondern auch zinsgünstige Dollar- oder Yen-Kredite wurden in höher rentierende Anlagen in Yuan umgesetzt. Kommt es zu einer massiven Auflösung des Yuan-Carry-Trades, droht Kapital aus China abzufließen.

Investoren verkaufen bereits Luxuswohnungen in Hongkong

In Hongkong reagieren die Investoren bereits auf die befürchtete Entwicklung, indem sie ihre Luxuswohnungen verkaufen. Um sich so schnell wie möglich von den Luxusappartements zu trennen, nehmen sie Preiszugeständnisse von bis zu 20 Prozent in Kauf. Auch bei einem Neukauf werden Preisnachlässe von circa 12 Prozent geduldet. Dieses Verhalten gebe laut den Analysten der Großbank Barclays den Auftakt der Immobilienkrise wieder.

Die Wohnungen werden zunehmend an Festlandchinesen verkauft. Doch wenn die Investoren jetzt in Hongkong ihre Wohnungen verkaufen, dann werden sie das bei anhaltender Kreditverknappung auch auf anderen Immobilienmärkten tun, in denen sie in den vergangenen Jahren ebenfalls investiert haben, wie beispielsweise in Australien, Kanada oder Singapur.

Die gegenwärtige Krise droht demnach auch in Schwellenländern mit schwacher Leistungsbilanz überzuspringen. Auch Deutschland könnte von der Krise in China betroffen sein, haben doch deutsche Konzerne ihr Geld zuletzt in China verdient. Analysten sehen erhebliche negative Folgen für den Dax, wenn dieser wichtige Markt wegbrechen würde.




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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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