Dachgärten: nur urbaner Trend oder die Zukunft?

18. Februar 2016 | von
Haus, Dach, Dachgärten, Dachgarten, Dachbegrünung Dachgärten: urbaner Trend oder die Zukunft? - pixabay.com

Rooftop Farming, Guerillia Gardening oder auch ganz simpel, die Dachbegrünung: Das ungewöhnliche Hobby liegt nicht nur im hippen Berlin im Trend sondern ist gerade bundesweit im kommen.

Fliegt man über die Dächer der Städte bietet sich zunehmend ein neues Bild: Nicht grau und voller Schornsteine und Sat-Schüsseln, sondern sattes Grün mit bunten Sprenkeln. Die Dachgärten breiten sich aus. Dabei stehen verschiedene Überlegungen, sozialer und ökologischer Art, im Vordergrund. Die Lust auf frisches, regionales Obst und Gemüse ist da. Der Gedanke es selbst anzubauen, liegt da nahe und die vielen, ungenutzten Flächen über unseren Köpfen bieten eine praktische Möglichkeit selbst aktiv zu werden. Auch das Lebensgefühl und die Gemeinschaft sollen durch solche Projekte gestärkt werden. Soziale Einrichtungen haben zudem auch Bildungsziele für Kinder und Jugendliche auf der Agenda.

Das Frauenhofer-Institut für intelligente Gebäudesysteme in Duisburg sieht ebenso wirtschaftliches Potential im Urban Gardening. Ihren Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland 360 Millionen Quadratmeter Dachfläche, die begrünt werden können. Gerade Gewerbeimmobilien, also die Dächer von Supermärkten, Lagerhallen und großen Bürokomplexen eignen sich. Bisher sind diese Flächen meist komplett ungenutzt und bieten deshalb ein großes Potential für das klimafreundliche Anbauen von Möhren, Salat oder Radieschen. 2015 wurde dazu in Frankreich bereits ein Gesetz erlassen. Neubauten in Gewerbegebieten müssen nun mit einem Dachgarten oder einer Anlage zur Erzeugung erneuerbarer Energien ausgestattet werden.

Als Vorteile der Dachbegrünung werden vor allem ihre isolierende Wirkung und der positive Effekt auf die Luftqualität innerhalb der Städte genannt. Gerade im Sommer, wenn der Beton die Hitze speichert, kühlen Dachgärten durch Verdunstung. Auch die Lebensdauer von Dächern kann verlängert werden: Hagel, Regen oder große Temperaturunterschiede werden durch die Pflanzen abgemildert. Die Statik der Dächer stellt meist kein Problem dar. Fast alle Gemüsesorten gedeihen auch in Hydrokulturen. Es müssen also gar nicht Kiloweise Erde geschleppt werden. Wirtschaftlich betreiben lassen sich Dachgärten schon ab 1.000 Quadratmeter nutzbarer Fläche.

In Deutschland gilt zwar Berlin immer noch als die Hauptstadt des Urban Gardenings, aber auch in Düsseldorf (Elisabeths Garten) oder in Stuttgart gibt es immer mehr offizielle Projekte, die sich mit der Stadtbegrünung und insbesondere den Dächern beschäftigen. In Stuttgart wurde eine eigene Planstelle für urbanes Gärtnern geschaffen. In Moskau und St. Petersburg baut schätzungsweise sogar schon jeder zweite selbst Kartoffeln und anderes Gemüse an.

Begehbare Dachgärten sind genehmigungspflichtig. Wer nicht allzu lange rumprobieren möchte, welche Pflanzen für die Lage und Art des Daches geeignet sind, wendet sich am besten an einen Landschaftsgärtner. Sie helfen bei der Auswahl. Auch können sie mit den richtigen Pflanzen Dächer mit einer Neigung von bis zu 45 Grad begrünen.

Wer über ein bisschen Platz verfügt, kann seiner Phantasie freien Lauf lassen. Gemüsebeete in Weinkisten, alten Autorreifen oder auf Europaletten sind ebenso möglich, wie kleinere Bäume und Weinreben in großen Kübeln. Ist die Fläche groß genug, kann man einen großen Teil des eigenen Bedarfs decken. Doch sollten verschiedene Umwelteinflüsse bedacht werden: Viel befahrene Straßen bieten die Gefahr, dass sich Schwermetalle, Feinstaub und anderes, in den Pflanzen einlagern. Alte Industrieflächen hingegen haben oft Altlasten im Boden.

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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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Eine Antwort auf Dachgärten: nur urbaner Trend oder die Zukunft?

  1. Tobias sagt:

    Ja, das mit den Schwermetallen und Feinstaub ist schon so eine Sache. Wobei am Ende weiß man ja auch nie wirklich wie viele Schwermetalle, usw. im Gemüse des Supermarkts um die Ecke dabei sind. V.G. Tobias

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