Echter Öko-Strom: Gibt es den überhaupt?

10. März 2016 | von
Glühbirne, Strom, Umwelt, Öko Es gibt zahlreiche Anbieter, allerdings halten nicht alle ihr Versprechen. -pixabay.com

Ein aktueller Trend folgt der wachsenden Liebe zur Natur und dem Wunsch vieler Verbraucher ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern: Der Ökostrom – Es gibt zahlreiche Anbieter, allerdings halten nicht alle ihr Versprechen.

Sauberen Strom, der aus erneuerbaren Energien (Wasser, Wind oder Sonne) produziert wird, kann man laut Werbeaussagen mittlerweile bei zahlreichen Anbietern beziehen. Doch was wird als Ökostrom bezeichnet und welche Stromanbieter haben wirklich umweltfreundlichen Strom im Angebot? Es gibt keine einheitliche Definition von Ökostrom, der Begriff fällt nicht unter eine geschützte Produktbezeichnung, wie es sie zum Beispiel für Biolebensmittel gibt. Und: Alle Stromanbieter speisen ihren Strom in das gleiche Netz ein. Was beim Verbraucher aus der Steckdose kommt, kann also Energie aus Atomkraft, Kohle oder einer Windanlage sein, beziehungsweise alles gemischt. Rein physikalisch lässt sich nicht mehr zuordnen, wie der Strom hergestellt wurde.

Wer sich einen neuen Stromanbieter sucht, hat dennoch meist die Umwelt im Hinterkopf. 2012 haben sich, laut den Zahlen der Bundesnetzagentur, rund 2,6 Millionen Verbraucher aktiv für einen neuen Stromanbieter entschieden. Unter den Wechslern waren fast 60 Prozent, die einen Ökostromtarif wählten, so eine Studie von Verivox. Deutschland selbst hat sich die Energiewende auf die Fahnen geschrieben. Energie, die aus Sonnen-, Wind- oder Wasserkraft stammt, wird durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefördert. Der Anteil daran liegt derzeit bei circa 17 Prozent. Wurde der Strom allerdings schon durch das EEG gefördert, darf er nicht mehr als Ökostrom verkauft werden. Deswegen kaufen die Anbieter bevorzugt Energie aus Wasserkraftwerken aus dem Ausland ein. Ein Nutzen für die Umwelt entsteht allerdings nur dann, wenn der saubere Strom den herkömmlichen nach und nach ersetzt. Dies kann nur über Investitionen in umweltschonende Kraftwerke geschehen.

RECS ist eine internationale Organisation. Ihr gehören große Unternehmen wie RWE, E.ON oder Vattenfall an. Es handelt sich dabei um eine Art großer Tauschbörse. Ökostrom-Produzenten erhalten pro 1.000 Kilowattstunden Strom ein Zertifikat und können dieses weiterverkaufen. Auf diese Weise wird die Produktion von Ökostrom nicht weiter ausgebaut und gefördert, sondern der konventionelle Strom nur umetikettiert. Wenn RWE beispielsweise Zertifikate aus einem norwegischen Wasserkraftwerk aufkauft, kann es einen Teil des Atom- oder Kohlestroms als Ökostrom in Deutschland verkaufen. Das norwegische Wasserkraftwerk verkauft im Gegenzug einen Teil seines Stroms als konventionell hergestellten. Günstig eingekaufter Strom unbekannter Herkunft werde so schnell durch ein RECS-Zertifikat für nur 0,05 Cent zu Ökostrom umetikettiert, kritisiert Greenpeace-Sprecher Jan Haase.

Wer also tatsächlich etwas zur Schonung der Umwelt beitragen will, muss bei Stromanbietern kaufen, die keine RECS-Zertifikate verwenden. Nur solche fördern den Ausbau von erneuerbaren Energien. Zu den Anbietern von „echtem“ Ökostrom gehört beispielsweise Naturstrom. Das Unternehmen produziert zum größten Teil in Deutschland und bietet nur 100 Prozent Strom aus Wasser- oder Windkraftanlagen an. Polarstern arbeitet nur mit Wasserkraftwerken in Deutschland zusammen, ebenso wie MANN Energie, die außerdem mit dem „MANN-Cent“ den Ausbau erneuerbarer Energie fördern wollen. Weitere Anbieter sind unter anderem Greenpeace Energy, Ökostrom+ oder Bürgerwerke. Auch einige Zertifikate helfen bei der Wahl eines „echten“ Ökostrom-Anbieters. Dazu zählen das OK-Power-Label oder das Grüner Strom Label (GSL).




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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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