Der Immobilienkrise zum Trotz: Berlin will Immobilien verkaufen

3. Oktober 2008 | von

Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin mags extrem: Mitten in der internationalen Immobilien – und Finanzkrise prescht er mit dem Vorschlag vor, Berlins Immobilienaltlasten aus der Bankenaffäre zu entsorgen – die Opposition ist alles andere als begeistert.

Der Senator plant, Immobilien, die Berlin vor Jahren für mehr als neun Milliarden erwarb, im Frühjahr 2009 zur Ausschreibung freizugeben. Er selbst meint, dass dies „etwas paradox“ erscheint, er aber davon ausgehe, dass sich die Finanzkrise bis dahin beruhigen werde und man jederzeit von dem Verfahren Abstand nehmen könne.

600 Immobilien sind betroffen

Abzuwarten bleibt, wie hoch der Kaufpreis für die knapp 600 Immobilien sein wird, in Zeiten, in denen sich Banken gegenseitig nicht mehr trauen und Kredite an Investoren verweigert werden. Als Hauptargument sieht Sarrazin den Ausgleich des maroden Landeshaushaltes. „Ich will nicht den billigen Jacob machen, aber Investoren auch nicht entmutigen. Ein dreistelliger Millionbetrag sollte übrig bleiben zur Entschuldung des Landeshaushaltes“, so Sarrazin.

Sollte der Preis tatsächlich erzielt werden, so wäre das für die „Berliner Immobilien Hypo“ – kurz BIH ein absolutes Schnäppchen. Derzeit verwaltet die BIH rund 41000 Mieteinheiten. Da rund 400 Millionen Mieteinnahmen derzeit erzielt werden, und die Objekte für knapp eine Milliarde Euro verkauft werden könnten, würde das einer Kapitalverzinsung von etwa 40 % für den Käufer entsprechen – ein ziemlich guter Wert in der heutigen Zeit.

Durch den Verkauf erhofft sich der Finanzsenator einen „klaren Schnitt“ machen zu können. Derzeit sind noch eine Vielzahl der BIH-Objekte in Fonds, an denen auch Kleinanleger beteiligt sind. Laut Sarrazin besitzt das Land aber bereits 60 – 90 Prozent aller Anteile und kann so ohne Bedenken über die Immobilien bestimmen.

Dass dies die Berliner Opposition anders sieht, ist logische Konsequenz. So rechnet unter anderem der finanzpolitische Sprecher der Grünen, Jochen Esser, vor: „das Land hat bereits 2,6 Milliarden Euro für Verluste aus der Risikoabschirmung ausgegeben. Jeder weitere Euro, den der Kaufpreis unter dieser Summe liegt, ist deshalb für den Haushalt ein Verlust.“

Bleibt abzuwarten, ob sich Sarrazins Prognose für den Frühjahr nächsten Jahres bestätigt und der doch sehr forsche Vorschlag Berlins Haushalt wirklich helfen wird.


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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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