Recht auf Mietminderung bei zu kleiner Wohnung

17. Dezember 2008 | von

Der Deutsche Mieterbund in Berlin weist darauf hin, dass ein Großteil der deutschen Mietwohnungen in Wirklichkeit kleiner ist, als im Mietvertrag offiziell angegeben. Laut dem DMB zählen Räume außerhalb der Wohnung, also Keller, Waschküche, Schuppen, Trockenraum und Garage nicht als Wohnfläche der Mieteinheit, werden aber von Vermietern gerne mit einberechnet. Ein extremes Beispiel hierfür findet sich in Hamburg: eine im Mietvertrag mit 34 m² ausgewiesene Wohnung entpuppte sich als besseres „Besenkammer“ mit 19,64 m² – über 40 Prozent der Fläche waren schlichtweg frei erfunden.

Was zählt alles als Wohnfläche?

Gemeinschafts- oder Geschäftsräume zählen in Mehrfamilienhäusern ebenso wenig wie Treppenhäuser als Wohnfläche. Balkon, Terrasse oder Loggia nur maximal zur Hälfte – abhängig vom Wohnwert. Im Normalfall wird ein Viertel der Fläche zugrunde gelegt. Innerhalb der Wohnung zählen grundsätzlich alle Räume zur Wohnfläche, auch Abstellraum oder Vorratskammer. Da Mietpreise meist von Wohnflächen abhängig sind, zahlen Mieter drauf, wenn die Fläche zu groß ausgewiesen wird. Jedoch bringt nicht jede Flächenabweichung nach unten gleich eine Mietminderung mit sich. Laut einem Urteil des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe (Az. VIII ZR 295/03) gelten Quadratmeterangaben im Mietvertrag nicht als ausdrückliche Zusicherung einer Eigenschaft sondern als bloße Objektbeschreibung. Erst ab einer Abweichung vom tatsächlichen Wert von zehn Prozent und mehr darf die Miete gekürzt werden, so die Richter. Das gilt auch dann, wenn die falsche Flächenangabe als ein Circa-Wert im Vertrag steht – gleiches gilt im Übrigen auch für Gewerberäume (Az. VIII ZR 133/03). Bei Flächendefiziten unterhalb der zehn Prozentmarke gilt nur dann ein Mangel, wenn die Wohnungsgröße im Mietvertrag garantiert wurde.

Hat der Vermieter sich hingegen getäuscht und eine kleinere Größe im Vertrag angegeben als tatsächlich vorhanden, so bleibt dieser auf seinem Irrtum sitzen. Hier gilt bei einer Mieterhöhung laut BGH: Der Vermieter muss von der im Mietvertrag genannten Wohnfläche ausgehen (Az. VIII ZR 138/06).


Artikel bewerten und teilen:
VN:F [1.9.19_1165]
0

Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
Dieser Beitrag wurde unter Immobilien kaufen, Ratgeber, Rechtliches abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title="" rel=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>