Skurriles aus dem Gerichtssaal – Haustiere, die keiner will

31. Dezember 2008 | von

Ungebetene Gäste hat niemand gerne im Haus, erst recht nicht, wenn es sich dabei um kleine Insekten handelt. Der Deutsche Mieterbund dokumentierte Fälle, bei denen zwei Mieter aus dem gleichen Grund, aber völlig unterschiedlichen Vorzeichen, vor Gericht zogen.

Angriff der Killerameisen?

Ein Kölner Mieter dokumentierte ein halbes Jahr akribisch, wie viele Ameisen ihn in seiner Wohnung besuchten. Im Juni kamen an sieben Tagen ein bis zwei Ameisen vorbei, die sich im Juli wiederum an drei und im August an zwei Tagen blicken ließen. Nach dem Sommerloch wurden es plötzlich wieder mehr, im Oktober strömten sogar ganze vier Ameisen in des Klägers Wohnung. Zu viele, wie er befand, um die volle Miete zu zahlen. Das Amtsgericht Köln (213 C 548/97) sah dies anders und stellte fest, dass die insgesamt 24 Ameisen eine völlig unerhebliche Beeinträchtigung darstellen, selbst wenn es sich dabei um angebliche „Späherameisen“ handelt, die auf der Suche nach einer neuen Bleibe für ihre Kolonie sind. Erst wenn die Ameisen wirklich ihre Zelte in der Wohnung aufschlagen, kann man die Frage des Wohnungsmangels neu bewerten.

Der Käfer im Haus erspart die Miete – manchmal

Ganz anders erging es einer Mieterin aus dem Raum Aachen, deren Wohnung ab dem ersten Tag von Khaprakäfern befallen war. Der Vermieter versäumte es, die Mieterin vor dem Einzug über das Problem zu informieren, obwohl er von der Käferplage wusste. Bereits der Vormieter ergriff angesichts des massenhaften Auftretens des bis zu 3 mm großen Vorratsschädlings panikartig die Flucht, zudem unternahm der Vermieter noch vor dem Einzug der Frau einen missglückten Versuch der Ungezieferbekämpfung. Er verteilte 10 Liter Holzwurmtod, übrigens gesundheitsschädlich und ausdrücklich nicht für den Gebrauch im Wohnbereich geeignet, in der Wohnung. Den Speckkäfer tangierte das Mittel freilich nur peripher, die Mieterin litt allerdings unter Kopfschmerzen und Übelkeit. Insgesamt hielt sie es sechs Monate in der Wohnung aus, fünf Monate zahlte sie keine Miete und Nebenkosten. Zu Recht, wie das Landgericht Aachen befand (80 C 569/97), schließlich sie die Wohnung in diesem Zustand unbewohnbar. Aber nicht nur die Mietminderung auf Null war gerechtfertigt, das Gericht gestand der Mieterin zudem einen Schadensersatz zu. Dem Vermieter sei durch die unterlassene Information und dem Einsatz eines gesundheitsgefährdendes Mittel ein erhebliches Verschulden bei Abschluss des Mietvertrages vorzuwerfen.


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