Das Kehrmonopol – ein rein deutsches „Problem“?

12. Januar 2009 | von

Lange konnten sie ihr einzigartiges Monopol halten, die Gilde der Schornsteinfeger. Im Sturm von Marktliberalisierung, freier Arbeitsplatzwahl und der Angebotsfreiheit von Dienstleistungen hielten die Lobbyisten der vermeintlichen „Glücksbringer mit Besen und Hut“ ihr Schiff auf Kurs und schotteten sie zuverlässig vom Wettbewerb um deutsche Dächer und Schornsteine ab. Nicht nur vor Mitstreitern aus dem Ausland schützte das Kehrmonopol, auch unliebsame Konkurrenz aus Nachbarorten brauchte der Schornsteinfeger nicht fürchten. In seinem Bezirk – sofern er diesen nach rund 12 Jahren Wartezeit erhalten hatte – war er alleiniger Herr der Öfen, bis zu seiner Rente. Erst als die EU im Jahre 2003 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland einleitete, kam Bewegung ins starre Schornsteinfegerbusiness.

Die Liberalisierung – eine Mogelpackung?

Vor allzu großen Veränderungen brauchen sich die Kehrmänner trotz des am 26. November 2008 beschlossenen „Gesetzes zur Neuregelung des Schornsteinfegerwesens“ freilich nicht fürchten. Ab 2009 dürfen die Bürger zwar auch die Dienste ausländischer Schornsteinfeger in Anspruch nehmen, was sich allerdings durch die Inrechnungstellung der Anfahrtswege wohl zumeist nur für grenznah wohnende Deutsche lohnen wird – wenn überhaupt. Und so ist für viele Ofenbesitzer, die sich durch die Vertreter der Schornsteinfegerzunft gegängelt fühlen, der Schritt zu mehr Wettbewerb wohl eher symbolischer Natur. Sie dürfen jetzt zwar Mess- und Wartungsaufgaben von Dienstleistern durchführen lassen, der Schornsteinfeger wird in Zukunft trotzdem einmal im Jahr klingeln – mindestens. Kontrollen und die Feuerstättenbeschau bleiben ihnen weiterhin konkurrenzlos überlassen. Wirtschaftsminister Glos weiß auch, warum: „Das Schornsteinfegerhandwerk leistet einen wichtigen Beitrag für die Feuersicherheit und den Umweltschutz in Deutschland“.

Schornsteinfeger – der alleinige Herr über sichere Öfen?

Viele Hausbesitzer, die mit den schwarzen Männern auf Kriegsfuß stehen, sehen das freilich anders. Moderne, wartungsarme Öfen würden auch ohne die jährliche Beschau sicher und umweltschonend arbeiten, anstehende Kontrollen könnten auch von anderen Fachleuten ausgeführt werden. Das Monopol diene weder Sicherheit noch Umwelt, sondern nur, damit sie die elitäre Kaste der Feger die Pfründe sichern kann. Auf Schornsteinfeger-kritischen Webseiten wie www.schornsteinfegermonopol.de lassen sich dann auch haarsträubende Geschichten von selbstherrlichen Fegemeistern nachlesen, die ihre Kundschaft ihm sicheren Hafen der Konkurrenzlosigkeit ziemlich dreist behandelten. Kundenorientierung und Dienstleistungsgedanke? Bei so manchen scheinen das selbst im Jahre 2009 noch Fremdwörter zu sein. Auch nur so ist es zu erklären, dass sich einige Schornsteinfeger vor den neuen Mitbewerbern fürchten. Der Iserlohner Obermeister Knaup befürchtet: „Wenn wir jetzt im Wettbewerb wären und müssten den Kunden behalten, dann müssten wir vielleicht Gefälligkeitsbescheinigungen ausschreiben und dadurch würde die Sicherheit den Bach runtergehen.“ Diese Haltung liest sich in Zeiten der Globalisierung wie ein Relikt aus der Steinzeit. Aber längst nicht alle Schornsteinfeger begreifen den Verlust des Protektorates als Gefahr für Geschäft und Sicherheit. Thomas Klaube, Schornsteinfeger aus dem Sachsen-Anhaltinischen Sangerhausen, sieht auch die Chancen des neuen Gesetzes: „Die Liberalisierung wird sich hoffentlich auf die Qualität niederschlagen und den schon vorhanden hohen Standard in vielen Betrieben noch erhöhen.“ Und weiter: „Ein weiterer Vorteil für das Schornsteinfegerhandwerk ist es, dass man nun endlich betriebswirtschaftliches Wissen nutzen kann, um die Dienstleistungsvielfalt ausweiten und damit Umsätze und Gewinne erhöhen.“

Aufbruch statt Jammern

Und so erscheint es einem, das vor allem diejenigen um ihre Existenz fürchten, die sich zu lange auf ihrem Monopol ausgeruht haben, denen die Kundenzufriedenheit egal war und die sich der neuen Situation nicht stellen wollen oder können. Diese Befürchtung hat Thomas Klaube nicht, im Gegenteil. Lediglich ein verschwindend geringer Prozentsatz von 0,5% sei mit der Zwangsüberprüfung in der Vergangenheit unglücklich gewesen, eine große Mehrzahl von 85% dagegen sei sehr zufrieden. Zudem habe noch niemand aus seinem Kundenkreis signalisiert, den Dienstleister zu wechseln, im Gegenteil, Fremdkunden haben ihn angesprochen, die Schornsteinfegerarbeiten zu übernehmen.

Und wie steht er zur Gesetzesnovelle? Thomas Klaube: „Es ist gut, dass die Gesetzesänderung nun vollzogen ist, die Unklarheit der letzten Jahre hat viele Kollegen verunsichert.“ Und so rechne er zwar noch mit einigen Anpassungen und Optimierungen, bringt es aber dann treffend auf den (Schluss)Punkt: „Ich sehe der Zukunft positiv entgegen. Im traditionellen Outfit möchte ich innovativ in die Zukunft gehen.“


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