Hausverlosung: Chance, Abzocke oder illegal?

23. Januar 2009 | von

Wenn die Zeiten schlecht sind und die Gürtel enger geschnallt werden müssen, haben die Menschen die kreativsten Ideen, um an Geld zu kommen. Wer zum Beispiel während der aktuellen Finanz- Wirtschafts- und Immobilienkrise versucht, sein Haus zu verkaufen, bekommt wohl nur in den seltensten Fällen den Preis, den er sich vorgestellt hat, schließlich sitzt derzeit weder bei Banken noch bei Käufern das Geld besonders locker. Warum also nicht aus dem Verkauf eine Lotterie machen? Für einen bestimmten Betrag kann jeder ein Los kaufen und hat immerhin eine, im Vergleich zum normalen Lottospiel, überschaubare Chance auf Glückseligkeit.

Genau das dachte sich auch Volker Stiny, der für sein Häuschen in Baldham bei München keinen Käufer fand. Sicher war der Preis mit knapp 500.000 Euro nicht gerade ein Schnäppchen, aber nach Ansicht des Besitzers trotzdem gerechtfertigt.

Rieseninteresse an zweifelhafter Methode

Nach einem Jahr gab er die Suche nach einem Käufer auf und veranstaltet derzeit ein Quiz, um einen glücklichen Gewinner zu finden. Nur Verlosen darf er es nicht – in Deutschland hat der Staat das Glücksspielmonopol. Mit einer durchaus fragwürdigen Methode schafft sich Stiny eine Hintertür:

Als Interessent kann man sich auf seiner Internetseite registrieren und für 19 Euro eine Teilnehmernummer erwerben. Danach muss man in Form eines „Geschicklichkeitsspiels“ 15 Fragen im Stile von „Wer wird Millionär“ richtig beantworten, um an der anschließenden Verlosung des Hauptpreises teilzunehmen. Antwortet man falsch, ist die Chance dahin – oder man kauft eine neue Teilnehmernummer für 19 Euro. Das riecht nach Abzocke, schließlich hat der Interessent so gar keine Gegenleistung für seine 19 Euro, nicht mal die von Stiny angepriesene Chance von 1:48.000.

Mehr als 20.000 Mitspieler bereits gemeldet

Exakt 48.000 Mitspieler sind das Ziel Stinys, die er bis Ende März erreicht haben will. Das würde Einnahmen von 912.000 Euro bedeuten und damit deutlich mehr als die vormals angepeilten 500.000 für den Verkauf. Weil er noch weitere Preise ausschüttet, Anwälte und Notare bezahlen muss und zudem 20.000 Euro an die Stiftung „Kinder für Afrika“ spenden will – schließlich sieht ein bisschen Wohltätigkeit immer gut aus – würden ihm immernoch rund 600.000 Euro bleiben.

Rechtlich ist die Sache aber noch nicht in trockenen Tüchern. Zwar hat er eine Anwältin gefunden, die sich sicher ist, dass hier alles legal und ordnungsgemäß abläuft, auf ein Okay der Regierung Mittelfrankens, die für das Glücksspiel in Bayern zuständig ist, wartet er derzeit noch vergeblich.

Ob diese Form des Glücksspiels bestand hat, ist freilich fraglich. Erst vor kurzem wurde die von Jauch moderierte „SKL-Show“ nach einer Gesetzesverschärfung verboten und kann nunmehr nur noch im Internet verfolgt werden.

Update vom 28.01.09: Inzwischen ist die Frage aus der Überschrift geklärt – die Hausverlosung ist in Deutschland illegal. Die Regierung Mittelfranken untersagte die Verlosung unter bezugnahme auf das Glücksspielgesetz.


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