Vorsicht Falle: Abzocke und Betrug bei Nachbarschafts-Communities?

26. Januar 2009 | von

„Für Sie wurde eine persönliche Nachricht hinterlegt“: Erst kommt die nette Mail vom Nachbarn, wenig später dann die Rechnung. Denn wer die Nachricht abruft, gerät schnell in die Abo-Falle. Betroffene sollten unter keinen Umständen den geforderten Betrag überweisen, denn das Berliner Amtsgericht urteilte inzwischen, dass keine Zahlungspflicht besteht.

Mit einem „Sie haben Post von einem Nachbarn“ geht es los. Per Telefon oder Mail kommt der Hinweis auf die angeblich so wichtige Nachricht vom unbekannten Anwohner, die man nur über nachbarschaft24.net oder nachbarschaftspost.com und einem mitgelieferten Code abrufen kann. Wer nun erfahren will, von wem die Nachricht ist und um was es geht, muss neben dem Code auch noch seine Festnetznummer, Name und Vorname angeben sowie die AGB bestätigen – und tappt in die Abo-Falle. Denn nach 14 kostenlosen „Probetagen“ kostet die Community 9 Euro im Monat bei einer Mindestlaufzeit von zwei Jahren, zu zahlen halbjährlich im Voraus.

Den Nachbarn und die Nachricht gibt es natürlich nicht, dafür aber wenig später eine satte Rechnung. Wer sich weigert, den Betrag zu zahlen, hat bald schon wieder Post im Briefkasten – diesmal eine Mahnung vom Inkassobüro mit der Androhung weiterer juristischer Konsequenzen bei Nichtzahlung.

Diese Drohkulisse brach allerdings im November 2008 in sich zusammen, als die in Dubai ansässige Netsolutions FZE einen säumigen Kunden auf Zahlung der Rechnung plus Nebenkosten verurteilen wollte – und vor dem Berliner Amtsgericht eine Niederlage einstecken musste. Die Richter stellten fest, dass keine Zahlungspflicht gegenüber nachbarschaft24.net besteht, denn „eigentlich sei gar nicht wirklich klar, wofür Netsolutions FZE überhaupt Geld verlangt. Daher seien die Verträge unwirksam.“ Zudem sei „die Frau nicht in ausreichender Weise über ihr Widerrufsrecht belehrt worden. Dazu reiche der unscheinbare Hinweis in der Fußzeile der Startseite nicht aus.“ (Az.: 17 C 298/08). Da das Berliner Gericht eine Berufung nicht zuließ, ist das Urteil rechtskräftig.

Wer sich dennoch nicht sicher ist, was bei einer Mahnung zu tun ist, kann sich auf Portalen wie „abzocknews.de“ oder dem Lawblog über aktuelle Fälle und Rechtssprechungen informieren.


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