Längster Laufsteg der Welt? Modemesse mietet Flughafen Tempfelhof

30. Januar 2009 | von

Die Modemesse „Bread & Butter“ kehrt nach zwei Jahren Abstinenz nach Berlin zurück und wird sich für 10 Jahre im Flughafen Tempelhof einmieten. Zwei Mal jährlich sollen nun für je einen Monat Haupthalle, Vorfeld und sämtliche Flugzeughangars für die Ausstellung genutzt werden. Nach dem umstrittenen Ende des Airports wirft nun auch die plötzliche Neuvermietung einige Fragen auf.

Was Bread & Butter-Chef Karl-Heinz Müller und Berlins regierender Bürgermeister Klaus Wowereit mit einer opulenten Überraschungsparty inklusive Champagner, Häppchen und Lasershow feierten, sorgt heute bereits für den ersten Kater. Vor allem die Babelsberger Filmstudios, die sich mit dem „Projekt Filmhafen“ ein umfassendes Nutzungskonzept des 300.000 m² großen Geländes mit Filmstudios, Maske und Kostümfundus ausgedacht hatten, sehen sich nun ausgebootet. „Wenn alles so kommt, ist das Projekt Filmhafen gestorben“, sagte der enttäuschte Studiochef Woebcken der dpa. Auch Wowereits Amtsvorgänger Diepgen kritisiert: „Ein Einzelkonzept bringt uns nicht weiter“.

Kurzzeitnutzung bleibt Stückwerk

Solcherlei bedenken ficht Wowereit freilich nicht an. Er bezeichnet den am Dienstag unterzeichneten Vertrag als „hervorragende und sinnvolle Lösung“, die Berlin einen “wichtigen wirtschaftlichen Impuls“ verleiht, schließlich sei zu Messezeiten mit 80.000 Besuchern und 200.000 Hotelübernachtungen zu rechnen. Nach Ansicht Wowereits schließe die jetzige Vereinbarung „andere Nutzungsideen nicht aus, da das Gelände nur zu Messezeiten belegt sei“ – eine Ansicht, der Woebcken widerspricht: „Eine Mischnutzung von Event und großer Filmproduktion ist nicht machbar“.

Weiterhin bleibt offen, was in den restlichen zehn Monaten des Jahres auf dem Flughafen passiert, wenn keine Modemesse stattfindet. Nicht geklärt ist auch die Frage, warum Bread & Butter den Zuschlag bekommen hat, ohne vorher an dem Ideenwettbewerb mit bisher 61 eingereichten Konzepten oder einer Ausschreibung teilgenommen zu haben. Scheinbar wurden so rein wirtschaftlichen Interessen einem ganzheitlichen Nutzungskonzept vorgezogen, denn Bread & Butter will groß investieren, während andere Nutzer wohl subventioniert werden müssten.


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