Bausparkassen dürfen von Kunden weiterhin Abschlussgebühren verlangen

13. März 2009 | von

Rückschlag für Millionen Bausparer, Aufatmen bei den Bausparkassen: Das Landgericht Heilbronn entschied in erster Instanz, dass Bausparkassen von ihren Kunden auch weiterhin Gebühren für den Abschluss von Neuverträgen verlangen dürfen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hatte gegen die Bausparkasse Schwäbisch Hall geklagt, weil sie keine Gegenleistung für die Gebühren sah. Jetzt soll es notfalls vor den Bundesgerichtshof (BGH) gehen.

Für die Bausparkassen geht es dabei um durchaus erkleckliche Summen, denn obwohl der Bausparvertrag als altmodische und leicht angestaubte Sache gilt, wurden im vergangenen Jahr immerhin knapp vier Millionen der Hausfinanzierungen verkauft. Bei einer durchschnittlichen Bausparsumme von 25.000 Euro und der üblichen Abschlussgebühr von einem Prozent würden so 250 Euro pro Vertrag fällig, die als Provision an den Berater gehen und direkt von der ersten Einzahlung des Kunden abgezogen werden. Insgesamt konnten die Bausparinstitute damit eine Milliarde Euro allein an Gebühren einnehmen.

Die Verbraucherschützer sehen für die Abschlussgebühr allerdings keine Gegenleistung der Kassen, schließlich liege das Eröffnen eines Bausparkontos und die Bezahlung des Vertriebes allein im wirtschaftlichen Interesse der Bausparkassen. Dabei berufen sich auf ein Urteil des BGH.

Die Kassen halten dagegen, daß die Gewinnung neuer Kunden für das Bausparkassensystem essentiell wichtig sei, sonst könnten später keine neuen Darlehen vergeben werden. Bausparer müssen erst 50 Prozent der Vertragssume einzahlen, um den Rest als Darlehen zu bekommen, daher werden ständig neue Gelder benötigt. Und da die Bausparer eine große Gemeinschaft bilden und das System unabhängig vom restlichen Finanzmarkt funktioniere, sei die Gebühr im Interesse der Kunden – einer Interpretation, der auch die Richter folgten. Der Abschluss sei eine freie und transparente Preisvereinbarung, so das Gericht.

Die Verbraucherschützer wollen dennoch nicht aufgeben. Auf ihrer Homepage halten sie Musterformulare zum Download bereit, mit denen sich die Kunden vorsorglich wegen möglicher Rückzahlungen an ihre Bausparkasse wenden können, schließlich gehe es die Korrektur des Guthabens inklusive Zinsen.

Die verklagte Bausparkasse Schwäbisch Hall ist sich trotz des erstinstanzlichen Sieges scheinbar auch nicht ganz so sicher. In der Sache verzichtet sie auf eine Verjährung, damit die über sechs Millionen Kunden bei einem anderen Ausgang des Verfahrens ihre möglichen Ansprüche doch noch geltend machen können.


Artikel bewerten und teilen:
VN:F [1.9.19_1165]
0
Dieser Beitrag wurde unter News, Rechtliches abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.