Living in a Box – aber modern

13. März 2009 | von

Seit knapp drei Jahren stehen die kleinen Wohnwürfel nun schon am Rande des englischen Gartens und bieten sieben Studenten im sonst recht unerschwinglichen München kostengünstiges Wohnen. Dafür müssen sie allerdings einiges in Kauf nehmen. Wird das Designprojekt zum Wohntrend?

Es ist ja nicht so, daß Studenten nicht schon immer unter eher bescheidenen Verhältnissen gewohnt haben. Oft bieten auch Zimmer in normalen Häusern nur wenig Raum und noch weniger Komfort, kosten dafür umso mehr. Besonders in München ist die Wohnungssituation für Studenten geradezu katastrophal. Für das Studentenwerk München Grund genug, neue Wohnformen zu erproben.

Das Konzept lieferte Professor Richard Horden in Zusammenarbeit mit den Münchner Architekten Lydia Haack und John Höpfner, den Studierenden am Lehrstuhl für Gebäudelehre und Produktentwicklung der TU München sowie dem Tokyo Institute of Technology. Mit dem Mobilfunkanbieter O² fanden sie einen Finanzierer für das Projekt.

6,5 m² Wohnraum bieten die Würfel, das ist ungefähr so viel, wie die vorgeschriebene Zwingergröße eines Pudels. Menschen haben aber ein paar weitergehende Bedürfnisse als ein Hund, ein bequemes Bett zum Beispiel, das Kochen von Essen, multimediale Unterhaltung und Körperhygiene, möglichst mit Wasser. All das bietet das „micro-compact home“, so der offzielle Name des Smarts unter den Häusern, erstaunlicherweise, und das durchaus hochwertig und modern. Natürlich muss man schon ein paar spezielle Eigenschaften mitbringen, um es hier auszuhalten. Am Besten lassen die sich wahrscheinlich unter „aufgeschlossenen“ subsummieren.

So ist sicher nicht jeder begeistert, daß man hier unter Dauerbeobachtung steht, schließlich sind alle Container parterre und mit großzügigen Fensterflächen ausgestattet. Gleich hinter der Eingangstür überrascht die Toilette, viele Elemente müssen erst herausgezogenen werden, was andere Dinge gleichzeitig unmöglich macht. Dafür gibt es eine Terasse, falls einem die doch recht niedrige Decke mal auf den Kopf fällt.

Und obwohl das Projekt inzwischen etliche Auszeichnungen erhalten hat, darunter den Preis des Bundes Deutscher Architekten 2006 in der Kategorie Wohnen, die Münchner Würfel bei Studenten immer noch begehrt sind und die „micro compact homes“ für einen Preis zwischen 25.000 und 35.000 Euro käuflich zu erwerben sind, wachsen sie bis jetzt noch nicht wie Pilze aus dem Boden. Das Bedürfnis, auf Dauer in einem Schuhkarton zu wohnen, hält sich dann wohl doch in Grenzen.

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