Berlin will Discounter-Wildwuchs verhindern

6. April 2009 | von

Berlin hat ein Luxusproblem, das andere Städte gerne hätten: bebaubare Freiflächen. Entlang des ehemaligen Todesstreifens gibt es auch knapp 20 Jahre nach dem Mauerfall noch etliche Brachen, die einer neuen Nutzung harren – aber bitte nicht als Discounter. Ein Stadtentwicklungskonzept soll dabei helfen.

Den Anblick kennt sicher jeder: Neben dem Flachbau des Discounters X hat sich praktischerweise gleich auch noch Discounter Y angesiedelt, der sich mit dem auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegenden Discounter Z um die Kunden streitet. Schön sieht das nicht aus, insbesondere weil sich die Märkte doch alle gleichen wie ein Ei dem anderen.

Damit sich dieses Schauspiel bei der Vergabe neuer Bauplätzen auf den seit Jahrzehnten brachliegenden Flächen entlang der ehemaligen Mauer nicht wiederholt, versucht Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) einen städtebaulichen Kniff: Mit Bebauungsplänen will sie die massenhafte Discounter-Ansiedlung rechtssicher verhindern. Diese Kiez-Konzepte geben einen Überblick über die geplante Stadtentwicklung – freilich ohne Discounter. Das bisherige Problem ist, daß nur Verkaufsflächen mit einer Größe über 800 m² einer gesonderten Genehmigung bedürfen, was die Discounter mit 799 m² großen Verkaufsräumen geschickt umgehen. Die Begehrlichkeiten der Einzelhändler könnten in Zukunft unter Hinweis auf das Stadtentwicklungskonzept abgelehnt werden.

Natürlich haben die Politiker nichts gegen die Discounter selber, auch die wohnnahe Versorgung der Bevölkerung soll weiterhin möglich sein, nur eben nicht in den geklonten Kaufschachteln. Stattdessen sollte der Einzelhandel doch in die Erdgeschosse neuer Wohnhäuser ziehen.


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