Anschläge auf exklusive Wohnprojekte in Berlin

24. April 2009 | von

Gehobenere Wohnbauprojekte sind in Berlins Szenekiezen Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Kreuzberg offenbar nicht willkommen: Immer wieder werden die Baustellen Opfer von Anschlägen.

Zuletzt brannte es in der Tiefgarage des „Palais Kolle Belle“, einem exklusiven Wohnprojekt inmitten des Szenekiezes Prenzlauer Berg. Vier Staffeln der Feuerwehr mussten ausrücken, um die brennenden Baumaterialen zu löschen. Da die Baustelle am Kollwitzplatz wohl nicht das Opfer einer spontanen Selbstentzündung wurde, geht die Polizei von Brandstiftung aus.

Seit zwei Jahren wird auf dem Gelände, auf dem mal eine Wagenburg stand, nun schon gebaut. Die Website des Projektes schwärmt von einem „romantischen Lebensgefühl“ am Kollwitzplatz und vom Pariser Flair, der hier herrscht. Dabei steht das Gefühl wohl eher für die Gentrifizierug, die Prenzlauer Berg schon lange erfasst hat. Die schleichende Aufwertung der Bausubstanz sorgt für steigende Mieten, die sich die hier lange ansässigen Einwohner nicht mehr leisten können –sie werden immer mehr durch zahlungskräftigeres Klientel verdrängt.

Was Prenzlauer Berg schon lange durchmacht, könnte demnächst auch Kreuzberg blühen. Jedenfalls kam ein Investor auf die Idee, ausgerechnet in dem nicht gerade für Reichtum und Luxus bekannten Stadtteil ein Projekt namens „CarLoft“ zu realisieren. Auf fünf Etagen können betuchte Besitzer zukünftig ihren fahrbaren Untersatz praktisch mit in die Wohnung nehmen – eigentlich logisch, denn Fahrzeuge der gehobenen Klasse gehen hier gerne mal in Flammen auf. Konsequenterweise heißt es auf der Webseite des Projektes dann: „Angst, dass ihr Auto beschädigt wird? Unsicherheit in dunklen Nebengassen und Tiefgaragen? Stellen Sie sich vor, Ihr New- oder Oldtimer parkt sicher auf Ihrer Etage.“

Für eine Carloggia, die „zur Eventfläche fürs Auto“ wird hat man im grün geprägten Viertel nur wenig Verständnis. Stattdessen fliegen immer wieder Farbbeutel und Steine Richtung Baustelle. Mit etwas mehr Fingerspitzengefühl bei der Standortwahl hätte sich die ein- oder andere Konfrontation vermeiden lassen können, stattdessen wird man das Gefühl nicht los, daß hier eine autarke Umwelt geschaffen wird, die mit der realen Umgebung gar nichts mehr zu tun haben will. Entsprechend zynisch erscheinen dann auch einige Aussagen der Website: „Um Sie herum spielen Ihre Kinder, Sie entspannen im Whirlpool oder verbessern am putting green Ihr Handicap – in Ihrem Garten, direkt vor der Haustür auf Ihrer Etage.“


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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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2 Kommentare zu Anschläge auf exklusive Wohnprojekte in Berlin

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