Our House – wie das Mietrecht das Zusammenleben regelt

28. April 2009 | von

Was in einer Familie im Kleinen passiert, gilt erst recht für ein ganzes Mietshaus: verschiedene Charaktere, Geschmäcker und unter Umständen auch Kulturen treffen aufeinander und verkomplizieren das Zusammenleben. Damit in der Familie deshalb kein Krieg ausbricht, gibt es den Familienrat – und für das Mietshaus das Mietrecht.

Zum Beispiel gibt es da, die Blumenliebhaber und Dekorationswütigen, die mit Vorliebe ihre Wohnung in eine Mischung aus Biotop, Dschungel und Flohmarkt verwandeln. Das sei ihnen gegönnt und sogar erlaubt, zumindest solange die Bäume im Wintergarten keine Wurzeln schlagen und Bausubstanz des Gebäudes beschädigen. Sobald die Flora aber auf Flur und Treppenhaus übergreift, wird es kritisch. So musste das Amtsgericht Münster (Az.: 38 C 1858/08) einer Erdgeschoss-Mieterin einhalt gebieten, die in einem Mehrfamilienhaus die Treppen und Gänge mit allerlei Dekoration verzierte. Zudem ersetzte sie die dezente Standard-Flurbeleuchtung mit einer opulenteren Variante. Auch der Gemeinschaftsgarten blieb nicht verschont und wurde durch Töpfe mit üppigem Blumenbewuchs aufgehübscht. Zwar erkannte das Münsteraner Gericht ganz sicher die CO²-bindende Funktion der Pflanzen an, dennoch entschied es, dass Flur, Tür und Garten nicht einfach nach Belieben umgestaltet werden dürfen.

Für mehr Unmut bei den Nachbarn sorgt meist aber die unfreiwillige Beschallung mit Musik. Besonders nervend sind dabei die selbstproduzierten musikalischen Gehversuche verhinderter Rockstars. Wer erinnert sich nicht mit Grausen an die 80er Jahre, als schrille Farben und toupierte Mähnen genauso en vogue waren wie minutenlange Gitarrrensoli? Zwar sollte auf das Nachspielen solch musikalischer Verfehlungen aus Geschmacksgründen verzichtet werden, als einmalige, erhebliche Ruhestörung darf das überlaute Spielen mit einer elektrischen Gitarre aber nicht zur fristlosen Kündigung des Mietverhältnisses führen. Das Amtsgericht Trier unterschied in seinem Urteil mit dem Aktenzeichen 8 C 49/02 allerdings auch nicht zwischen „Stairway to heaven“-Solo und ohrenquälenden Gitarrenmalträtierungen der 80er.


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