…da wurde es Regensburg zu Bunt.

19. Mai 2009 | von

Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters und Kunst ist Geschmackssache – und außerdem regional höchst unterschiedlich. Eine bunte Fassade würde in Berlins Szenekiezen wohl niemanden interessieren, im römisch-katholischen Regensburg ist es dagegen ein Riesen-Aufreger. Das bekam nun ein Hausbesitzer zu spüren, der die Fassade seiner Immobilie nach dem Motto „Die Zukunft ist bunt“ anstreichen ließ.

Die Stadtverwaltung Regensburg spricht in einem Brief an den Besitzer gar von einem „Tatbestand der Verunstaltung“, den die Fassade in ihrer derzeitigen Gestaltung erfülle. Hauseigentümer und Malermeister Franz Rebl soll sein gerade erst renoviertes Haus wieder neu anstreichen – und zwar am besten in Weiß. Derzeit erstrahlt die Fassade nach einem Entwurf des Künstlers Carsten Kruse in bunten Farben und recht unkonventionellen Formen.

Im schönsten Behördendeutsch spricht die Stadt von einem „offensichtlich ästhetischen Bruch“, den der Anstrich im Vergleich zur Architektur des Gebäudes darstelle. Sogar „eine aggressive Komponente“ erkennt die Behörde im „freien Farbenspiel“ – und das sei doch bitte zu unterlassen. Die Stadt fürchtet um das Ansehen der Altstadt, die von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt ist. Und selbst Häuser, die sich wie Rebls Haus gar nicht in der Altstadt befinden, sollen das Stadtbild nicht mit bunten Fassaden stören.

Nicht einmal die im Grundgesetz verankterte Kunstfreiheit, auf die sich der Hauseigentümer beruft, lässt die Stadt gelten. Die Beeinträchtigung sei so „schwerwiegend, dass die Freiheit der Kunst zurückzutreten hat.“ Auch wegen der positiven und zustimmenden Meinungen der Regensburger will es Rebl nun auf einen Rechtsstreit mit der Behörde ankommen lassen.


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