Wohnpakt 2020 – Deutscher Mieterbund appelliert an die Politik

30. Mai 2009 | von

Eine Woche vor dem Deutschen Mietertag 2009 in Leipzig hat der Deutsche Mieterbung (DMB) am Freitag einen „Wohnpakt 2020“ gefordert. Die Politik müsse sich Herausforderungen wie der Bekämpfung der Wohnungsknappheit, Gebäudesanierungen und der Bereitstellung seniorenfreundlicher Wohnungen stellen.

Der DMB fordert etwa Vorgaben, infolge derer der Primärenergiebedarf bereits bestehender Wohngebäude nicht mehr höher sein darf als der von Neubauten, für die die Energieeinsparverordnung bisher ausschließlich gilt. Jedes Jahr werden 265.000 Wohnungen saniert, bei 37,3 Mio bewohnten Wohnungen in Deutschland sei dies allerdings viel zu wenig. Energieeffizientere Gebäude seien durchaus auch im Interesse des Vermieters, denn wer die Modernisierung versäumt, dem könnten in Zukunft die Mieter ausbleiben. Als Anreiz für Vermieter seien Förderungsprogramme zur Gebäudesanierung unerlässlich. „Bis zum Jahr 2020 sind 2 Milliarden Euro im Jahr bereitzustellen“, so der Präsident des DMB, Dr. Franz-Georg Rips.

Angesichts der zunehmend älter werdenden Gesellschaft werde auch alters- und behindertengerechtes Wohnen immer wichtiger. Besonders bei jahrzehntealten Wohnungen bestehe in diesem Bereich dringender Modernisierungsbedarf. Der Anteil der seniorenfreundlichen Wohnungen müsse in den kommenden Jahren von derzeit 1% auf 10% erhöht werden. Auch hier könnten sich Vermieter durch modernisierte Objekte Wettbewerbsvorteile verschaffen. Für den Bereich altersgerechtes Wohnen müssten Fördermittel von 300 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden.

Auch die Neubauförderung ist Teil des Wohnpaktes. Selten gab es so wenige Neubauten wie jetzt, doch vielerorts wären sie aufgrund von Wohnungsengpässsen dringend notwendig. Obwohl der Neubaubedarf auf 400.000 Wohnungen im Jahr geschätzt wird, wurden 2008 nicht einmal halb so viele gebaut. In diesem Jahr werden es voraussichtlich noch weniger sein. Keine guten Nachrichten, denn Wohnungmangel bedeutet auch höhere Mieten.

Rips appellierte außerdem an die Politik, tragbare Wohnkosten zu sichern. Schon jetzt liege die Wohnkostenbelastung für Haushalte mit geringem Einkommen bei bis zu 40%. In Zukunft sei zum einen mit steigenden Heizkosten zu rechnen, zum anderen trieben notwendige energetische Modernisierungen die Mietpreise zusätzlich in die Höhe. Damit sich auch Einkommensschwache modernisierte Wohnungen leisten können, fordert der DMB eine Angleichung des Wohngeldes bzw ein sogenanntes Klimawohngeld für Haushalte mit nur wenig mehr Einkommen als ALG II.

Schließlich fordert der DMB die Politik auf, weiter an der Stadtentwicklung zu arbeiten, Stadtteile aufzuwerten und ein soziales Zusammenleben verschiedener Bevölkerungsgruppen zu unterstützen. In diesen Prozess sollen die Bürger aktiv eingebunden werden.
Diese Investitionen könnten auch und gerade in der Wirtschafts- und Finanzkrise sinnvoll sein: „Eine Milliarde Euro Investitionen im Gebäudebereich sichern und schaffen 20.000 bis 25.000 Arbeitsplätze für ein Jahr“, so Rips.


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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion

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